Literaturrezension

Tod mit Liebesgeschichte

Der Roman "In jedem Augenblick unseres Lebens" von Tom Malmquist spricht von Krankheit, Tod, Liebe und Trauer. Wie viel von dem Schweden selbst in dem Roman steckt, erschließt sich erst langsam beim Lesen.
Krankenhaus
Tom Malmquist' Roman beginnt in den Wirren der Krankenhausflure durch die der Protagonist hetzt.

Ein Mann mit Namen Tom eilt verwirrt, besorgt, überfordert durch Krankenhausflure. Seine hochschwangere Freundin ist plötzlich schwer krank.

...wir tun unser Möglichstes, damit es Karin bald besser geht, der Ehrlichkeit halber muss jedoch gesagt werden, die Situation ist sehr kritisch.

Zitat aus dem Roman

Was erst wie eine Lungenentzündung aussieht, entpuppt sich als Leukämie. Nach einem langen Kampf ist kein Happy End in Sicht. In dem Buch von Tom Malmquist wird der Lesende Zeuge der Tragödie. Teils fühlt es sich so an, wie bei Titanic, wenn man weiß: "Jetzt geht es nur noch darum, dass das Schiff untergeht." Und so kommt es auch: Karin stirbt, und das Kind, Livia, überlebt. Aber an der Stelle überrascht der Roman. Denn der Schwede Malmquist steuert ihn über den Untergang hinaus.

Die Rezension von mephisto 97.6 Redakteurin Pia Uffelmann hier zum Nachhören: 

Rezension zu dem Roman "In jedem Augenblick unseres Lebens" von Tom Malmquist
1610 Rezension Literatur Malmquist

Überforderung und Erinnerung

Es ist ein Buch über das Kämpfen, Trauern und Neu Anfangen; aber auch eine vorsichtige Liebesgeschichte. Malmquist blickt zurück, erzählt von den unbeschwerten Tagen von Tom und Karin.

Sie sitzt auf ihrem Bett und ich ihr auf dem Sofa gegenüber. [...] Ich habe Karin nie zuvor betrunken erlebt. Das einzige, was an ihr verändert zu sein scheint, sind die Ohrläppchen. Sie glühen. Und außerdem guckt sie zwischen jedem zweiten Satz in ihren Ausschnitt. 

Zitat aus dem Roman

Diese zarte Liebesgeschichte ist verwoben mit dem neuen Alltag. Dem Alltag ohne Karin, als verwitweter Vater, der plötzlich konfrontiert wird mit der Bürokratie eines Todesfalls. So erhält er Werbung für Grabsteine und Meldungen vom Jugendamt, das ihn auffordert, "Schulden und Vermögen des 'Kindes, weiblich, unbekannt, Lagerlöff' zu deklarieren."

Es fühlt sich an, als wäre man im Kopf von Tom. Wie er an Kleinigkeiten zurückdenkt, in Vergangenem schwelgt. Und dann plötzlich unterbricht ihn der Alltag. Die Geschichte von Tom, Livia und Karin ist eine lebensnahe Geschichte: Wie der Autor heißt der Protagonist Tom. Nach etlichen Seiten im Roman weiß man: Malmquist mit Nachnamen - genau wie der Autor. Nichts weißt darauf hin, wie viel vom echten Tom Malmquist zu lesen ist. Es bleibt die Gewissheit, dass man sich eine so persönliche Geschichte nicht ausdenken kann.

So wie das Leben eben passiert

Malmquist erzählt sie, als würde er sie für einen guten Freund aufschreiben; in einer Art Gedankenstrom. Dialoge sind in den Fließtext integriert und enge Freunde und Verwandte tauchen einfach auf. Sven, Lillemor, Stefan. Peu a peu erfährt der Leser, wer diese Menschen sind: Eltern, Freunde, Schwiegereltern. So fühlt sich der Lesende unmittelbar am Geschehen beteiligt. Malmquist erzählt wahrhaftig und folgt keiner bestimmten Dramaturgie. Er berichtet, wie das Leben eben geschieht.

Im mittleren Fach des Badezimmerschranks liegt Karins Rundbürste. Zwischen den Plastikborsten hängen noch Haare. Sie hatte es nicht geschafft, sie wie sonst herauszuzupfen und in den Abfall zu stopfen. Die Bürste ist voll mit Haar, ich rieche daran, drücke es an die Lippen.

Zitat aus dem Roman
In jedem Augenblick unseres Lebens ist eine dichte Liebesgeschichte. Sie wird schonungslos vom Ende aus erzählt. Vom Tod. Das macht sie so besonders. Trotz der permanenten Traurigkeit, die wie eine Wolke über dem Buch liegt, gibt es Hoffnung. Als wolle der Autor sagen: So ist das Leben nun mal.

 

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Zum Thema:

Der Roman „In jedem Augenblick unseres Lebens“ von Tom Malmquist ist im Klett Cotta Verlag erschienen und kostet 20€.