#Leipzig2030

Strategielose Mobilitätsstrategie

Leipzig zählt zu einer der dynamischsten und am stärksten wachsenden Großstädte Deutschlands. Das hat auch Auswirkungen auf den Verkehr. Diesen will die Stadt mit der Mobilitätsstrategie 2030 begegnen. Ein Kommentar.
Straßenbahn
Leipziger Straßenbahn

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Ein Kommentar von Thomas Tasler
 

Ich muss schon zugeben, der Nahverkehr in Leipzig funktioniert eigentlich ziemlich gut. Denn obwohl ich ohne Auto oder Fahrrad lebe, bin ich mit Bus und Bahn bislang immer gut durch die Stadt gekommen. Doch wer weiß, wie lange das noch so sein wird. Denn die Feststellung, dass Leipzig wächst – die ist bei den Verkehrsplanern der Stadt erst relativ spät angekommen.

Beispiel Straßenbahn

Das Straßenbahnnetz wurde in den letzten Jahren nicht ausgebaut. Stattdessen wurden seit der Wende in beispiellosem Maße Linien und Strecken eingestellt. Ein Umdenken ist bislang auch nicht erkennbar. Denn konkrete Pläne für einen Ausbau gibt es noch nicht. Weiterhin sind viele Streckenabschnitte nach jahrelangem Investitionsstau verschlissen. Die Folgen dieser Entwicklung sieht man immer dann, wenn RB im Stadion ein Heimspiel hat – die LVB ist schlicht überfordert.

Schlechtes Timing

Nun ist das Rathaus aber doch noch aufgewacht und arbeitet an der Mobilitätsstrategie 2030. Hinter diesem langweilig klingenden Namen verbirgt sich nach Angaben der Stadt eine Vision - eine Vision, Mobilität sicher, zuverlässig, sauber und bezahlbar zu gestalten. Klingt ganz schön hochtrabend, oder? Jetzt ein Verkehrskonzept vorzulegen, dass schon in zwölf Jahren seine Wirkung entfalten soll, ist keine Vision sondern schlicht und ergreifend Wahnsinn. Aber auch unabhängig vom Zeitplan: Schaut man sich die zur Auswahl stehenden Szenarien mal genauer an, offenbart sich alles andere als eine Vision. Allein die Tatsache, dass zwei der sechs Szenarien an den jetzigen Verkehrsplanungen festhalten wollen, kann doch nur als Witz verstanden werden.

Leipzig wird in den nächsten Jahren wachsen und sich stark verändern. Und diese Veränderungen werden sich auch in den Verkehrsströmen bemerkbar machen. Schlimm genug, dass so lange überhaupt nichts passiert ist. Doch jetzt auch noch am Status Quo festhalten zu wollen – egal ob mit oder ohne Fahrpreiserhöhung im Nahverkehr – kann überhaupt keine Option sein.

Keine Straßenbahnerweiterung

Auch die vier weiteren Szenarien offenbaren großes Problempotenzial. Zum Beispiel das Vorrang-Szenario für den ÖPNV. Mehr Fahrgäste für Bus und Straßenbahn gewinnen, klingt eigentlich nicht so schlecht, oder? Von einer Erweiterung des Straßenbahnnetzes oder abgestimmten Anschlüssen zur S-Bahn ist hier jedoch keine Rede. Auch im Fahrradstadt-Szenario wird es nicht erwähnt. Zwar wird darin der ÖPNV als Rückgrat der Mobilität angesehen, doch auch hier soll es beim bestehenden Netz bleiben.

Solidarfinanzierung

Immerhin ist im Nachhaltigkeitsszenario noch von einer möglichen Erweiterung des Straßenbahnnetzes die Rede. Doch wie das genau finanziert werden soll, dazu schweigt sich das Papier aus. Das Gemeinschaftsszenario hat mit seinem solidarischen Bürgerticket darauf eine Antwort. Problem ist nur, in Deutschland gibt es bislang kein funktionierendes Nahverkehrsnetz, das sich auf diese Weise finanziert. Leipzig würde also ein Pilotprojekt starten, dessen Erfolg alles andere als sicher ist.

Keine Frage, die Szenarien, die den Stadträten für die Mobilitätsstrategie zur Auswahl stehen, klingen zum Teil interessant doch kaum umsetzbar. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.

Die sechs Szenarien der Mobilitätsstrategie 2030:

Ein Erklärstück von Thomas Tasler

Sprecherin:

Finný Anton

 
 

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Mit der Mobilitätsstrategie 2030 will die Stadt Lösungen für die städtische Mobilität in Zukunft finden. Dafür wurden in den vergangenen Monaten der Verkehr in Leipzig analysiert, Prognosen erstellt und verschiedene Modelle analysiert. Herausgekommen sind sechs mögliche Szenarien:

 

 

  • Fortführungsszenario

Dieses Szenario beschreibt die Option, am verkehrspolitischen Status Quo in Leipzig festzuhalten. Das heißt, die Situation soll sich nicht ändern. Finanzierungen und Verkehrsstrategien sollen in diesem Szenario lediglich dem Stadtwachstum angepasst werden.

  • Fortführungsszenario mit Fahrpreiskonstanz

Auch in diesem Szenario soll am verkehrspolitischen Status Quo festgehalten werden. Allerdings sollen hier zukünftige Fahrpreiserhöhungen im ÖPNV verhindert werden. Gelingen soll das mit einer stetig steigenden öffentlichen Finanzierung.

  • Vorrang-Szenario für ÖPNV

Hier soll die Nachfrage nach Bussen und Straßenbahnen maximiert und das Angebot im ÖPNV deutlich ausgebaut werden. Bei verkehrspolitischen Entscheidungen soll künftig der Nahverkehr im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen.

  • Fahrradstadt-Szenario

Dieses Szenario setzt auf Individualverkehr. Im Vordergrund steht das Fahrrad. Deshalb soll hier in ein durchgängig und ganzjährig nutzbares Radverkehrsnetz investiert werden.

  • Nachhaltigkeitsszenario

Hier setzen die Verkehrsplaner auf die verträgliche Einbettung von modernen Verkehrslösungen in das Stadtbild. Diese sollen eine nachhaltige, saubere und alle Einwohner einschließende Mobilität ermöglichen.

  • Gemeinschaftsszenario

In diesem Szenario soll ein stark ausgebautes ÖPNV-Angebot geschaffen werden. Es ist eine Solidarfinanzierung geplant, vergleichbar mit einem Bürgerticket. Dabei zahlt jeder im Einzugsgebiet des ÖPNV-Angebots einen regelmäßigen Beitrag an die Verkehrsbetriebe, egal ob die Angebote genutzt werden oder nicht.