Jahresrückblick: Musik

Top 20 - Die besten Alben 2018

Die mephisto 97.6 Musikredaktion kürt die 20 besten Alben des Jahres.
Die 20 besten Alben 2018
Die Top 20 Alben 2018

20. Villagers – The Art of Pretending To Swim

Mit seinem vierten Album traut sich Conor J. O'Brian, aka Villagers, raus aus seiner klassischen Folk-Komfort-Zone mit einer breiteren Instrumentierung, bei der sogar sein Interesse an Jazz zum Vorschein kommt. Vor allem zeichnet sich das Album aber durch seinen wiederkehrenden elektronischen Sound aus. Thematisch geht es hauptsächlich um O'Brians Beziehung zu seinem Glauben und Gott, welcher in O’Brians Jugend als homosexueller Junge in einem streng katholischen irischen Dorf stark zu leiden hatte.

 

19. Tash Sultana – Flow State

Selbst geschrieben, selbst eingespielt, selbst produziert – Tash Sultana hat sich bei ihrem Debutalbum „Flow State“ von vorne bis hinten um alles gekümmert. Die junge Australierin springt zwischen Genres wie Pop, Soul, Rock oder Electro und verbindet sie alle mit Leichtigkeit. Sultanas lässiges Auftreten spiegelt sich im Songwriting wider und zeigt die Künstlerin von einer authentisch kreativen Seite.

 

18. Casey – Where I Go when I’m sleeping

Mit "Where I Go When I Am Sleeping" veröffentlichen Casey eine Platte, die, simpel ausgedrückt, ehrlich weh tut. Auf dem Album verarbeitet Sänger Tom Weaver seine Erfahrungen mit psychischen und physischen Erkrankungen und bewegt sich dabei zwischen Metaphern und brutal-ehrlichen Details. Untermalt werden seine Erzählungen von den für Casey typischen atmosphärischen Post-Hardcore Melodien.

 

17. Boston Manor – Welcome to the Neighborhood

„Welcome to the Neighbourhood“ ist ein Ausbruch aus einer kleinen Weißbrot-Welt, mit ganz viel Drama. Jeder Song bringt ein anderes Stück jugendlicher Angst zurück. Boston Manor sind Dr. Frankenstein, die verdrängte Emo-Phase der Hörerinnen und Hörer das Monster. Nach langen Jahren Durststrecke hatte 2018 endlich wieder ein gutes Emo-Pop-album zu bieten.

 

16. Die Nerven – Fake

Mit „Fake“ haben Die Nerven ein Album mit einem unglaublich dichten und druckvollen Sound geschaffen. Dazu ist die Platte aber auch wesentlich melodischer als die Vorgänger - Mit „Niemals“ findet sich auf dem Album auch einer der besten deutschen Pop-Rock Songs des Jahres. Trotzdem bleiben Die Nerven in ihren Texten kritisch und schaffen Musik, die so richtig scheppert. 

 

15. Kali Uchis – Isolation

Kali Uchis ist die Soul-Pop-Göttin, auf die 2018 gewartet hat. Als Sängerin, Songwriterin, Musikproduzentin, Designerin und Videoregisseurin scheint sie nicht nur alles zu können, sondern vereint auf ihrem Debütalbum „Isolation“ auch noch spielerisch die verschiedensten Genres. Auf 'Isolation' schwebt Kali Uchis mal in der Hitzewelle Miamis und dann wieder in ihren Bedroom-Pop-Traumwelten. Sie verarbeitet toxische Beziehungen, zeigt, dass es okay ist, sich verletzt zu fühlen, rappelt sich wieder auf und sammelt ihre Checks ein. Kali ist schließlich nicht zum Spaß hier.

 

14. Kamasi Washington – Heaven & Earth

Wenn sich Filmkomponist Ennio Morricone dazu entschieden hätte ein modernes Jazzalbum aufzunehmen, dann hätte das vielleicht so geklungen wie „Heaven and Earth“. Mit der Platte haut der amerikanische Saxophonist Kamasi Washington ein regelrechtes Jazz-Feuerwerk raus. 144 Minuten lang fesselt das Album den Hörer mit mächtigen Chören, Orchester und Jazzband. Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen den imposanten Themen und den rauschhaft versunkenen Saxophon-Soli.

 

13. Rose Droll – Your Dog

Rose Droll (aka Ellen Bert) gehört mit ihrem Debütalbum „Your Dog“ zu den Newcomern des Jahres. Der entspannte Dreampop, gespickt mit Hiphop-Elementen oder gesampelten Kinderliedermelodien, wirkt wie eine Collage aus Sample-Fragmenten – was sich anstrengend anhört ist eins der überraschendsten und gleichzeitig befriedigendsten Hörerlebnisse der letzten zwölf Monate. Dass Droll das Album komplett solo eingesungen, eingespielt und produziert hat, macht das Album umso besonderer.

 

12. Joan As Police Woman – Damned Devotion

Direkt zu Beginn des Jahres hat Joan Wasser aka Joan as Police Woman ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Mit ihrem aktuellen Album „Damned Devotion“, das bereits Anfang Februar erschienen ist, stellt sie ihr beeindruckend breites musikalisches Spektrum unter Beweis. Denn egal ob eingängige Hitsongs, ala „Tell Me“, oder die Frauenrechtshymne „The Silence“; eins haben alle ihre Tracks gemeinsam: Sie hören sich verdammt gut an.

 

11. Florence + The Machine – High as Hope

Florence and the Machine standen bisher für drei Dinge: große Metaphern, viel Pomp und eine Frontfrau zwischen Himmel und Hölle. Auf ihrem dritten Album "High As Hope" scheint jetzt Ruhe eingekehrt zu sein. Die Instrumentierung ist besonders im Vergleich zum Vorgänger "How Big, How Blue, How Beautiful" stark reduziert und auch Florence Welchs Texte sind so klar und intim wie nie zuvor. Sie erzählt uns von ihrer Familie und ihrer Schuld, aber letztendlich auch von der Heilung emotionaler Verletzungen. Damit ist "High As Hope" ohne Frage die bisher ehrlichste und mutigste Platte der Band.

 

10. Anderson .Paak – Oxnard

Spätestens seit seinem vierten Album 'Oxnard' ist Anderson Paak so bekannt, dass er nur noch mit getönten Scheiben durch die sonnigen Straßen Kaliforniens cruisen kann. Am liebsten mit seinem Homeboy Kendrick Lamar, den er sich unter anderem neben Snoop Dogg und J.Cole auf die Platte geholt hat. 'Oxnard', benannt nach Anderson Paaks Geburtsort in Kalifornien, ist eine Liaison aus HipHop, Jazz- und Soul-Vibes. Seine musikalischen Wurzeln als Schlagzeuger auf Gottesdiensten finden sich als Gospelchöre im Hintergrund wieder, während funky Basslines an Äras erinnern, in denen noch CHIC statt Kanye und Drake die Charts regierten.

"Anderson .Paak - Oxnard" - Ein Beitrag von Sophie Boche

gesprochen von Angie Fischer

Anderson .Paak - Oxnard

9. The Internet – Hivemind

The Internet sind 2018 so ziemlich das Hotteste, das die R’n’B-Soul Musikszene zu bieten hat. Nachdem ihr letztes Album „Ego Death“ bereits von Presse und Musikfans gefeiert wurde, haben sie dieses Jahr mit „Hive Mind“ noch einen draufgesetzt. Die Platte überzeugt vor allem dank der verführerischen, weich dahingleitenden Soulstimme von Frontsängerin Syd, sowie den lebendig pulsierenden Bassläufen von Patrick Paige II.

"The Internet - Hive Mind" - ein Beitrag von Jonas Enke
The Internet - Hive Mind

8. Superorganism – Superorganism

Die achtköpfige Band wühlten dieses Jahr die Welt des Indie Pop auf. Mit ihrem einschlägigen Elektro-Pop-Sound, den sie mit wirren Klangschnipseln kombinieren, schaffen sie Musik, die schnell in den Kopf geht, aber alles andere als Mainstream ist. Auf ihrem Album kritisieren die international aufgestellten Band-Mitglieder, die sich selbst über Internet-Memes angefreundet hatten, das wahnhafte Verlangen nach Berühmtheit in der Zeit der Sozialen Medien.

"Superorganism - Superorganism" - Ein Beitrag von Lena Jansen
Superorganism - Superorganism

7. Tristan Brusch- Das Paradies   

Tristan Brusch entführt mit seinem Debütalbum „Das Paradies“ auf den Jahrmarkt. Die Karusselle drehen sich im Takt der Musik, überall riecht es nach Zuckerwatte und Bier. Mitten drin steht Brusch selbst, wie er über Sehnsüchte, die Liebe und die Selbstfindung singt. Das Ergebnis: Ein in sich rundes Deutsch-Pop-Album mit einem erfrischenden Klang, das zum Spaziergang über den Jahrmarkt einlädt.

"Tristan Brusch - Das Paradies" - Ein Beitrag von Sophie Rauch
Tristan Brusch - Das Paradies

6. Nils Frahm – All Melody

 

Besonders filigran geht es auf Nils Frahms diesjährigem Album „All Melody“ zu. Für seine Musik verbindet der Berliner Komponist gerne akustische und elektronische Instrumente miteinander. Dabei entstehen einzigartige klangliche Texturen. Frahms Musik bewegt sich zwischen ruhigen Beats und fließenden Melodien und ist durch die freie Herangehensweise beim Komponieren ein originelles und authentisches Instrumental-Album.

"Nils Frahm - All Melody" - Ein Beitrag von Alexander Latton
Nils Frahm - All Melody

5. Parcels – Parcels

Mit ihrer Mischung aus Disco-Soul und Elektro-Pop vereinen Parcels auf ihrem gleichnamigen Debütalbum Nostalgie und das Jetzt. Die Platte ist mal laut und funky, kann aber auch ruhig und entspannt. Dabei sind die Stimmen der fünf Mitzwanziger perfekt aufeinander abgestimmt und glänzen mit Live-Performances, die an Saturday Night Fever erinnern. Mit dieser Mischung und ihrem kreativen Ehrgeiz gehören Parcels zu den besten Newcomern des Jahres.

"Parcels - Parcels" - ein Beitrag von Celine Schmock
Parcels - Parcels

4. Ezra Furman – Transangelic Exodus

Mal brutal, mal ruhig und manchmal auch witzig – „Transangelic Exodus“ von Ezra Furman ist ein Konzeptalbum, das nicht nur inhaltlich, sondern auch klanglich überzeugt:  Gemeinsam mit einem Engel flüchtet Furman vor verständnislosen Eltern, vor der eigenen Sexualität und ist immer auf der Suche nach Akzeptanz. Neben einigen kritischen Seitenhieben auf die Politik der USA, verarbeitet er aber auch Stationen aus seinem eigenen Leben als gender-fluide Person. Auch musikalisch wird die Platte nicht langweilig, denn Furman ist, anders als mit seinen folkigen Vorgängerplatten, ein mitreißender Mix aus Punk und Glamrock gelungen.

"Ezra Furman - Transangelic Exodus" - ein Beitrag von Marie Jainta
Ezra Furman - Transangelic Exodus

3. Polyphia – New Levels New Devils

Polyphia arrangieren hochkomplexe Instrumentalmusik auf eine Art und Weise, die auch dem Durchschnittshörer zugänglich ist. Dabei führt die Band aus Dallas, Texas, Einflüsse aus unterschiedlichen Stilrichtungen zu einem homogenen Gesamtwerk zusammen. Mit dem smoothen Flow des Albums werden auch Leute abgeholt, die sonst nichts mit Musik ohne Gesang anfangen können. „New Levels, New Devils“ ist ein Aushängeschild dafür, wie man technisches Können am Instrument in den Dienst des Songs stellt.

"Polyphia - New Levels New Devils" - ein Beitrag von Christian German
Polyphia - New Levels New Devils

2. Christine and the Queens – Chris

"Chris" ist eher der Anbruch einer Ära, als ein Album: Héloïse Letissier verabschiedet sich von ihrem Alter-Ego Christine und wird zu Chris. Als weiblicher Macho singt sie vor allem über körperliche Lust und rüttelt am Klischeedenken rund um das Thema Geschlecht. Letissier bezeichnet ihre Musik selbst als „Horny-Pop“ – eine berechtigte Bezeichnung. Die Songs der Französin handeln nicht nur von Sex, sie klingen auch danach. Ihre flüssige Mischung aus Synthies und E-Gitarre schmiegen sich beim Hören an. Die Platte ist eingängig und intelligent und somit ein echtes Juwel der aktuellen Pop-Musik.

"Christine & the Queens - Chris" - Ariane Seidl
Christine & the Queens - Chris

1. Janelle Monáe – Dirty Computer

Das 1,50m große Supertalent aus Kansas City, war mit ihren Sci-Fi-Konzeptalben jahrelang ein Geheimtipp unter Kritikern. Mit ihrem vierten Album "Dirty Computer" hat Janelle Monáe nun endgültig den Sprung ins Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit und an die Spitze unserer Top-Alben 2018 geschafft. Es ist ein genial komponiertes Pop-Album, mit dem Monáe jeden Klang meistert, an den sie sich herantraut: sei es Trap, Soul, oder die 80er-Jahre-Elektro-Synthies, die Prince ihr vor seinem Tod noch mitgegeben hat. Mit den Songs und einem Musikfilm zum Album, in denen Android Jane 57821 gegen die "soziale Reinigung" ihrer Gesellschaft kämpft, profiliert sich Monáe zudem als Botschafterin für alle, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Sei es wegen ihrer Sexualität, Geschlechteridentität oder Herkunft:

I want young girls, young boys, nonbinary, gay, straight, queer people who are having a bad time dealing with their sexuality, dealing with feeling ostracized or bullied for just being their unique selves, to know that I see you. This album is for you.

 

"Janelle Monáe - Dirty Computer" - ein Beitrag von Hanna Kormann
Janelle Monáe - Dirty Computer

 

 

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Martin Pfingstl
20.12.2018 - 19:53
  Kultur

Die Toplisten der einzelnen Redakteure:  

      

Ariane Seidl:

1. Florence + the Machine - High As Hope

2. Big Red Machine - Big Red Machine

3. Christine and the Queens - Chris

4. Tristan Brusch - Das Paradies

5. Sam Vance-Law - Homotopia

                              

Marie Jainta:

1. Ezra Furman – Transangelic Exodus

2. Christine and The Queens - Chris

3. Janelle Monáe – Dirty Computer

4. Kat Frankie – Bad Behaviour

5. Courtney Barnett – Tell Me How You Really Feel

                              

Hanna Kormann:

1. Rose Droll - Your Dog

2. Polyphia - New Levels New Devils

3. Janelle Monáe - Dirty Computer

4. Confidence Man - Confident Songs For Confident People

5. LUMP - Lump

                              

Sophie Rauch:

1. Janelle Monáe - Dirty Computer

2. Tristan Brusch - Das Paradies

3. DeWolff - Thrust

4. Anderson .Paak - Oxnard

5. Superorganism - Superorganism

                              

Janek Kronsteiner:

1. Boston Manor - Welcome to the Neighbourhood

2. Architects - Holy Hell

3. Janelle Monáe - Dirty Computer

4. Beartooth - Disease

5. Fynn Kliemann - Nie

                              

Gesa Koy:

1. Casey - Where I Go When I Am Sleeping

2. Now, Now - Saved

3. Thrice - Palms

4. Tiny Moving Parts - Swell

5. Dilly Dally - Heaven

                              

Christian German:

1. Polyphia - New Levels, New Devils

2. TesseracT - Sonder

3. ERRA - Neon

4. Vulfpeck - Hill Climber

5. OG Keemo - Skalp

                              

Sophie Boche:

1. Kali Uchis - Isolation

2. Tamino - Amir

3. Anderson Paak - Oxnard

4. Franc Moody - Dance Moves

5. The Internet - Hive Mind

                              

Celine Schmock:  

1. Parcels - Parcels

2. BROCKHAMPTON - Iridescence

3. Jorja Smith - Lost & Found

4. Tash Sultana - Notion

5. Fil Bo Riva - L’over

                              

Lucas Schwarz:

1. Die Nerven - Fake

2. Karies - Alice

3. Christine And the Queens - Chris

4. Polyphia - New Levels New Devils

5. Superorganism - Superorganism

                              

Ramin Büttner: 

1. Nils Frahm - All Melody

2. Tenderlonious & The 22Archestra - The Shakedown

3. Fatima - And Yet It’s All Love

4. Various Artists - We Out Here

5. Djrum - Portrait With Firewood

                              

Martin Pfingstl: 

1. Ezra Furman - Transangelic Exodus

2. Rosalía - El Mal Querer

3. Suuns - Felt

4. Christine and the Queens - Chris

5. Yves Tumor - Safe in the Hands of Love

                              

Alexander Latton:

1. Kamasi Washington - Heaven and Earth

2. David August - D'ANGELO

3. Nils Frahm - All Melody

4. Tash Sultana - Flow State

5. Mac Miller - Swimming

                              

Lena Jansen:  

1. Superorganism - Superorganism

2. Villagers - The Art of Pretending To Swim

3. Parcels - Parcels

4. The Vaccines - Combat Sports

5. The Academic - Tales from the Backseat

                              

Jonas Enke:

1. Joan as Police Woman - Damned Devotion

2. The Internet - Hive Mind

3. Tom Misch - Geography

4. Get Well Soon - The Horror

5. Deafheaven - Ordinary Corrupt Human Love