CD der Woche - Sei ein Faber im Wind

Stürmisch, selbstironisch und charmant

Er gibt dem Unangenehmen eine Stimme: Liebeskummer, Rassismus und Wohlstandsbequemlichkeit. Der schweizer Songschreiber Faber bringt nach zwei EPs endlich sein erstes Album raus und wir finden - das Warten hat sich gelohnt.
Fabers Debütalbum "Sei ein Faber im Wind" steht seit Freitag in den gut sortierten Plattenläden
Fabers Debütalbum "Sei ein Faber im Wind" steht seit Freitag in den gut sortierten Plattenläden

Von Crowdfunding zum Studioalbum

Faber macht zwar schon seit über zehn Jahren Musik, seine Solokarriere nahm aber erst vor vier Jahren so richtig Fahrt auf. Damals begleitete er die bereits sehr erfolgreiche Musikerin Sophie Hunger als Support auf Tour.

Im März 2015 finanzierte er seine erste EP "Alles Gute" über Crowdfunding. Danach konnte er sich die Plattenfirma praktisch aussuchen. Die zweite EP "Abstinenz" sorgte dann endgültig für den Durchbruch. Seit Freitag kann man sich das erste Studioalbum anhören, das mit neun brandneuen und drei bereits erschienenen Songs endlich ein längeres Hörerlebnis liefert.

Der „Faber im Wind“ erobert Deutschland im Sturm

Du lebst so euphorisch, ich leb' nur provisorisch.

In "Sei ein Faber im Wind" geht es um Wut, Neid und tiefe Verletztheit darüber, verlassen worden zu sein. Wer schon einmal Liebeskummer hatte, fühlt sich in diesem Lied erhört, wenn Faber mit rauchiger Stimme singt "Einer von uns beiden war ein Arschloch... ich war's nicht."

Die einen ertrinken im Überfluss, die anderen im Meer.

Faber heißt eigentlich Julian Pollina und ist in Zürich aufgewachsen. Seine Eltern kommen aber aus Italien, und das überrascht nicht, denn er singt von Liebe mit dem Charme und der Inbrunst eines heißblütigen Südländers. Er zeigt aber auch mit dem Finger auf die Wohlstandsinsel Schweiz, die es sich gut gehen lässt, während „draußen alles brennt“. Liebe, Leidenschaft und Gesellschaftskritik in einem Song? Ja, das geht"In Paris brennen Autos" überlässt es dem Hörer, zu entscheiden, was die Kernaussage ist. Das ist aber auch nicht wichtig. Denn beim Hören schmerzt das Herz und das ist in jedem Falle berechtigt.

Mit Posaunen und viel Tamtam

 

Faber nimmt in seinen Songs die verschiedensten Rollen an - die des Rassisten, des frustrierten Spießbürgers und des sexistischen Lebemanns. Dabei ist er immer authentisch und die Leidenschaft, mit der er diese Songs schmettert, lassen keinen Zuhörer kalt.

Sag, dass es so ist, denn genauso soll es sein. Ich lass dich einfach nicht los.

Der Soundtrack der Millenials

Es gibt sie also noch - die wahren Songschreiber. Sie piksen die Gesellschaft in die Seite und hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Sie bringen einen zum lachen, weinen, Bier trinken und tanzen. Das alles schafft auch Faber mit seiner Band. Er singt einer Generation aus dem Herzen, die ihren Platz in der Welt noch sucht und mit allem irgendwie unzufrieden ist. Das Publikum fühlt sich verstanden, kann bei so viel Selbstironie mitlachen und tanzt sich die Wut über die Ungleichheit in der Welt aus den Beinen.

 

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Faber: Sei ein Faber im Wind

Tracklist:

1. Ouverture 

2. Wem du's heute kannst besorgen 

3. Nichts *

4. Es könnte schöner sein 

5. Lass mich nicht los 

6. Bleib dir nicht treu 

7. Alles Gute 

8. In Paris brennen Autos *

9. Bratislava

10. Wer nicht schwimmen kann der taucht

11. Brüstebeinearschgesicht 

12. So soll es sein 

13. Sei ein Faber im Wind *

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 07.07.2017
Universal

Mehr von Faber:

Faber auf Tour:

  • Festsaal Kreuzberg, Berlin 23.10.2017
  • Musikzentrum, Hannover 24.10.2017
  • Factory, Magdeburg 26.10.2017 
  • Beatpol, Dresden 27.10.2017
  • Täubchenthal, Leipzig 28.10.2017
Fabers Webpräsenz:

http://www.fabersingt.com