Flüchtlingsrat insolvent

Stadt streicht Fördergelder

Die Mitglieder des Leipziger Flüchtlingsrates engagieren sich seit 1991 für die Integration von Flüchtlingen. Dieses Engagement wird in Zukunft nicht länger von ihnen aus laufen. Der Verein ist pleite.
Sprachkurs
Angebote zur Integration von Flüchtlingen, wie Sprachkurse werden bald von den Johannitern unterstützt.

Der Leipziger Flüchtlingsrat ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich sowohl privat als auch beruflich gemeinnützig für Flüchtlinge einsetzen. Die Mitglieder vertreten die Interessen der Flüchtlinge in der Öffentlichkeit und gegenüber Behörden und Institutionen. Im Allgemeinen soll mehr Verständnis für Geflüchtete und ihre Probleme entstehen. Der Verein bietet ihnen Sprachmittler zur Begleitung bei Arztbesuchen, Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen und Schreiben amtlicher Briefe an. Aber auch Deutschunterricht und allgemeiner Förderunterricht in allen Fächern von der ersten bis zur zwölften Schulklasse werden angeboten.

Fehlende Nachweise für Verwendung der Gelder

Die Mitglieder des Flüchtlingsrates verrichten ihre Arbeit zwar ehrenamtlich, für den Verein fallen aber dennoch Kosten an. Da die Arbeit kaum eigene Einnahmen einbringt, kann der Verein diese Kosten nicht aus eigener Kraft zahlen und ist auf Fördergelder der Stadt angewiesen. Die Stadt stellt die Verrichtung dieser Gelder nun zunächst einmal ein. Grund seien laut Matthias Haßberg von der Stadtverwaltung einige fehlende Nachweise der Fördergelder aus den Jahren 2014 bis 2016. Der Verein habe nicht ausreichend dargelegt, wofür er seine Gelder verwendete. Ob noch weitere Faktoren zu dem Insolvenzantrag des Vereins geführt haben, ist unklar. Der Flüchtlingsrat selbst äußerte sich dazu nicht.

Kurzfristiger Trägerwechsel

Die Stadt selbst möchte die Arbeit mit den Flüchtlingen schnellstmöglich wieder aufnehmen. Für eine Zusammenarbeit bei Patenschaftsprogrammen und dem Thema dezentraler Betreuung hat sich auch schon ein Partner gefunden. Bisherige Gespräche verliefen positiv:

Da sind wir auf die Johanniter zugegangen, mit denen wir auch in den vergangenen Jahren schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben, und haben vorgeschlagen, ob sie diese beiden Programme im Auftrag der Stadt fortführen wollen.

Matthias Haßberg, Stadtverwaltung

Als Ziel für die Übernahme haben sich die beiden Parteien den 1. August gesetzt. Die Johanniter wollen aber, laut Lars Menzel, Leiter des Bildungsinstituts Mitteldeutschland der Johanniter-Akademie, den Mitarbeiter des Flüchtlingsrates die Möglichkeit geben, ihre Arbeit weiter ausführen zu können und ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

Mehr Informationen liefert Redakteur Thomas Tasler im Studiogespräch mit Moderator Thilo Körting:

Moderator Thilo Körting im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteur Thomas Tasler.
1606 SG Flüchtlingsrat
 

Kommentieren