Die Kolumne

Trabi statt Automobilmesse

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Birgit Raddatz über neue Baukonzepte, Schokolade und Hundebabies als Tankfüllung.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Trabi statt Automesse - Die Kolumne von Birgit Raddatz
Trabi statt Automesse - Die Kolumne von Birgit Raddatz

Ein neues Einzelhandelskonzept soll dafür sorgen, dass Leipziger vor ihrer Haustür besser einkaufen können. Hast du Wünsche für die hiesigen Einkaufsstraßen?

Oh ja eine ganze Menge sogar. Ich könnte mir so ne richtig große Shopping-Mall vorstellen, mit allen Standard-Wegwerf-Klamotten-Läden, die man sich so vorstellen kann. Davon hat Leipzig ja noch nicht genug. Richtig ist: Das Konzept ist gar nicht so neu, de facto handelt es sich um eine Änderung. Seit 2009 gibt es das sogenannte Stadtentwicklungskonzept und das ist echt kompliziert. Wichtig bei der jüngsten Änderung ist: Lebensmittelmärkte dürften bald – unabhängig von ihrer Größe – an viel mehr Stellen im Stadtgebiet gebaut werden. Die nächste freie Fläche wäre der Wilhelm-Leuschner-Platz. Mir fallen auch direkt ein paar Billig-Discounter ein, die sich schon die Hände reiben. Es lohnt sich. Und irgendwann geht dann auch niemand mehr auf den Markt und kauft frisches Gemüse. Dabei sind das die einzigen Leute, die Lebensmittel wirklich lieben.

Die Leipziger Messe feiert einen Umsatzrekord. Um ein Fünftel sind die Einnahmen gestiegen – und das obwohl die große Automesse AMI abgesagt wurde. Das zeigt mal wieder: Autos braucht keiner, oder?

Na Autos brauchen wir schon, aber doch nicht solche Luftverpester wie VW und Co. Insgesamt 13 große Autohersteller haben im Frühjahr ihre Teilnahme abgesagt, die AMI fiel kurzerhand flach. Ist ja nur konsequent. Es geht hier immerhin um Leipzigs Image. Wie sähe das denn aus, wenn da nur so ein paar Besucher kämen. Nein, nein, auf Leipzigs Messe wird geklotzt, nicht gekleckert. Über eine Million Besucher haben sich in diesem Jahr durch die viel zu engen und viel zu warmen Hallen der Leipziger Messe gedrängt.

Bei so einem Ansturm ist es auch nicht zu viel verlangt, wenn die Autos ganz speziellen Standards entsprechen müssen, um bei der AMI mitmachen zu dürfen. Zum Beispiel müssen sie vegan sein, denn Leipzig wurde 2014 von der PETA als veganfreundlichste Stadt ausgezeichnet. Also kleine Hundebabies im Tank verbrennen ist nicht. Auch schon deshalb, weil das wahrscheinlich die Abgaswerte der Autos in die Höhe treibt.

Schade für Leipzig, ich wollte mit meinem Bruder auf ein kulturvolles Wochenende eben mit Auto-AMI kommen, aber Auto ist nicht alles und Leipzig eben mehr als das Blech von Daimler, Ford und Fiat und VW.

Leserkommentar, MDR.de

Stimmt, deswegen gibt es demnächst auch bestimmt wieder eine reine ostdeutsche Automesse. Mit den neusten Trabimodellen. Ostalgie kommt einfach immer gut.

Angela Merkel wurde mit 89,5 Prozent als CDU-Vorsitzende bestätigt. Viele Medien bezeichneten das vergleichsweise niedrige Ergebnis aber als "Dämpfer". Wenn du von der mephisto 97.6 Redaktion zur Kolumnistin gewählt werden würdest – wie viel Prozent würdest du anstreben?

Pah 89,5 Prozent – lächerlich! So manch ein Diktator würde sich bei so einem Ergebnis vor Scham verkriechen. 99,9 Prozent ist die einzige Zahl, mit der ich mich zufrieden geben würde. Und die 0,1 Prozent, die mich nicht gewählt haben, die werde ich aufspüren und von mir überzeugen. Wie ich das mache? Ganz einfach: Mit Schokolade. Damit kriegt man doch bekanntlich jeden weich. Ich würde die süßen Teddys, Nikoläuse und Weihnachtsengel je nach Zielgruppe mal mit blauem und mal mit pinken Papier umwickeln.

mephisto 97.6-Kolumnistin Birgit Raddatz
Unsere Kolumnistin ist am Wahlabend früh schlafen gegangen. Was sollte schon passiere
Das nennt sich dann Geschlechtersüßigkeiten. Mein großes Vorbild ist die Sparkasse. Die hat letztens eine Werbekampagne gestartet, die das weibliche Geschlecht sofort ansprechen muss. Es hieß, es gebe einen Abend „nur für Frauen, mit Schokolade, Sekt aus dem Biosphärengebiet und spannende Infos zur Rente“. Vermutlich wurde den Frauen da erzählt, dass ihre Rente - sofern sie denn eine bekommen und nicht im Alter arm und verlassen da stehen - nur ganz mickrig ausfallen wird und sie sich deshalb besser sofort mit Schokolade und Alkohol trösten sollen. Vollgefressen und betrunken ist es dann auch egal, wen man wählt.

Und nächste Woche?

Sind es nicht mal mehr zwei Wochen bis Weihnachten. Und ich habe erst ein Weihnachtsgeschenk. Mist.

 

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Birgit Raddatz
09.12.2016 - 12:04