Filmrezension

Sprechende Wände und goldige Hexen

Erinnert sich noch jemand an die fünf Superhelden in Plastikanzügen und Strumpfhosen, die wild mit den Armen herumfuchteln und gegen Monster im Gummilkostüm kämpfen? Nein? Gut, denn jetzt startet eine Neuverfilmung der „Power Rangers“ in den Kinos.
Die neuen Power Rangers
Die Power Rangers im neuen alten Gewand

In den 1990er Jahren sollte die japanische Superheldenserie Super Sentai in die USA importiert werden. Da sich dort allerdings niemand mit der östlichen Kultur identifizieren konnte, wurden kurzerhand sämtliche Szenen mit neuen Darstellern nachgedreht, während man die Kampfszenen einfach aus dem japanischen Original herausschnitt und effizient wiederverwendete. Herausgekommen ist mit den Power Rangers eine der wohl psychedelischsten und trashigsten Kinderserien, die es jemals im Fernsehen zu sehen gab. Nachdem der Stoff bereits in zwei Spielfilmen dann auch für das Kino adaptiert wurde, erscheint nun der dritte offizielle Power Rangers-Film, der die Geschichte einer neuen Generation schmackhaft machen will.

Alles beim Alten

Eines Tages treffen fünf Außenseiter nach der Schule zufällig aufeinander, als einer von ihnen in einer Ausgrabungsstätte ein paar bunte Steinchen findet. Weil es der Zufall so will, handelt es sich dabei natürlich um magische Steine. Als sie am nächsten Tag nach einem Autounfall erwachen, bemerken die Jugendlichen plötzlich, dass sie Superkräfte besitzen. Von dem ehemaligen roten Ranger (Bryan Cranston), dessen Geist seit der Urzeit immer noch durch eine dunkle Höhle spukt, erfahren sie schließlich, dass sie die neuen Power Rangers sind. Und die werden dringend gebraucht! Zur gleichen Zeit wird nämlich die Leiche von Rita Repulsa (Elizabeth Banks) geborgen, die nun mit einem Monster aus Gold die Erde vernichten will. Warum? Weil sie böse ist!

Dem Großteil moderner Superheldenfilme entsprechend kommt auch Power Rangers relativ düster daher. Davon ist jedoch nur selten etwas zu spüren, denn die Neuverfilmung ist genau so infantil und überdreht wie einst das Original. Dass man von dem Drehbuch nicht viel erwarten sollte, war im Vorfeld klar. Wie schlecht Power Rangers tatsächlich geworden ist, bleibt jedoch erschreckend. Wer den Cast des Films hört, sollte sich die Frage stellen, welche Summe an Geld man Bryan Cranston und Elizabeth Banks gezahlt hat, damit sie in diesem Film mitspielen. Bryan Cranston war wenigstens so klug, sein Gesicht nicht zu zeigen – er möchte stattdessen als sprechende Wand überzeugen. Anders als Elizabeth Banks als Goldfressende, hysterisch lachende Hexe in einer der peinlichsten Rollen der vergangenen Jahre.

Elizabeth Banks in Power Rangers
Elizabeth Banks zum Schreien

Auf der Suche nach einem Publikum

Natürlich muss man sagen, dass Elizabeth Banks im Grunde genommen unschuldig ist, denn was soll sie schon machen, wenn das Drehbuch eine einzige Katastrophe ist? Von den peinlichen Versuchen, coolen Humor einzubauen oder den jugendlichen Hauptfiguren Tiefgang zu verleihen, über das dämliche Finale ist Power Rangers eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Man muss jedoch auch sagen, dass sich der Film ganz offensichtlich an Kinder zwischen acht und zehn Jahren richtet, wobei sich selbst das schwierig gestaltet, da die ersten Auftritte von Hexe Rita Repulsa so schaurig ausgefallen sind, dass der Film erst ab 12 Jahren freigegeben ist. Allen Eltern sei an dieser Stelle Beileid ausgesprochen, die ihre Kinder ins Kino begleiten müssen. Während besonders die Marvel-Superheldenfilme rund um die Avengers in fast jeder Altersklasse funktionieren, wird jeder Erwachsene bei Power Rangers nur mit dem Kopf schütteln. Wenn man 90 Minuten der „Handlung“ endlich überstanden hat, entfesselt Regisseur Dean Israelite schließlich ein großes Actionfeuerwerk. Doch selbst wer gute Action erwartet, wird enttäuscht werden. Die Effekte können mit heutigen Standards kaum mithalten und wenn die Rangers schließlich mit ihren Kampfrobotern und jeder Menge peinlicher Dialogzeilen im Gepäck in den Kampf ziehen, versinkt Power Rangers endgültig in absoluter Belanglosigkeit.

Fazit

Die Neuverfilmung der Power Rangers ist besser als das Original, was noch lange nicht heißt, dass sie gut ist. Es kommt nur selten vor, aber es handelt sich tatsächlich um ein Machwerk, an dem so ziemlich alles schlecht ist. Müsste man eine Top 10 mit den schlechtesten Filmen der letzten Jahre erstellen, hätte Power Rangers einen Platz sicher...

 

 

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Janick Nolting
28.03.2017 - 16:42
  Kultur

Titel: Power Rangers

FSK 12

Laufzeit: 124 Minuten

Regie: Dean Israelite

Cast: Elizabeth Banks, Bryan Cranston, RJ Cyler, Naomi Scott, Dacre Montgomery, Ludi Lin, Becky G