Workshop

Stop-Motion zur Verständigung

Eine Woche lang fanden im Grassi-Museum Animationsworkshops für Kinder und Jugendliche statt. Dort trafen Kinder aus behüteten deutschen Elternhäusern auf Geflüchtete, die in Erstaufnahmeeinrichtungen wohnen.
Auf dem Bild sieht man zwei Paar Hände, die ausgeschnittene Figuren auf ein DIN A4-Blatt legen
Die Figuren für den Stop-Motion-Film werden gebastelt

An einem späten Nachmittag sitzen zwei Jungen ganz hinten in einem ruhigen Raum des Grassi-Museums. Vor ihnen sind aus Pappe eine Straße, Häuser und ein überfüllter Schulbus aufgebaut. Einer von den beiden Jungen bewegt den Bus um einen Millimeter nach links, dann nickt er. Der andere Junge drückt einen Knopf und eine Kamera klickt. Auf einem Computer erscheint ein Bild, auf dem die Szene zu sehen ist. Und wieder bewegt der eine Junge den Bus ein Stückchen.

Wie im Fernsehen

Einer der Teilnehmer zeigt das Ergebnis: Der Bus bewegt sich auf dem Computer ganz allein von rechts nach links.

Mouri kommt von der Elfenbeinküste und ist erst seit Kurzem in Deutschland. Für ihn ist es etwas ganz Besonderes, bei diesem Workshop dabei zu sein.

Ich habe noch nie an so einen Workshop teilgenommen. Das ist etwas, was ich nur aus dem Fernsehen kenne.  Als ich hier in Deutschland angekommen bin, haben sich viele Dinge für mich geändert. Und es ist sehr schön, jetzt hier dran teilzunehmen.

Mouri, Teilnehmer am Animationsfilmworkshop

Von Mouri stammt auch die Geschichte des Filmes, in dem es um Heimat geht. Er erzählt, dass er in seiner Heimat nie zur Schule gehen konnte. So ist der Bus in der ersten Szene ein Schulbus voller Kinder. Er fährt zu einem Strand, wo alle aussteigen und schwimmen gehen. Nur Mouri traut sich erst nicht. Das Wasser erinnert ihn an seine Flucht. Doch dann kommt ein Freund, der ihm hilft, ins Wasser zu gehen.

Ein Ort zum Träumen

Eine der Workshopleiterinnen, Diana Abdul Karim, erklärt, sie möchte den Kindern einen Ort geben, wo sie ihre Träume erzählen können. Sie ist selbst aus Syrien nach Deutschland gekommen und macht seitdem gemeinsam mit Jalal Maghout häufiger Animationsfilmworkshops mit Kindern.

Ich hatte immer Schwierigkeiten mich zu äußern, als ich nach Deutschland gekommen bin. Kunst ist eine internationale Sprache, die alle verstehen egal, mit welchem Hintergrund die Leute kommen. Sie können sich mit einfachen Bildern, ohne Worte, äußern.

Diana Abul Karim, Workshopleiterin

Mal hier, mal dort

Während die Kommunikation zwischen den Jugendlichen trotz Sprachbarriere gut funktioniert, stellt die hohe Fluktuation im Workshop ein Problem dar. Viele Kinder kommen an einigen Tagen und an anderen nicht. Christine Fischer vom Grassi-Museum hat das Projekt zum zweiten Mal mitunterstützt und erklärt, dass diese Unregelmäßigkeiten in der Arbeit mit Geflüchteten üblich seien.  

Man muss damit rechnen, dass es zu Verspätungen kommt, dass die Kinder vielleicht manchmal gar nicht kommen, dass die Kinder umverlegt werden, ganz spontan, dass man die Kinder nicht so einfach ins Museum bekommt. Das ist zwar schade, aber wir versuchen bestmöglich damit umzugehen.

Christine Fischer, Grassi-Museum

Manche Kinder hätten auch Angst, die Flüchtlingsunterkunft zu verlassen oder die Betreuer hätten keine Zeit, die Kinder zum Workshop zu bringen. Dennoch sei gerade der Austausch zwischen geflüchteten und deutschen Kindern sehr wichtig, meint Fischer. Denn geflüchtete Kinder würden großes Interesse daran zeigen, Deutsche kennenzulernen. Dies sei für sie aber oft gar nicht einfach. Dadurch könnten auch die deutschen Kinder Vorurteile abbauen.
Beim Animationsfilmworkshop scheinen sich die Jugendlichen auf jeden Fall gut miteinander zu verstehen. Auch wenn die Teilnehmer des Workshops viele verschiedene Sprachen sprechen: Im Notfall verständigen sie sich eben mit Händen und Füßen. 

Den Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Die Reportage über den Animationsfilmworkshop von Rebecca Kelber
Reportage Animationsfilmworkshop
 

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