Frisch gepresst: How To Dress Well

Today was awful

2010 veröffentlichte Tom Krell unter seinem Stagenamen "How To Dress Well" sein erstes Album. Zwei Jahre arbeitete der R&B-Musiker an seinem inzwischen fünften Album "The Anteroom". Anlass dafür: Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus.
Tom Krell aka How To Dress Well
Tom Krell aka How To Dress Well

Seit zwei Jahren ist Donald Trump nun Präsident der USA. Der Beginn seiner Amtszeit 2016 hat vor allem eins ausgelöst: Angst. Singer/Songwriter Tom Krells, oder wie er unter seinem Stagename bekannt ist: How To Dress Well, hat es ganz besonders schlimm getroffen. „Eine höllisch wirkende Stimmung auf der Erde, die schwierig, elendig und gewaltsam war.“ So beschreibt Krell die Situation nach Trumps Einzug ins Weiße Haus. Ob das der Ursprung seiner depressiven Episode war, ist schwer auszumachen. Aber getrieben von der negativen Energie um sich herum, beginnt er Ende 2016  sein füntes Album „The Anteroom“ zu konzipieren. Immer wieder wird in den Lyrics seine Frustration über die aktuellen Geschehnisse deutlich, vor allem in "Human Disguised As Animals / Nonkilling I" fordert er vergeblich nach einem Gott, der den Menschen helfen soll.

Der Warteraum zwischen Leben und Tod 

The Anteroom heißt übersetzt so viel wie "Warteraum" oder "Durchgangsraum." Krell ist der Meinung, wir befinden uns gerade genau in diesem Raum zwischen Leben und Tod. Und konzipiert er auch sein Album. Durch das Album durch tauchen verschiedene Songs auf, die unter der Kategorie "Nonkilling" oder "False Skull" laufen. Die "Nonkilling" Songs orientieren sich am Buddhismus, in dem der Begriff so viel wie die Abwesenheit von Mord, Tod und Gewalt sein soll. Also für ihn, ein Zustand des Friedens. In den Lyrics dieser Songs bedient sich Krell an verschiedensten Dichtern. In "Hunger" übernimmt er beispielsweise eine ganze Strophe von Dichter Li Young-Lee. Krell erklärt, dass er in seinem Leben verschiedene Phasen durchlebt hat, wo Poesie eine große Rolle spielt. Und diese wollte er mit einfließen lassen. Ganz im Gegenteil ist das Konzept der "False Skull" Songs, wortlose Musik. Thema ist hier die Unumgänglichkeit des Todes. In Soundcollagen sind Sprechschnipsel wie "Today was awful", aber auch Klänge, wie abstürzende Fernseher oder Computer zu hören. In dem Song "The Anteroom" verbindet er die zwei Konzepte dann. Es geht gesanglich unterlegt los, und endet mit wortlosen Sound-Collagen.

"The Energy goes never above three out of ten"

Das Album wurde aus einer depresseiven Phase heraus produziert, und das macht sich nicht nur in Thema und Lyrics bemerkbar, sondern auch im Sound. Dieser bleibt immer sehr schwer, was vor allem durch Soundcollagen unterstützt wird, die danach klingen, als würde irgendwas gleich komplett zusammenstürzen. Eine durchgängige Melodie, die einen zum lockeren, Bewegen ohne sich Gedanken machen zu müssen, auffordert, gibt es nie. Und in Krells Gesang findet man keinen Ausgleich dazu. Seine hohe Stimme bleibt immer bedeckt, auch bei hohen Ausschlägen, behält sie eine verletzliche Unnahbarkeit. In "July 13 No Hope No Pain" experimentiert Krell mit Sprechgesang. Er spricht über soziale Outcasts, speziell über eine obdachlose Frau. Es handelt dabei von einer Frau, mit der Krell jeden Tag in einem Café sprach. In dem Song gibt er ihr und ihrer Geschichte eine Plattform, und betont betont den harten Unterschied ihrer Lebenswege

She was homeless, when I was home and safe

How To Dress Well in "July 13 No Hope No Pain"

 

Fazit

Wenn man erst einmal hinter das Konzept der "Nonkilling" und "False Skull" Songs gekommen ist, ist das Album ein spannendes Werk. Tom Krell bietet einen Einblick in die Zeiten, in denen es ihm, und vielen anderen nicht gut ging, eine Zeit, die mit Angst gefüllt war. Die verschiedenen Soundcollagen spiegeln dieses Gefühlschaos wunderbar wieder. Wer wütend auf die Politik und Gesellschaft ist und sich ein wenig verloren fühlt, der wird mit Tom Krells Songs in seinen Emotionen bestätigt. Das ist wiederum auch der springende Punkt, wenn es um Mackel geht: wer gute Laune sucht und sich vielleicht mal aus dem Miserabel zu verschwinden versucht, ist hier fehl am Platz. "The Anteroom" ist ein Konzept, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es im Ganzen zu verstehen.

 

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Lena Jansen
22.10.2018 - 11:29
  Kultur

How To Dress Well : The Anteroom

Tracklist:

 

Releasedatum: 19.10.2018

 

01. Humans Disguised as Animals | Nonkilling 1

02. Body Fat

03. False Skull 7

04. Nonkilling 3 | The Anteroom | False Skull 1

05. Vacant Boat

06. Nonkilling 13 | Ceiling for the Sky

07. A Memory, The Spinning of a Body | Nonkilling 2

08. Nonkilling 6 | Hunger

09. July 13 No Hope No Pain

10. Love Means Taking Action

11. Brutal (feat. Ocean Vuong) | False Skull 5

12. False Skull 12

13. Nothing