Zirkus- und Kleinkünste

Tohuwabohu in Halle

In Halle fand Mitte Oktober zum dritten Jahr in Folge das "Tohuwabohu" statt. Die Jonglierconvention zog regionale und internationale Größen der Zirkus- und Jonglierkunst in die Händelstadt.
Gala-Show Tohuwabohu
Abend der Gala-Show des Tohuwabohus

In den letzten warmen Tagen des Jahres konnte man im Clara-Zetkin-Park wieder junge Erwachsene jonglieren oder auf der Slack-Line balancieren sehen. Haben Sie sich schonmal gefragt, was diese Menschen bei schlechtem Wetter oder gar im Winter machen? Eine Möglichkeit bieten zahlreiche Jonglierconventions, wie zum Beispiel das Tohuwabohu. Dies fand vom 13. bis 15. Oktober in Halle statt.

Auf einer Jonglierconvention treffen sich hunderte Menschen mit dem Ziel, sich ein Wochenende lang Gegenstände unterschiedlichster Form und Größe um die Ohren zu werfen. Meist ist es laut, Keulen scheppern und man muss aufpassen wo man hinläuft: Nicht, dass man noch in ein Passing-Muster stolpert. Passen, so nennt man es, wenn sich zwei oder mehrere Personen Keulen untereinander zuwerfen. Nach getaner Arbeit isst man zusammen, lacht, trinkt und kriecht schlussendlich in seinen Schlafsack. Und am nächsten Tag geht es weiter. Der Organisator des Tohuwabohus Albrecht Brunner sagt, dort finde jeder seinen Platz.

Im Prinzip ist das ein Szenetreff von Leuten, die entweder selbst circensische Künste  betreiben - wie zum Beispiel  Akrobatik oder Jonglieren. Gleichzeitg können auch Leute kommen, die zum ersten Mal Kontakt mit dieser Kunst haben. Das Festival ist einfach ein offener Treff und Austauschpunkt für Leute, die solchen Kleinkünsten gegenüber offen sind.

Albrecht Brunner, Organisator des Tohuwabohu

Jacob Sharp ist einer dieser Menschen, die die Kleinkünste lieben. Der Artist und Jongleur aus den USA ist nach Deutschland gezogen, um hier seinen Traum zu verwirklichen: Mit der Zirkuskunst Geld zu verdienen. Er hat eine ganz eigene Vorstellung von zeitgenössischem Zirkus.

It has the potential to become something like a very powerful cross between going to museum, going to a sports event and going to church. All at once.

Jacob Sharp, Jonglagekünstler

Ein Spektakel war die Gala-Show in Halle auf jeden Fall. Am Abend des 14. Oktobers traten im Thalia-Theater verschiedene Künstler auf, darunter auch Jacob Sharp. Seine Spezialität sind "catches", also das Fangen von Bällen, mit allen möglichen Körperteilen. Dafür benutzt er besondere Bälle, die mit Sand gefüllt sind und somit leichter aus der Luft zu holen sind. Es gab noch viele weitere interessante und hochwertige Acts, darunter auch lokale Größen, wie zum Beispiel Rene Chevalier, Marc En Ciel aus Halle und die Jungs von Freaks & Fire aus Leipzig.

Der Weg zum Zirkusartisten

Aber wer sind die Personen, die sich hinter diesen markanten Namen verbergen? Christian Unge von Freaks & Fire aus Leipzig beschreibt seinen Werdegang:

Ich mache das jetzt seit 12 Jahren. Wir haben als Jugendliche im Park angefangen zu jonglieren und haben es dann neben dem Job immer weiter gemacht. Und irgendwann wurden wir immer besser und haben uns gefragt: Vielleicht können wir ja davon leben?Jetzt sind wir eine Firma aus zwei Chefs und neun anderen Leuten, die Shows spielen -  auf hohem Niveau und mit einer guten Qualität.

Chrisitan Unge, Feuerkünstler von Freaks & Fire aus Leipzig

Auch wenn das erstmal nach viel Spaß klingt, sind das die Früchte jahrelangen Trainings und intensiver Vorbereitung.

Wir sind zwischen Montag und Donnerstag jeden Tag im Büro, Trainingshalle, Werkstatt. Wir bauen alle Requisiten selbst. Und Freitag und Samstag spielen wir Shows. Das sind die einzigen Tage, an denen wir eigentlich Geld verdienen. Die restliche Arbeit passiert im Vorfeld.

Chrisitan Unge, Feuerkünstler von Freaks & Fire aus Leipzig

Die Zeit auf der Bühne ist also nur ein kurzer Ausschnitt. Dahinter steht ein Full-Time-Job. Gerade die alten Hasen im Geschäft wissen ein Lied davon zu singen. Aber Christian Unge sieht vor allem die positiven Seiten.

Ich hätte nie gedacht, dass ich so selbstbestimmt leben kann, von etwas, was ich sehr gerne hab. Und wir sind stolz drauf, dass wir es geschafft haben zu sagen: 'Jetzt ist alles cool, wir haben ein schönes Leben.' Darum geht es ja, oder?

Chrisitan Unge, Feuerkünstler von Freaks & Fire aus Leipzig

Wenn Sie jetzt selber Lust bekommen haben, in diese Welt mal reinzuschnuppern, dann lässt sich der "Alle Mitmischen e.V." aus Leipzig empfehlen. Dieser bietet jeden Dienstag in den Räumen des Artistikkombinats ein freies Training für alle Jonglierbegeisterte an. Der Verein organisiert auch ein gleichnamigen Jonglier- und Feuerkunstreff ein mal im Jahr im Sommer. Und zu guter Letzt wird es sicherlich auch nicht das letzte Tohuwabohu gewesen sein. Weitere Informationen und Links finden Sie rechts in der Infobox.

Der Beitrag von Redakteur Hannes Berger: 

Bericht von Hannes Berger über Jonglierconvention
Jonglierconvention Halle
 

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Hannes Berger
26.10.2017 - 15:43
  Kultur

Internetseite des Tohuwabohu:

https://tohuwabohuhalle.wordpress.com/

Internetseite des alle mitmischen e.V.:

http://alle-mitmischen.de/

Internetseite des Artistenkombinat Leipzig e.V.:

https://artistenkombinat.de/