Albenrezension: Architects

Tragik, Hymnen und Stagnation

Die Band Architects hat sich einen festen Platz in jeder Metalcore Playlist erarbeitet. Letzten Freitag erschien ihr achtes Studioalbum „Holy Hell“, bei dem es um viel mehr geht, als nur Stadien zu füllen.
Architects
Architects haben ihr achtes Studialbum "Holy Hell" veröffentlicht.

Tragik

Als im August 2016 bekannt wurde, dass Tom Searle, Gitarrist, Gründungsmitglied und Zwillingsbruder des Schlagzeugers Dan Searle den Kampf mit dem Krebs verloren hatte, fragte sich die Metalcore Welt, wie es mit der Band weitergehen würde.

Grade waren Architects auf dem Zenit ihres Schaffens und hatten mit „Lost Forever / Lost Together“ und „All Our Gods Have Abandoned Us“ zwei fantastische Alben veröffentlicht.

Die Band entschied sich weiter zu machen und Gitarrist Josh Middleton in die Band zu holen, der sich zusammen mit Dan Searle für die Produktion und die Arrangements von „Holy Hell“ verantwortlich zeigte. Man merkt dem Album das Fehlen des Hauptsongschreibers aber doch etwas an.

Hymnen

Orchestrale Sounds gehören schon länger zum Repertoire der Band. Auf „Holy Hell“ sind sie noch präsenter. In fast jedem Song finden sich Streicher und/oder andere elektronische Elemente. Daher wurden Architects stellenweise auch als „hymnischer Metalcore“ betitelt. Da sie inzwischen auch Orte wie den Alexandra Palace in London mit 10.000 Menschen füllen, kann man ihnen kaum verdenken, diese Schiene konsequent weiter zu fahren.

Es gibt zwei Ausbrüche aus dieser Struktur. Einmal „The Seventh Circle“, dem man deutlich den Einfluss des neuen Gitarristen Josh anmerkt. Als zweites ist dann noch einer der besten Tracks der Band, einer der letzten für den Tom Searle den Grundstein gelegt hat.

Generell ist das Album unfassbar fett produziert, die Drums knallen, die Gitarren sind etwas metaliger als vorher. Auch der oft unterschätzte Bassist Alex Dean wartet mit einem so mächtigen und druckvollen Sound auf, dass es eine wahre Freude ist.
Auf einem anderen Level ist allerdings Sänger Sam Carter, im Moment wahrscheinlich eine der stärksten Stimmen in der härteren Musik. Von herzergreifenden Cleans („Doomsday“, „Royal Beggars“) mit fließendem Übergang durch das ganze Spektrum von hohen Shouts bis tiefen Growls („Holy Hell“, „Modern Misery“) hört man seine Klasse in allen Variationen des Schreigesangs, die er benutzt.
Seine Vocal Performance zeichnet das Album aus und schafft es, unglaublich viele Emotionen zu transportieren. Man merkt Carter in jeder Zeile an, wie sehr ihn die Texte bewegen und wie er mit der Situation umgeht.

Stagnation

Das eine Band hintereinander zwei hervorragende Alben herausbringt ist schon außergewöhnlich. Das darauf noch ein drittes zumindest sehr gutes folgt ist nochmal besonderer. Allerdings merkt man „Holy Hell“ auch an, dass das Album nun größtenteils aus der Feder von Dan Searle kommt. Wenn man sich vorher schon mit der Musik von Architects auseinandergesetzt hat, kommt man um das Gefühl nicht herum, sie haben ihre Formel lediglich perfektioniert und sich nicht weiterentwickelt. Das das angesichts der Situation wohl auch schwer möglich war ist verständlich und angesichts der kommenden Stadion-Tour auch nachvollziehbar. Der Geist von Tom Searle wird für immer mit der Band und diesem Album verbunden bleiben.

Fazit

Architects machen mit „Holy Hell“ dort weiter wo sie mit „Lost Forever / Lost Together“ und „All Our Gods Have Abandoned Us“ angefangen haben: Stadien mit Metalcore füllen. Das Album dreht sich sowohl textlich als auch musikalisch um den verstorbenen Gitarristen Tom Searle. Daher kann man keine große Weiterentwicklung erwarten, was aber nicht heißt, dass die Scheibe nicht eine der besten ist, die der Metalcore dieses Jahr hervorgebracht hat. Auch wenn sie stellenweise etwas überproduziert und uninspiriert wirkt.

 

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Christian German
15.11.2018 - 14:26
  Kultur

Architects: Holy Hell

Tracklist:

1. Death Is Not Defeat

2. Hereafter*

3. Mortal After All

4. Holy Hell

5. Damnation

6. Royal Beggars

7. Modern Misery

8. Dying To Heal

9. The Seventh Circle

10. Doomsday*

11. A Wasted Hymn

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 09.11.2018
Epitaph

 

Architects sind bald auch in Deutschland auf Tour:

10 Jan 2019 – Düsseldorf, Mitsubishi-Electric-Halle

2 Feb 2019 – Leipzig, Haus Auensee

3 Feb 2019 – Offenbach, Stadthalle

5 Feb 2019 – Berlin, Verti Music Hall

6 Feb 2019 – München, Zenith

8 Feb 2019 – Hamburg, Sporthalle

Hier gibt's Tickets.