euro-scene 2017

Tanz der Scheiben, Kugeln und Spiralen

Es quietscht, brummt und summt und ist streckenweise recht anstrengend für die Ohren: aber sonst ist das Triadische Ballett ein lustiges, heiteres und mystisches Treiben für die Augen! Die euro-scene ist damit eröffnet!
Bis zu drei Tänzer tauchen in jeder Szene auf.
Bis zu drei Tänzer tauchen in jeder Szene auf.

Bereits zum 27. Mal sind nationale und internationale Tanz- und Theaterstücke in Leipzig zu Gast. Das Motto der diesjährigen euro-scene lautet „Ausgrabungen“, und gleich zur Eröffnung gab es „Das Triadische Ballett“ im Schauspiel Leipzig zu sehen.

"Ausgrabungen"...

… deshalb, weil es sich vor allem um Rekonstruktionen handelt. Das Triadische Ballett wurde in voller Länge 1922 uraufgeführt, also vor fast 100 Jahren. Oskar Schlemmer, der Tänzer und Choreograf, aber auch Maler und Bildhauer war, hat das Ganze damals im Stil des Bauhaus entwickelt und auch selbst getanzt. 1977 hat Gerhard Bohner das Triadische Ballett rekonstruiert, wobei er die Choreografien, von denen nichts überliefert ist, neu entwickeln musste.

Man könnte sich nun fragen, was denn da überhaupt ausgegraben wurde, wenn die Choreografie nicht überliefert ist. Die Antwort lautet: die Kostüme! Die sind nämlich die gleichen wie damals, erhalten und restauriert. Und teilweise echte Schwergewichte - gleich das erste Kostüm, ein tellerförmiger Holzrock, wiegt ca. 10 Kilo(!) und lässt nur wenig Bewegung zu. Auch die anderen der acht jungen Tänzer müssen gegen starre Kostüme antanzen, diese in Drehungen ausbalancieren und trotz der Dominanz der Formen und Farben glänzen.

Weg von schmückenden Schnörkeln

Für die aktuell zu sehende „Re-Rekonstruktion“ des Bayerischen Juniorballetts München ist der Tänzer und Choreograph Ivan Liška verantwortlich. Er tanzte in Bohners Variante 12 Jahre lang in 85 Vorstellungen auf nationalen und internationalen Bühnen. Nun will er sein Wissen weitergeben. Als Grund dazu nannte er nicht etwa, dass er das Triadische Ballett so besonders schön fände, sondern dass es die Tänzer herausfordere, nicht hinter den starken Geometrien zu verschwinden. Ihn fasziniere vor allem die Idee Schlemmers, der damals gegen die Strömung der Ausdruckstänzer choreographierte. Er wollte klare Strukturen und weg von schmückenden Schnörkeln.

Daher kommt auch das Prinzip der Zahl 3, die dem Stück seinen Namen gibt. Es sind maximal drei Tänzer auf der Bühne, es gibt drei „Akte“ im Stück, die „gelbe, rosa und schwarze Reihe“, und die geometrischen Grundformen Kreis, Dreieck und Quadrat.

Armee der Staubsauger?

Und dann gäbe es noch die Einheit von Bewegung, Kostüm und Musik. Wobei das Wort „Musik“ es vielleicht nicht ganz trifft – neben Quietsch-, Tröt- und Schlagwerkgeräuschen werden die Tänzer vom sogenannten „kosmischen Rauschen“ begleitet. Das klingt am Ende, als würde backstage bereits der Staubsauger geschwungen. So stellt sich einige Male das Gefühl ein, dass die Begleitung gar nicht so richtig zur Stimmung der Szene passt oder ganz davon losgelöst ist.

Alles in allem ist das Triadische Ballett jedoch lustig anzusehen und erinnert ein bisschen an Spielzeug. Auch wenn die Musik und die an wenigen Stellen langatmigen Szenen das Gesamtbild etwas trüben, hat es doch Spaß gemacht, zuzuschauen, und die Tänzer die Herausforderung meistern zu sehen.

Nadine Kirstein über das Triadische Ballett
SG Das Triadische Ballett
 

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