GameCheck: Draugen

Spurensuche im Paradies

Der "Walking Simulator" ist ein Genre, dem es an Vetretern nicht gerade mangelt. Umso besonderer ist es da, wenn eines dieser Spiele aus der Masse heraussticht. Was "Draugen" so besonders macht, erfahren Sie hier.
Alice in Gaavik
Gemeinsam mit Begleiterin Alice erkundet Edward das verlassene Graavik

Story

Elizabeth
Wo ist Edwards Schwester Elizabeth?

„Draugen“ spielt im Norwegen der 20er Jahre. Der junge Gelehrte Edward Harden ist auf der Suche nach seiner Schwester Elizabeth, die als Journalistin unterwegs ist. Schließlich glaubt er, sie in dem abgelegenen Dorf Graavik gefunden zu haben, das wegen seiner Fjordlage nur per Boot zu erreichen ist. Dort angekommen macht er sich auf den Weg zum Haus der Familie, mit der er vor einigen Wochen den Briefkontakt aufgenommen hat. Die Tür ist offen, doch niemand ist zuhause. Als er nach einer Nacht auf dem Sofa seine Nachforschungen fortsetzt, stellt er fest, dass das Dorf völlig verlassen ist.

Edward ist jedoch nicht allein. Stets bei ihm ist seine Begleiterin Alice, die sich dem Fall der verschwundenen Dorfbevölkerung unbedingt annehmen möchte. Über mehrere Tage erkunden die beiden das Dorf und die Umgebung auf der Suche nach Edwards Schwester. Dabei finden sie nach und nach Hinweise, die die Geschichte von Graavik vertiefen und eine destruktive Familienfehde enthüllen.

Gameplay

Alice
Die geheimnisvolle Alice

Ganz im Stile des „Walking Simulators“, einem Genre in dem der Spieler hauptsächlich die virtuelle Welt erkundet, ist „Draugen“ sehr ruhig. Es geht weniger um das Erreichen eines Zieles als vielmehr um das Erkunden und interaktive Erleben einer Geschichte. Der Spieler übernimmt die Kontrolle des Protagonisten Edward. Durch seine Augen erkundet man den Fjord, wandert umher und fertigt Zeichnungen von schönen Aussichten an. Durch das Lesen von Briefen und Zeitungsartikeln findet man mehr und mehr über das verlassene Dorf heraus. So erfährt er zum Beispiel von einer alten Miene, in der zwei Bergarbeiterbrüder eine umwälzende Entdeckung gemacht haben sollen. Doch all das ist nur semi-interessant für Edward, der ja hauptsächlich seine Schwester finden will.

Der heimliche Star des Spieles ist daher eindeutig Alice. Sie ist es, die stets vorausrennt und alles untersucht, was ihr seltsam erscheint. Mit ihrer aktiven Art treibt sie ihren Begleiter schließlich dazu, mehr über das Dorf herauszufinden. Als Edward kann man jederzeit mit ihr reden oder sie um Rat fragen. Sehr gut gelungen ist hier die Balance zwischen einer hilfreichen Assistentin und einer eigenwilligen Frohnatur. Besonders gut funktioniert sie als Gegenpool zu dem eher spröden, ernsthaften Protagonisten. Gut, Alice ist auch manchmal etwas nervig und taucht zuweilen wie aus dem Nichts neben Edward auf. Hauptsächlich ist sie aber auch die Figur, die ihn stets vorantreibt. Sie neigt zu spontanen Turnübungen, hat immer einen lockeren Spruch auf Lager, nimmt aber auch ernsthaft Anteil an den Dorfbewohnern und ihrem Schicksal.

Atmosphäre

Leiche
Was ist in Graavik passiert?

Die Atmosphäre, in die die Geschichte gehüllt wird, ist gleichzeitig vertraut und neu. Genretypisch ist das erzeugte Gefühl von Einsamkeit und Melancholie, in das sich ein Hauch von Gefahr und Mysterium mischt. „Draugen“ kontert diese erzählerische Schwere aber gekonnt durch die Figur der Alice aus. Wäre man als Edward allein im Fjord, wäre die Einsamkeit spürbarer, die Geschichte aber weniger intensiv. Dazu kommen Veränderungen in der Umwelt, wie Sonnenuntergänge, Szenen während der Nacht und unheimliche Wanderungen durch dichten Nebel.

Grafik & Soundtrack

Grafisch lässt „Draugen“ kein Auge trocken. Eisblauer Himmel, schneebedeckte Berge und grüne, sonnenbeschienene Wiesen. Das virtuelle Fjorddorf mit seinen Holzhäusern und steinigen Wegen ist wie aus einem Traum.

Begleitet wird die schöne Optik von einem ruhigen, geheimnisvollen Soundtrack. So sehr er zum Erkunden der lokalen Mysterien einlädt, so sehr unterstreicht er auch die Schönheit der Landschaft.

Fazit

Edward
Edward zeichnet die traumhafte Landschaft von Graavik

„Draugen“ ist ein meisterhaft umgesetzter Vertreter seines Genres. Es gelingt ihm, seine Geschichte sowohl emotional als auch spannend zu erzählen. Zwar ist das Spiel nach etwa drei Stunden bereits zu Ende und die Story zum Teil etwas vorhersehbar, doch hier ist der Weg das Ziel. Wer schon immer mal in die faszinierende Welt der Walking Simulatoren eintauchen wollte, findet hier einen mehr als würdigen Einstieg. 

Der Beitrag zum Nachhören:

"GameCheck: Draugen" (Johannes Bundemann)

das Gespräch führten Sophie Rauch und Johannes Bundemann

Audioclips: Red Thread Games

GameCheck: Draugen (Johannes Bundemann)
 

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Johannes Bundemann
09.08.2019 - 15:09
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