Literaturrezension

Surrealismus in schmackhaften Versen

Zeitgenössische surrealistische Lyrik? Alexander Graeff hat in seinem aktuellen Band "Die Reduktion der Pfirsichsaucen im köstlichen Ereignishorizont" eine lesenswerte Antwort darauf.
Mario Hamborg illustrierte den Lyrikband.
Mario Hamborg illustrierte den Lyrikband.

Alexander Graeff ist noch ein eher unbekannter Name am deutschen Lyrikhimmel. Dabei hat der Berliner Schriftsteller und Philosoph schon richtig viel veröffentlicht – allerdings in sehr verschiedenen Bereichen. Nach einem Studium der Wirtschafts-, Ingenieurs-, Erziehungswissenschaften und Philosophie ist er nun Dozent für Ästhetik, Ethik und Pädagogik. Nebenbei lehrt lehr er Kreatives Schreiben. Seine vielfältige Expertise mag ein Grund dafür sein, dass in seinen Gedichten die verschiedensten Gegenstände miteinander verknüpft werden. Dadurch entstehen surrealistische Texte, die ins Fantastisch gehende Bilder erzeugen.

Schon den Titel von Alexanders Graeffs aktuellem Lyrikband kann man sich - im wahrsten Sinne des Wortes – auf der Zunge zergehen lassen. „Die Reduktion der Pfirsichsaucen im köstlichen Ereignishorizont.“ Auch wer regelmäßig Lyrik liest, wird schon vom Titel erstaunt sein. Die Reduktion der Pfirsichsaucen hat gar nicht mal so viel mit Kochen zu tun, sondern ist ein Zitat aus dem Gedicht „Beim Betrachten eines Fotos von vier mittelalterlichen Altarflügeln.“ Es ist eines der rund 80 in dem Band versammelten Gedichte und steht exemplarisch für die teils sehr grotesken Verse.

Sorg für erhöhte Speichelproduktion, für Die Reduktion der Pfirsichsaucen im Köstlichen Ereignishorizont. Saug ganz fest daran, so kann Ich diesen reaktionären Rollback Der Existenz ertragen.

 Graeffs Gedichte faszinieren. Alltagsmomente treffen treffen auf Emotionen treffen auf absurde Bilder. Besonders gern bedient er sich tatsächlich kulinarischer Motive, die er in Verhältnis zu einer romantischen Beziehung setzt. 

Wie sehr friere ich ohne Kuvertüre Die du für mich bist……deine Körperflüssigkeiten Chardonnay auf Eis.. …Noch Tage nach unserer Begegnung riechen meine Finger nach Koriander...

Der Band wird  von Schwarz-Weiß-Illustrationen verziert. Die Zeichnungen stammen von Mario Hamborg, der sonst Musik auf seinem Gameboy komponiert. Entsprechend grotesk reihen sich seine Illustrationen in den Band ein. Ein klarer Bezug zu den Texten ist selten ersichtlich, doch zu dem staunenden, ins Fantastische gehende Lesegefühl passen sie gut.

Graeffs Zeilen erzählen von absurden Szenerien, in denen doch immer alltägliche Gegenstände auftauchen. Auch durch die geschilderten Emotionen rückt das lyrische Ich beim Lesen in eine Nähe, die zugleich durch die surrealen Elemente zur Distanz wird. Es entstehen groteske, aber einprägsame Bilder. Die sind nicht immer eindeutig zu verstehen -, doch neben Emotionalität ist auch Humor in seinen Gedichten zu finden.

Hier bin ich Lust, doch dort nur kulantes Angebotswesen, das ich empfange wiePrinzessin Wagenhals die du nie in mir vermutet hast. So verfreiwinkelt sich das Granulat der Grönlandspalte, die unsre Alltagsarktis zeriss.

Das Anfangsstaunen über den Titel zieht sich durch die ganze Lektüre von Alexander Graeffs neuem Lyrikband. Am Ende bleibt ein etwas verwirrter, aber berührter Leseeindruck. Während ich vorher bei Surrealismus hauptsächlich an Salvador Dalí oder André Bréton dachte, weiß ich nun: Es gibt auch deutschen Surrealismus. Und der kann auch Poesie.

Die Rezension zum Nachhören:

Carolin Büscher über Alexander Graeffs Lyrikband
Rezension Alexander Graeff

 

 

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Carolin Büscher
28.06.2019 - 14:06
  Kultur

„Die Reduktion der Pfirsischsaucen im köstlichen Ereignishorizont“ von Alexander Graeff hat rund hundert Seiten und ist im Verlagshaus Berlin erschienen. Für 17.90€ ist er in der Buchhandlung Ihres Vertrauens erhätllich.