Sharing Economy

Teile und Spare

Wohnung, Fahrrad, Kleidung - wenn es nach dem Grundgedanken der Sharing Economy geht, ist es längst nicht mehr nötig, das alles zu besitzen. Apps und Onlineplattformen helfen, zu teilen, zu leihen oder gebraucht zu kaufen.
Next Bike auf dem Augustusplatz
Leipzig entspannt mit dem Rad entdecken - das geht auch als Tourist, ohne eigenes Fahrrad.

Ein Städtetrip für ein Wochenende - dafür ein Hotel buchen, Bahntickets kaufen und für jede Situation die passende Kleidung einpacken? Das kann stressig werden. Mittlerweile geht es zum Glück einfacher: Sharing Apps können einen Urlaub in einer größeren Stadt erheblich erleichtern.

Anbieter gibt es etliche: Eine Wohnung findet man nicht nur beim Marktführer Airbnb, sondern auch bei Wimdu oder 9flats. Bei Fortbewegungsmitteln bieten sich Mietdienste wie TeilAuto für Autos, Nextbike für Fahrräder und BlaBlaCar für Mitfahrgelegenheiten an. Gebrauchte Kleidung tauschen, kaufen und und verkaufen kann man bei Plattformen eBay, Kleiderkreisel und Mädchenflohmarkt. Für einen Test-Urlaub in Leipzig hat mephisto 97.6 die Sharing-Anbieter Airbnb, Nextbike und Kleiderkreisel ausprobiert.

Entspannt Urlaub machen - aber ohne Hotel, Bahn fahren und teure Kleidung? Lea Schröder hat getestet, wie Sharing Apps einen Urlaub in Leipzig einfacher und günstiger machen können: 

Redakteurin Lea Schröder testet Sharing-Dienste in Leipzig - Teil I
2906 Sharing Ec Teil 1

Sharing-Dienste kann man überall in Leipzig nutzen. Diese Karte zeigt exemplarisch, an welchen Orten man sich in Reudnitz eine Airbnb-Unterkunft mieten, ein Nextbike leihen oder die gebrauchte Kleidung eines Kleiderkreisel-Users kaufen kann.

Sharing Dienste in Reudnitz

Die Wirtschaft des Teilens

Mitfahrgelegenheiten, Argrargenossenschaften - den Gedanken des Teilens gab es ja schon früher. Das waren allerdings nur sehr punktuelle Sektoren. Die Breitenwirkung konnte es damals nie erreichen, weil die Koordinationskosten zu hoch waren. Also es wäre zu aufwendig gewesen, die Nachfrage mit dem Angebot in Verbindung zu bringen.

Prof. Dr. Rainer Alt, Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Leipzig

Dinge zu "sharen" ist also nichts Neues. Der Grund, weshalb die Sharing-Bewegung zu einer ganzen "Economy" wurde, liegt vor allem in der Digitalisierung. Ein auch unterwegs verfügbarer Internetzugang, Apps und Smartphones - ohne das alles wären die "Koordinationskosten" zwischen den einzelnen Menschen zu hoch.

Es ist auch das Stadtleben - in vielen Städten sind die Mieten hoch, der Wohnraum knapp. Die Konsequenz: Platz sparen, wo es nur geht. Ein eigenes Auto kann da schon zur Belastung werden. Wenn man aber trotzdem einmal die Großeltern auf dem Land besuchen will, kann man sich für diese Stunden ein Auto mieten, beispielsweise über TeilAuto. Und wenn mehrere hundert Menschen im Umkreis von ein paar Metern entfernt leben, wieso dann eine Bohrmaschine kaufen, wenn man sie von einem dieser Menschen leihen kann?

Hinzu kommt, dass es mittlerweile in weiten Teilen der Bevölkerung zu einem Umdenken gekommen ist. Um die Umwelt zu schonen, versuchen immer mehr Menschen, ihren Konsum einzugrenzen und damit einhergehend ihren festen Besitz auf ein Minimum zu reduzieren.

Was bedeutet Sharing Economy?

Meine Wohnung, deine Wohnung

Die einen haben eine leere Wohnung, weil sie zwei Wochen im Urlaub sind, die anderen ein freies Zimmer in der WG, weil der Mitbewohner ein Ausslandssemester macht. Und dann gibt es noch diejenigen, die Urlaub machen möchten, denen ein Hotel zu teuer ist, und denen ein Hostel zu wenig Privatsspähre bietet. Seit neun Jahren verbindet die Internetplattform Airbnb Menschen, die für eine gewisse Zeit eine Unterkunft frei haben mit Menschen, die eine Unterkunft suchen. Von der Luftmatratze im Wohnzimmer des Gastgebers über ein gemütliches Zimmer mit Doppelbett und eigenem Bad bis hin zur Villa - bei Airbnb kann man in über 190 Ländern jede Art von Unterkunft mieten und vermieten.

Die Firma bietet durch die Website eine Plattform, über die sich Gastgeber und potentielle Gäste verbinden können. Jeder erstellt ein Profil mit Bild und Text über sich selbst. Inseriert man eine Unterkunft, muss man seine Wohnung in aussagekräftigen Bildern fotografieren und einen ausführlichen Fragenkatalog ausfüllen, der Fragen wie Wohnungsgröße, Kinderfreundlichkeit und Nahverkehrsanbindung beantwortet. Durch die Bewertungsfunktion können beispielsweise die Gäste sichergehen, dass der potentielle Host die Wahrheit über den Zustand seiner Wohnung geschrieben hat und ein umgänglicher Charakter ist. Auch die Bezahlung und Kommunikation läuft immer über Airbnb und nie über eine direkte Verbindung zwischen Gastgeber und Gast. Für diesen Service behält das Unternehmen zwischen fünf und acht Prozent der Miete pro Nacht.

Anna-Lenas Wohnung
Die Wohnung von Anna-Lena, eine Airbnb-Userin im Leipziger Osten.

Die Wohnung von Anna-Lena, einer Airbnb-Userin aus dem Leipziger Osten. 

Ein umstrittenes Geschäftsmodell

Aus dieser Perspektive ist die Plattform sicher eine gute Möglichkeit für Gastgeber, ein wenig Geld dazuzuverdienen und für Gäste, Geld zu sparen. Allerdings findet sich in Mietverträgen häufig der Hinweis, dass eine Untervermietung nicht gestattet ist. Viele Mieter inserieren ihre Wohnung trotzdem auf Airbnb. Problematischer wird es jedoch, wenn man die Rechtslage betrachtet. Eine Wohnung ist in den allermeisten Fällen als Wohnraum deklariert - das wiederum bedeutet, dass eine gewerbliche Nutzung strafbar ist. Die regelmäßige Vermietung der Wohnung bei Airbnb fällt darunter. Airbnb hält sich durch einen Vermerk in den AGBs aus Konflikten heraus und schiebt die Verantwortung den Usern zu.

Hinzu kommt, dass viele Städte weltweit Probleme durch hunderte Airbnb Unterkünfte in ihrer Stadt haben. Viele Wohnungsbesitzer, denen mehr als eine Wohnung gehört, vermieten diese permanent an Airbnb-Gäste. Damit verdienen sie ein Vielfaches von dem, was sie von einem langfristigen Mieter erhalten würden. Das treibt vor allem in Städten wie Berlin die Gentrifizierung spürbar voran und sorgt für einen erheblichen Mangel an Wohnraum. In manchen Straßen gibt es dort etliche Airbnb-Wohnungen, die ausschließlich zur Vermietung an Urlaubsgäste genutzt werden, aber kaum eine freie Wohnungen für Menschen, die dauerhaft eine Wohnung suchen.

 

Kleiderschrank.

 

Kleiderkreisel kann dabei helfen, den Kleiderschrank mit neuer Second-Hand-Kleidung zu füllen.

Geliehene Fahrräder und Second-Hand-Kleidung

Auch die Geschäftsmodelle der beiden Firmen Nextbike und Kleiderkeise teilen den Sharing-Gedanken. Bei Nextbike tauschen jedoch nicht die User unter sich. Trotzdem findet sich auch hier das Prinzip "Leihen, statt besitzen" wieder. Die Firma stellt Fahrräder zur Verfügung und vermietet sie für einen Euro pro halbe Stunde. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Fahrradverleih: Die Fahrräder sind an Stationen in der ganzen Stadt verteilt und können 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ausgeliehen werden. In der App findet man eine Karte, die alle Stationen in Leipzig mitsamt ihren verfügbaren Fahrrädern anzeigt. Auch das Ausleihen läuft unkompliziert per App: QR-Code am Fahrradrahmen scannen, Zahlenkombination erhalten, Schloss öffnen, fertig. Die Fahrräder können auch an einer anderen Station innerhalb des Stadtgebiets zurückgegeben werden, können aber - zumindest in Leipzig - nicht an jedem beliebigen Ort zurückgelassen werden.

Bei der Internetplattform Kleiderkreisel geht es zwar ums Kaufen, aber auch diese Firma kann zur Sharing Economy gezählt werden. Denn hier wird in erster Linie Second-Hand-Kleidung verkauft - ein Gegenkonzept zu Konsum und Fast Fashion. Kleiderkreisel ist nicht nur ein Portal um gebrauchte Kleidung zu verkaufen: Im Forum auf der Seite findet man zahlreiche Inserate, die vom Hamsterkäfig über das neue iPhone und das Rock-am-Ring-Festivalticket bis hin zu den alten TKKG-Kassetten alles anbieten. Und es wird Wert auf die Community gelegt: Im Forum finden sich beispielsweise auch die Bereiche "Gefühle", "Ernährung" und "Reisetipps". Hier kommunizieren die User über das Forum miteinander und geben sich gegenseitig Ratschläge.

Der Wirtschaftswissenschaftler Rainer Alt verrät seine Meinung zur Sharing Economy. Redakteurin Lea Schröder hat bereits eine Wohnung gemietet und ein Fahrrad geliehen, jetzt organisiert sie sich mit einer Second-Hand-App ein Kleid für den Abend:

Redakteurin Lea Schröder testet Sharing-Dienste in Leipzig - Teil II

Ein Fazit

Als Nutzer sollte man einen kritischen Blick bewahren - wer genau die allgemeinen Geschäftsbedingungen der jeweiligen Firmen studiert und sich über die jeweilige rechtliche Lage informiert, kann jedoch profitieren. Sharing-Dienste können wirklich dabei helfen, Geld zu sparen und vieles erleichtern, was vor einigen Jahren noch einen enormen Aufwand mit sich gebracht hätte. Der ökologische Gedanke, den eigenen Konsum zu reduzieren, Ressourcen zu sparen und so etwas für seine Umwelt zu tun, rückt dabei in den Vordergrund.

 

 

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