euro-scene 2017

Trixie tanzt noch mal

Das Tanzstück „The Wanderers Peace“ von der Schweizer Choreografin Nicole Seiler zeichnet das Leben der deutschen Tänzerin Beatrice Cordua nach. Beatrice spielt und tanzt ihre eigene Lebensgeschichte.
Beatrice Cordua
Beatrice Cordua in "The wanderers peace"

Beatrice Cordua wurde 1941 in Hamburg geboren und tanzte unter anderem als Solistin bei John Neumeier in Hamburg und war Tänzerin und Tanzleiterin bei Johann Kresnik in Berlin. Seit 2004 arbeitet sie als freie Tänzerin und Choreografin in Berlin.

Das Stück

Im Stück sitzt Cordua in einem weißen Kleid die meiste Zeit auf einem Stuhl und erzählt von ihrer Karriere, ihren Begegnungen und Erfahrungen. Etwa vier Mal in dieser Stunde verlässt sie ihren Platz und wagt sich auf die Weiten der Bühne: Cordua legt sich starr auf den Boden, während im Hintergrund eine Videosequenz und ein Text auf der Leinwand ablaufen. Mit vom Boden abgehobenem Kopf wartet Cordua brav, bis alles fertig abgespielt ist.

Themen

Sie schwärmt von der Eleganz des Tanzes und schreitet zur Demonstration. Sie versucht dieses Gefühl noch einmal aufleben zu lassen, die Bewegung zu genießen: Beatrice Cordua steht auf, hebt und senkt ihr Bein. Dann berichtet sie von 1972, als sie zum Skandal des Jahres wurde, weil sie in John Neumeiers Inszenierung von „Le sacre du printemps“ nackt tanzte. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählt sie, wie sehr sie es genossen habe, ohne Hüllen zu tanzen. Sie habe sich dabei sicher und stark gefühlt. Eine Videosequenz zeigt einen Ausschnitt der Inszenierung. Cordua beleuchtet ihre einzelnen Karriereschritte – beginnend mit der Ballettschule in London bis hin zu ihren ersten Versuchen als Choreografin. Sie deutet auf die Willkür mancher Inszenierungen hin. Beatrice Cordua steht auf, gibt einen Laut von sich und kneift sich schließlich in die Brust.

Kritik

Beatrice Cordua blickt humorvoll auf ihr Leben als Tänzerin zurück. Die meisten Eindrücke entstehen jedoch aus ihren Erzählungen. Man wartet vergebens darauf, dass sie ihrer Biografie tänzerisch Ausdruck verleiht. Angesichts des Alters der 76-jährigen Tänzerin ist die minimalistische Choreografie nachvollziehbar. Aber vielleicht hätte sich für Beatrice Cordua eine kommentierte Videosichtung besser angeboten.

 

 

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