Legida

Stirn an Stirn

4.000 Anhänger zählt der Leipziger Pegida-Ableger bereits bei Facebook – doch für die Demonstration am 12. Januar haben sich bereits ähnlich viele Gegendemonstranten angesagt. Wird es zum großen Knall kommen?
Eine Moschee in Leipzig – für Anhänger der Legida ein rotes Tuch?

Pegida ist in Dresden bereits präsent – und am 15. Januar soll nun auch Legida in Leipzig mit der ersten Anti-Asyl-Demonstration auf den Plan treten. All diese Organisationen sind Ableger der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", kurz Pegida. Diese veranstalten schon seit mehreren Wochen jeden Montag "Spaziergänge" genannte Demonstrationen in Dresden, erst gestern kamen dort wieder um die 15.000 Menschen zusammen. Zwar gab es zwei Gegendemonstrationen, doch diese waren bei Weitem nicht so stark unterstützt wie die Hauptströmung derer, die Lutz Bachmann, dem Sprecher der Pegida, lauschten.

Konfrontation in Leipzig?

Der Leipziger Ableger Legida ist nun seit Ende November mit einer Facebook-Seite im Internet vertreten. Während dieser Zeit klickten dort bereits über 4.100 Nutzer auf "Gefällt mir". Ähnlich hohen Zuspruch erhielt aber auch das Gegenstück, nämlich die Seite mit der klaren Überschrift "No Pegida", die erst gestern erschien: hier wurde bereits 4.500 Mal auf "Gefällt mir" geklickt. Was sich jetzt allerdings erst einmal nur in Form von Like-Statistiken im Internet gegenübersteht, könnte am 12. Januar in Leipzig zu einer Zweifrontendemonstration werden. Oberbürgermeister Burkhard Jung kündigte an, Leipzig werde eine breite Gegenbewegung auf die Beine stellen:

Wir sind seit tausend Jahren eine offene, gastfreundliche Stadt und Leipzig ist auf einem sehr guten Weg. Aber Vorurteile und falsche Informationen schaffen leicht ein Klima der Ablehnung. Sie müssen wissen: Fast alle Menschen, die zu uns kommen, sind Menschen wie Du und Ich, und auf der Suche nach einem glücklichen, sicheren Leben für sich und ihre Kinder und ich bitte Sie deswegen eindringlich: Lassen Sie uns gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, miteinander, statt übereinander zu reden.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Die Legida selbst gibt auf ihrer Facebook-Seite bekannt, aus Vertretern der unterschiedlichsten Berufsgruppen zu bestehen, die zum freien Denken erzogen seien. Jeder Mensch, gleich welcher Nationalität oder Religion sei ihnen willkommen, die deutsche Justiz solle allerdings gegen "Gotteskrieger und Hassprediger" ihre rechtlichen Mittel ausschöpfen.

Wer in Leipzig mit welchen Intentionen offen auftritt, wird der 12. Januar zeigen. Die Demonstration wurde von der Stadt genehmigt, wo genau sie starten wird, ist noch nicht bekannt.

Moderatorin Lisa Hofmann im Gespräch mit mephisto 97.6-Redakteurin Ulrike Biella.
Aktuelles Pegida

Ergänzung aus unserem Nachrichtenmagazin Direkt:

Auch wenn es bis zur Demonstration am 12. Januar noch etwas dauert, bleibt die Leipziger Gegenbewegung nicht untätig. So planen bereits die Thomaskirche und die Nikolaikirche, wie man sich gemeinsam für ein weltoffenes Leipzig positionieren kann. Laut Bernhard Stief, Pfarrer der Nikolaikirche, wird am 12. Januar ein Friedensgebet stattfinden, gefolgt von einer Demonstration und einer Kundgebung.

Hin zum Dialog

Er betont, dass es dabei vor allem auf den Dialog hinauslaufen müsse:

Das kann dabei nicht bleiben, wir werden überlegen müssen wie wir da auch in Zukunft das Gespräch suchen. Wenn wir uns mal zurückerinnern an das Ende der DDR erinnern, da war es genau dieser Punkt, dass der Dialog gesucht wurde, das Gespräch. Ich denke an Gewandhausgespräche, auch an andere öffentliche Orte, wo Menschen mal ihre Sorgen und auch ihren Frust loslassen konnten, wo vielleicht gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, wo man erst mal aufeinander hört. Das ist, glaube ich, die Voraussetzung und dieses Podium muss geschaffen werden.

Bernhard Stief, Pfarrer der Nikolaikirche

Der Journalist und Rechtsextremismusexperte Michael Kraske sieht in Leipzig durchaus das Potenzial zur Mobilisierung im fremdenfeindlichen Sinne. Als Beispiel nennt er den Protest gegen den Bau einer Moschee in Gohlis.

Ich glaube schon, dass auch hier diese Resonanz stark sein wird, wenn auch nicht in dem Maße wie in Dresden, denn Dresden ist eine Art Selbstläufer geworden, wo sich die Leute die da teilnehmen auch sehr bewusst sind, dass das Ganze eine Art Modellfunktion hat.

Michael Kraske, Rechtsextremismusexperte

Vorbild Dresden

Die Demonstration in Leipzig werde sich auf eine gute Organisation stützen können, die sich die Aktionen der Pegida in Dresden zum Vorbild nimmt. Man könne also damit rechnen, dass Hunderte, vielleicht sogar Tausende dem Aufruf folgen werden. Die Organisatoren seien Menschen, die sich vor Fremden fürchten. Allerdings habe Leipzig auch eine lange Tradition der Gegenwehr vorzuweisen und wolle sich tolerant und bunt zeigen. Nun ist für Kraske allerdings auch die Politik gefragt:

Man muss aber auch als Politik klarmachen, welche Art von Gesellschaft man denn befördern will, ob man eine will, in der Flüchtlinge und Ausländer und Zuwanderer auch einen wichtigen Platz haben können und sollen […] und wenn das unterbleibt, dann werden Bewegungen, ob die nun Pegida oder anderswie heißen, sicherlich weiter an Zulauf gewinnen.

Die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, blickt wiederum aus einer anderen Perspektive auf das Geschehen. Es würde bei den Aktionen der Pegida und ihren Ablegern um weit mehr gehen, als der Titel vermuten lässt:

Es geht ja vielen Demonstranten in der Tat darum, dass sie Mängel in der Umsetzung des geltenden Asylrechts bemängeln, es geht auch darum, dass sie insgesamt sich von der Politik verlassen fühlen. Ginge es nur um das, was im Titel steht, wären weit weniger Menschen auf der Straße [...].

Frauke Petry, AfD-Vorsitzende

Sorgen ernst nehmen

Sicher gehen Anhänger und Befürworter der Pegida nicht alle aus ein und demselben Grund auf die Straße, sicher ist es der falsche Weg, die gesamte Bewegung als kriminell einzustufen. Aber den Sorgen der Demonstranten muss ernsthaft begegnet und ihren Ängsten durch Aufklärung durch die Politik entgegengewirkt werden.

mephisto 97.6-Redakteur Nicolai von Schwarze mit einem Beitrag zu Legida.
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Kommentare

Was soll denn bitte diese Gleichsetzerei von euch? Da drängt sich ja der Eindruck auf, dass ihr denkt, wenn man über etwas berichtet wo es zwei Seiten gibt, und dann beide als genau gegenüberliegend darstellt, dann haltet ihr das für objektiven Journalismus. Ihr merkt wohl gar nicht, dass ihr schon allein mit eurer Überschrift unterstellt, dass hier ein Straßenkampf zwischen zwei verfeindeten Gruppen stattfinden könnte. Das ist mal totaler Humbug. Ich frage mich schon, was euch daran hindert klar Stellung zu beziehen: Da hier auf der einen Seite Menschenfeinde stehen und auf der anderen eine breite Zivilgesellschaft, (ihr habt ja selbst Burkhard Jung interviewet) die sich für Toleranz und Menschenrecht einsetzt. Wer da eine Gleichsetzung betreibt legitimiert Menschenfeinde!

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