Zeichentrick

Trickfilm ade?

20 Jahre ist es inzwischen her, dass der König der Löwen über die Kinoleinwände flimmerte – ein Meilenstein in der Geschichte des Trickfilms. Heute sind nur noch wenige Filme handgezeichnet. Wir sprachen mit einem Leipziger Comiczeichner darüber.
Zeichentrick erfordert nicht nur viel Geduld, sondern auch viel Präzision.

Der König der Löwen, Bambi oder Die Schöne und das Biest: Filme, die vor 20 Jahren über die Kinoleinwände flimmerten, Kinderaugen zum Strahlen und das ein oder andere Erwachsenenauge zum Weinen brachten. Aber noch etwas haben die Filme gemeinsam: Sie sind alle handgezeichnet. Für den Leipziger Künstler, Trickfilmer und Karikaturisten Schwarwel sind solche Filmproduktionen unverzichtbar:

Als Zeichner verbinde ich mit König der Löwen vor allem ein hohes Maß an Perfektionswillen. Auch wie die Charaktere gezeichnet sind, ist einfach großartig. Da es sich um eine Sagenwelt handelt und Tiere die handelnden Personen sind, muss man ihnen Gesichter geben – und das ist da natürlich super gelungen, sodass dann auch wenigstens die kleinere Fraktion oder die weicheren Herzen unter uns immer weinen müssen. Und wenn du das schaffst, Emotionen zu erzeugen, dann hast du im Trickfilm gewonnen!

Schwarwel

Animation statt Zeichentrick

Solche großen Emotionen würden aber immer mehr verschwinden. Der Zeichentrick wird immer häufiger durch Animationsfilme ersetzt. Große Unternehmen wie Dream Works, Pixar und natürlich auch Disney, rüsten auf vollanimierte 3D-Filme um. Perfekt ausgeleuchtet und bis ins kleinste Detail genau animiert, rollen Roboter, Monster und sprechende Autos über die Leinwände des heutigen Kinderkinos. So werden Publikumsmagneten wie Wall-E oder Ab durch die Hecke generiert.

Schwarwel nutzt da lieber den Zeichentisch anstelle des Grafiktablets. Stück für Stück und Frame für Frame bewegen sich seine gezeichneten Figuren auf dem Papier. Das dauert natürlich länger, behält aber dafür einen eigenen Geist, sagt der Trickfilmer:

Was dir am PC entgeht, ist, dass du eben nicht der Illusion erliegst, du hättest alles unter Kontrolle. Hast du nicht. Auf keinen Fall. Das zeigt dir jede einzelne Zeichnung, mit jedem einzelnen Strich. Der Bleistift ist einfach anders. Beim einen ist jede Mine zerbrochen und du spitzt dich tot und beim nächsten ist es ganz seifig auf dem Papier.

Schwarwel

Comic, Zeichner
Der Leipziger Trickfilmer Schwarwel bei der Arbeit

Weniger Zeichentrick im Film – mehr in der Vorarbeit

Trotz des Wandels ist die Handzeichnung auch aus der digitalen Welt von heute nicht wegzudenken. Denn jeder Animationsfilm benötigt einen Handzeichner, der die Grundlagen auch schnell aus der Hand skizzieren kann – ob als Vorzeichnungen oder für das Storyboard. Eine aussterbende Filmgattung ist der handgezeichnete Trickfilm also nicht. Aber auch Schwarwel erkennt:

Was natürlich inzwischen bis auf ein Minimum beschränkt ist, sind die Sachen, die man im Film letzten Endes noch sieht.

Schwarwel

Heute schafft es kaum eine handgezeichnete Filmproduktion in die deutschen Kinos. Dafür gibt es aber viele Filme, die außerhalb der offiziellen Leinwände gezeigt werden. Schwarwel selbst hat kürzlich passend zum 25. Jubiläum der Friedlichen Revolution eine Trickfilmproduktion zu Papier gebracht. Außerdem schwört der Künstler auf viele japanische Filmproduktionen, die ganz in der Tradition des handgezeichneten Trickfilms stehen.

 

Ein Beitrag von Ole Zender zu Zeichentrickfilmen.
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