euro-scene 2017

Tag zwei auf dem Tisch

Beim zweiten Tag des Wettbewerbs zum "besten deutschen Tanzsolo" gab es diesmal keine technischen Probleme – dafür wieder wunderbare Performances. Die Moderation hat sich aber noch unterboten.
Die Tänzerin Yamile Anaid Navarro (Mitte) mit ihrem Solo »Scat dancing« hat es nicht ins Finale geschafft. Schade!
Die Tänzerin Yamile Anaid Navarro (Mitte) mit ihrem Solo »Scat dancing« hat es nicht ins Finale geschafft. Schade!

Während am Vorabend die Treppe nur spärlich besetzt war, hatte man es am zweiten Tag des Wettbewerbs schon schwerer einen Platz im Foyer des Schauspielhauses zu finden.

Erneut traten 10 Tänzer – mit den verschiedensten Beiträgen – gegeneinander an, in der Hoffnung am Sonntag noch einmal im Finale performen zu dürfen.

Vielfältige Vorstellungen

Von Kita-Leiterin bis Choreografin, von Marteria bis Ella Fitzgerald, von Spitzenschuh bis Löwenmaske, mit den unterschiedlichsten Melodien und Requisiten wurden die einzelnen Stücke in Szene gesetzt.

Hannah Juliane Steenbeck zum Besipiel tanzte nicht zu Musik, sondern zum selbst rezitierten Auszug aus Marterias „Welt der Wunder” und gewann damit auch mit einem sehr eindeutigen Vorsprung den Publikumspreis.

Wir leben auf einem blauen Planeten

Der sich um einen Feuerball dreht

Mit 'nem Mond der die Meere bewegt

Und du glaubst nicht an Wunder

Marteria

Und nicht nur sie begleitete ihre Performance selbst: Oana Maria Moczulski loopte ein rumänisches Volkslied und zeigte dem Publikum eine bedrohlich wirkende Choreografie mit dem Titel „Fluch”, die mit ihrer Besessenheit schon fast Horrorfilm-Qualitäten hatte. Sie begann und endete mit den Worten: „Wer liebt und die Liebe loslässt, der sollte verdammt sein.”

Ganz anders inszenierte sich Hung-Wen Mischnick, die bis über den Kopf in einen Mantel gehüllt die Illusion erweckte, sich als kopfloser „Traumreisender” über den Tisch zu bewegen.

Mit beneidenswerter Körperspannung lieferten sowohl Yamile Anaid Navarro, als auch Rodolfo Piazza Pfitscher da Silva zwei sehr eindrucksvolle Beiträge. Yamile zeigte ein Wechselspiel zwischen Ballett- und Jazzelementen, während Rodolfo zu einer dissonanten Streichinstrumentalversion von „Stille Nacht” seine Interpretation der Sandmannfigur tanzte.

Es bleibt der fade Beigeschmack

Zwar versagte diesmal nicht die Technik, die Moderation hingegen ließ zu wünschen übrig. Mit zusammenhanglosen und teilweise unangebrachten Fragen schaffte René Reinhardt eine peinliche Atmosphäre für Tänzer und Publikum. Die Kurzinterviews nach den Choreografien wirkten unvorbereitet, seine Übersetzungsfähigkeiten vom Englischen ins Deutsche waren dürftig. So sprach die Teilnehmerin Celine Bellut von Selbstbezogenheit und dem Ausbrechen aus der eigenen Wohlfühlzone, Reinhardt übersetzte dies mit Entschleunigung. Wie gut, dass die bemerkenswerten Beiträge bereits für sich selbst sprechen konnten und Lust auf das Finale des Wettbewerbs machen.

 

 

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Wiebke Lendewig
13.11.2017 - 14:17
  Kultur

Das 27. Festival zeitgenössischen europäischen Theaters und Tanzes Leipzig, kurz euro-scene 2017, steht ganz unter dem Motto "Ausgrabungen" und setzt daher besonders auf Rekonstruktionen. Werke einiger der größten Choreografen des Zwanzigsten Jahrhunderts werden dafür quasi ausgebuddelt, unter anderem die der 1993 gestorbenen Tänzerin Gret Palucca. Damit übernimmt die euro-scene die wichtige Verantwortung des Erhalts historischer Tanzstücke. Viele Choreografen des vergangenen Jahrhunderts weigerten sich, große Teile ihrer Arbeiten in Videos zu dokumentieren, da Tanz nun einmal auch vom Moment lebt. Mit den Rekonstruktionen wird das Leipziger Publikum in diesem Jahr vielleicht keine exakte Zeitreise machen, aber sicherlich einen kleinen Blick in die Tanz- und Theatergeschichte werfen.

Das euro-scene Festival findet seit 1991 statt und bringt damit schon seit unmittelbar nach der Wende internationale Performance-Highlights nach Leipzig. Für die hiesige Theaterkultur ist das eher die Ausnahme, da in Deutschland der Löwenanteil an Produktionen von kommunalen Spielstätten und nicht von mobilen Kompanien umgesetzt wird. So ist die euro-scene enorm wichtig, um auch renommierten Künstlern wie Alain Platel die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten auch hierzulande bei Gastspielen zu präsentieren.

 

Dienstag

19:30 Das Triadische Ballett

Mittwoch

16:00 Goldkugeln der Tanzgeschichte

19:30 Das Triadische Ballett

19:30 Von Serenata bis Totentanz

22:00 It's Schiller! Die Maltheser. Tragödie.

Donnerstag

17/20/23 Uhr Cosas que se olvidan fácilmente

19:30 It's Schiller! Die Maltheser. Tragödie.

19:30 Von Serenata bis Totentanz

22:00 Bombyx Mori

Freitag

16/17/18 Uhr Pakman

17/20/23 Uhr Cosas que se olvidan fácilmente

19:30 Vangelo

22:00 Bombyx Mori

22:00 Das beste deutsche Tanzsolo

Samstag

14/17/20 Uhr Cosas que se olvidan fácilmente

16/17/18 Uhr Pakman

17:00  Zwei Giraffen tanzen Tango

19:30 The wanderer's peace

19:30 Five easy pieces

22:00 Das beste deutsche Tanzsolo

Sonntag

11/15/16 Uhr Pakman

11/14/17 Uhr Cosas que se olvidan fácilmente

17:00 The wanderer's peace

17:00  Zwei Giraffen tanzen Tango

19:30 Five easy pieces

22:00 Das beste deutsche Tanzsolo