Gesellschaft

Tag der Sehbehinderten

In Deutschland gelten rund 1,2 Millionen Menschen als sehbehindert. Anlässlich des heutigen Sehbehindertentages stellt sich die Frage, mit welchen Schwierigkeiten Betroffene zu kämpfen haben und was man dagegen tun kann.
Die Brille- eine große Hilfe

Als sehbehindert zählen Personen, die mit einer Brille auf beiden Augen weniger als dreißig Prozent der Sehkraft erreichen. Ausprägungen von Sehbehinderungen treten in vielen Arten auf: Dazu zählen zum Beispiel Farbfehlsichtigkeit, der grüne und graue Star. Im schlimmsten Fall tritt eine gänzliche Erblindung ein. Manche Menschen werden mit einer Sehbehinderung geboren, andere erkranken erst im Laufe ihres Lebens daran.

Ein barrierefreies Leben trotz zahlreicher Beeinträchtigungen?

Alle Varianten haben eines gemeinsam: sie beeinträchtigen die Betroffenen in sämtlichen Lebensbereichen, betont Ulrike Meinhold, Koordinatorin des Beratungsangebots des Blinden-und Sehbehindertenverbandes Sachsen:

Da ist zum einen der Teil der Informationsbeschaffung. Also wie komme ich an die Informationen, wenn ich nicht richtig sehen und lesen kann. Als sehender Mensch ist es selbstverständlich, dass man Zeitung lesen kann, dass man Anzeigen im öffentlichen Raum lesen kann. Da zählt auch das Internet zum Beispiel dazu. Neben dieser Informationsbeschaffung, sind das aber auch Probleme oder Schwierigkeiten im Alltag, Haushaltführung, Mobilität.

Im schlimmsten Fall führe die Beeinträchtigung sogar dazu, dass die Betroffenen das Haus gar nicht mehr verlassen. Um auf diese Probleme aufmerksam zu machen, findet heute zum 19. Mal der bundesweite Sehbehindertentag statt. Ziel ist es, ein barrierefreies Leben zu ermöglichen. Obwohl oft Vorurteile bestehen, können Betroffene die gleichen Freizeitaktivitäten wie sehende Menschen ausüben. Dazu zählen Kinobesuche, verschiedene Sportarten und auch das Lesen.

Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde

Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde in Leipzig zelebriert den heutigen Tag unter dem thematischen Schwerpunkt „Audiodeskription“. Darunter versteht man eine akustische Bildbeschreibung, die es Blinden und Sehbehinderten ermöglicht Filme zu konsumieren. Mitarbeiter Ronald Krause erklärt, dass es mittlerweile ein vielseitiges Angebot gibt: 

Wir haben auch ein wachsendes Angebot in diesem Bereich auch seit jüngster Zeit. Zum Beispiel kann man sich in der DZB Hörfilme ausleihen, also sprich die Audiospuren, ungefähr 250 Filme, Serienteile, Dokumentationen gibt’s hier in DZB kostenfrei zum Ausleihen.

Neben den technologischen Fortschritten, dürfe das Buch allerdings nicht außer Acht gelassen werden. Dabei kommt es besonders darauf an die Lehre der Blindenschrift weiter anzubieten und zu fördern, so Krause.

Das steht bei uns auch sehr im Zusammenhang mit der Nutzung Brailleschrift. Brailleschrift ist DIE Schrift der Blinden, es gibt keine andere. Deswegen ist es ungemein wichtig das Lesen und die Anwendung der Schrift zu fördern, weil sich Blinde dadurch natürlich auch Rechtschreibung und Grammatik erschließen und deswegen ist das ein ganz wichtiger Teil unserer Aktivitäten im Sinne der Leseförderung.

Gesetze für Sehbehinderte

Neben den kommunalen Angeboten für Menschen mit Sehbehinderungen wurden auch auf Bundesebene viel getan. So konnte vergangenen Dezember ein neues Bundesteilhabegesetz verabschiedet werden. Demnach wird zukünftig individuell bestimmt, wie viel Unterstützung einem Behinderten zusteht. Bislang wurden die Leistungen von den Kommunen getragen. Ab sofort wird sich auch der Bund daran beteiligen. Seit Februar gibt es auch Fortschritte im Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz, erklärt Ulrike Meinhold. Dadurch habe sich der Personenkreis erweitert, der von Ansprüchen auf Sehhilfen Gebrauch machen kann.

Eine offene Gesellschaft

Für die Verbesserung der Lebenssituation von Blinden und Sehbehinderten sind nicht nur Behörden verantwortlich. Auch unsere Gesellschaft kann einen wichtigen Teil dazu beitragen. Im alltäglichen Umgang mit Betroffenen wünscht sich Meinhold einen natürlichen Umgang miteinander:

Aus meiner Sicht ist das der Punkt, dass man Blinden und Sehbehinderten Menschen das Gleiche zutraut wie sehenden Menschen. Dass man sie selbstverständlich einlädt zu Veranstaltungen, zum Beispiel ins Kino zu gehen. Dass man sie in den Alltag integriert, mit ihnen Sport macht, sei es zum Beispiel beim Joggen. Dass man schon fragt: ‘Kann ich Ihnen helfen?‘, aber dass man sie dabei nicht bevormundet.

Zukünftig werden im Zeitalter der Smartphones zahlreiche Apps auch das Leben von sehbehinderten Menschen erleichtern. Technische und gesellschaftliche Veränderungen sind wichtige Voraussetzungen für einen optimistischen Blick in die Zukunft. Und Vielleicht sind bald kaum noch Unterschiede zwischen sehbehinderten und Sehenden Menschen spürbar.

mephisto 97.6 Redakteurin Leah Palgan mit einem Beitrag zum Thema:

Ein Beitrag von Leah Palgan
 

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