Frisch gepresst: N*E*R*D

Tanzbar unbequem

Sieben Jahre nach ihrem letzten Album „Nothing“ melden sich N*E*R*D mit „No One Ever Really Dies“ zurück - einer Platte, die es in sich hat.
Mit „No One Ever Really Dies“ kämpfen N*E*R*D gegen Rassismus, Korruption und Neo-Nazis.

The truth will set you free,
But first, it’ll piss you off

So das Statement, welches uns Pharrell Williams im Opener „Lemon“ um die Ohren haut. Williams‘ klare Positionierung zur Wahrheit und Unbequemlichkeit reibt sich mit dem Image, das den US-Amerikaner normalerweise umgibt. Einem Künstler, den Songs mit Titeln wie „Get Lucky“ oder „Happy“ in die Charts katapultiert haben, spricht man beinahe die Fähigkeit zum Pissed-off-sein ab.

Falsch gedacht. Der Typ mit diesem „Minions“-Song ist angepisst. Von Trump, von Neo-Nazis, von Rassismus. Gemeinsam mit Chad Hugo und Shay Haley macht er diesem Ärger auf „No One Ever Really Dies“ Platz.

Schluss mit nichtssagend

„No One Ever Really Dies“ ist das mittlerweile fünfte Album des Hip-Hop-Trios. Elf Songs, in denen Williams, Hugo und Haley Dampf ablassen. In „Deep Down Body Thrust“ positionieren sie sich gegen Korruption, „1000“ ist ein erhobener Mittelfinger gegen Neo-Nazis.

Musikalisch bleibt das Album durchweg abwechslungsreich. „1000“ punktet mit Trap-Beats, an anderen Stellen geht es deutlich in Richtung Dub-Reggae („Lifting You“) oder wird jazziger („Rollinem 7’s“). In „Voilá“ wechselt der catchy, treibende Hip-Hop plötzlich zur Reggae-Manier mit Steel Drum, „ESP“ erinnert zeitweise stark an die Gorillaz.

Große Namen, großer Effekt

Eine Sache sticht aber besonders heraus: Pharrell Williams‘ unverwechselbarer Trademark-Sound. Jedem Song ist die Williams’sche Leichtigkeit anzuhören – sie lockert die Platte trotz ihrer ernsten Thematik im richtigen Maß auf.

Noch einer Sache bleibt Williams treu: der Zusammenarbeit mit Namen des Musikgeschäfts. In „Lemon“ rappt Rihanna, in „Lifting You“ präsentiert sich der wohl überraschendste Feature-Künstler: Ed Sheeran.
In „Kites“ gibt’s Unterstützung von M.I.A und Kendrick Lamar. Lamar gibt einen weiteren Gastauftritt in „Don’t Don’t Do It!“ – einem Song, mitgeschrieben von Frank Ocean.

Durchdacht und optimistisch

Trotz allem Abwechslungsreichtum sitzt bei „No One Ever Really Dies“ alles da, wo es sitzen soll. Das Album ist geprägt von clever positionierten elektronischen Elementen und Minimalismus.

Die Künstler*innen, die N*E*R*D sich zur Unterstützung holen, wirken nicht wie ein Mittel zum plumpen Namedropping. Auch sie lassen Stile und Charakteristiken in die Songs einfließen.

Das alles führt zu einem geschliffenen, runden und dennoch spannenden Hip-Hop-Album. N*E*R*D sorgen für tanzbare Songs, verzichten dabei aber auf das begehrte „Friede, Freude, Eierkuchen“-Weltbild. Dadurch wird „No One Ever Really Dies“ unangenehm ernsthaft – aber eben auch ziemlich stark.

 

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Ariane Seidl
18.12.2017 - 14:08
  Kultur

N*E*R*D: No One Ever Really Dies

Tracklist:

1. Lemon (feat. Rihanna)*
2. Deep Down Body Thurst*
3. Voilá (feat. Gucci Mane & Wale)*
4. 1000 (feat. Future)
5. Don't Don't Do It! (feat. Kendrick Lamar)
6. ESP*
7. Lightning Fire Magic Prayer
8. Rollinem 7's (feat. André 3000)
9. Kites (feat. Kendrick Lamar & M.I.A.)*
10. Secret Life Of Tigers
11. Lifting You (feat. Ed Sheeran)

Erscheinungsdatum: 15.12.2017
Sony Music

Schon gewusst?
N*E*R*D ist die Kurzform von „No One Ever Really Dies“.