Leipziger Studenten helfen Migrantinnen

Sprachbarrieren überwinden

Sie fliehen vor Gewalt und können oft noch nicht einmal die fremde Sprache. Die Migrantinnen im Frauenhaus des Vereins „Frauen für Frauen“ bekommen in Zukunft angehende Dolmetscher der Universität Leipzig an die Hand.
Prof. Dr. Frank Liedtke, Marlies Sonntag und Prof. Dr. Carsten Sinner
Prof. Dr. Frank Liedtke, Marlies Sonntag und Prof. Dr. Carsten Sinner

Marlies Sonntag vom Vorstand des Vereins Frauen für Frauen, Prof. Dr. Frank Liedtke, Dekan der Philologischen Fakultät und Prof. Dr. Carsten Sinner vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) haben heute eine Vereinbarung unterzeichnet, die Studierenden Dolmetscher-Praktika ermöglicht. 

Das Praktikumsangebot richtet sich an Studierende im Bachelor Translation, Master Konferenzdolmetschen und Master Translatologie. Sie sollen in der Zusammenarbeit mit dem Verein „Frauen für Frauen“ Praxiserfahrung sammeln und in echten Situationen lernen. So werden sie auf die besonderen Anforderungen als Dolmetscher vorbereitet. Das Projekt freut sich über jeden Interessenten, der sich ein solches Praktikum vorstellen kann. Es besteht zudem die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts beispielsweise eine Abschlussarbeit zu schreiben.

Das ist sicherlich nicht leicht, aber es ist auch nicht leicht, in anderen Situationen zu dolmetschen.

Prof. Dr. Carsten Sinner, Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie

Im Frauenhaus freut man sich auf die sprachliche Unterstützung. Die Dolmetscher werden vor allem im Alltag gebraucht. Also gerade dann, wenn erfahrende Dolmetscher gar nicht angefragt würden.

Bisher arbeitete der Verein mit städtischen Diensten zusammen, deren Hilfe wird jetzt aber für die täglich ankommenden Flüchtlinge benötigt. Für externe Mitarbeiter fehlt das Geld.

Hier zeigt sich der Zugewinn durch die Studierenden der Universität. Sie werden auf interkulturelle Konfliktsituationen vorbereitet. Gefragt sind da vor allem Russisch und Arabisch. Und Reaktionsbereitschaft: Die Zahl der Frauen mit Migrationshintergund ändert sich im Frauenhaus mitunter über Nacht.

Mit der Vereinbarung haben die Universität Leipzig und der Verein „Frauen für Frauen“ heute eine Vorreiterrolle übernommen. Und auch erste Studierende haben sich schon gemeldet.

Ich bin so dankbar und glücklich, weil ich denke, wir können wirklich gegenseitig voneinander profitieren.

Marlies Sonntag, Vorstand des Vereins Frauen für Frauen e.V.

Profitieren werden davon nicht nur die Beteiligten, sondern vor allem auch die Frauen, die die Hilfe dringend brauchen.

Den Beitrag von Raphaela Fietta gibt es hier zum Nachhören:

Reporterin Raphaella Fietta berichtet zu den Dolmetschern der Universität Leipzig
1002 BmE Dolmetscher Migranten
 

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Frauen für Frauen:

Der Verein richtet sich an Frauen und Mädchen, die vor Gewalt Schutz suchen. Hierfür betreibt der Verein einen Notruf, eine Beratungsstelle und ein Frauenhaus.

Der Notruf ist 24-Stunden erreichbar unter der Nummer 0341 - 4798179.

Bewerbungen für die Praktika können an das Institut für Angewandte Linguistik und Translotologie gerichtet werden.