Das lange Interview

Sportliche Wettkämpfe an PC und Konsole

Sport machen ohne Ball oder Laufschuhe - das geht nicht nur mit Billard und Darts. Auch eSport erfreut sich immer größerer Beliebtheit. M19 hat das Thema mit Kevin Woost und Uta Allenstein vom Leipzig eSports e.V. einmal genauer besprochen.
Kevin Woost, Merten Waage, Uta Allenstein
Kevin Woost und Uta Allenstein vom Leipzig eSports e.V. mit mephisto 97.6-Moderator Merten Waage (Mitte)

Elektronischer Sport

Früher haben junge Menschen Sticker gesammelt oder stolz ein Trikot ihres Lieblings-Fußballvereins getragen - heute wird man kaum einen Teenager finden, dem der Begriff "Let's Play" nichts sagt. Aber nicht nur das kommentierte Spielen auf YouTube ist beliebt. Auch eSport als solcher ist auf dem Vormarsch. Der Begriff bezeichnet sportliche Wettkämpfe mit verschiedensten Computer- und Konsolenspielen, sowohl allein als auch im Team. Dabei stellen sich Spieler in privaten Wettkämpfen, immer häufiger aber auch auf Veranstaltungen oder in Online-Turnieren. Vorreiter der internationalen Szene war und ist dabei Südkorea.

2022 soll eSport bei den Spielen in Hangzhou, China, als olympischer Medaillensport eingeführt werden. Und auch an Universitäten wird der virtuelle Wettkampf immer mehr zum Thema, wie z.B. die Vergabe von Stipendien in den USA zeigt.

Offizielle Anerkennung

Der eSport gilt allerdings noch nicht für jeden als "richtiger Sport". Sowohl in den USA als auch in Deutschland ist es beispielsweise kein offizieller Sport. Kritiker bemängeln häufig einen fehlenden Bewegungsaspekt. Dem halten Befürworter entgegen, dass bei den virtuellen Wettkämpfen sowohl Konzentrationsfähigkeit und Strategie als auch eine gute Motorik benötigt würden, wie bei anderen Sportarten auch.

Was Sport ist, würde unter anderem durch Sportwissenschaftler definiert, sagt Michael Schirp, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Es sei aber auch eine Frage des gesellschaftlichen Prozesses.

Wenn sich in einer Gesellschaft ausreichend Menschen finden, die sagen: "A, B oder C ist Sport", dann wächst das in diese Rolle hinein.

Michael Schirp, Pressesprecher DOSB

Der DOSB selbst lege nicht fest, was Sport ist, so Schirp. Er setze sich als Dachverband gemeinnütziger Sportverbände gegenüber Politik und Gesellschaft für das Thema Sport ein.

Vereinssport in Leipzig

Bei gesellschaftlicher Wahrnehmung und Akzeptanz setzt auch der Leipzig eSports e.V. an. Ein weiteres Ziel sei es, einen breitensportlichen Unterbau für eSports zu schaffen. Denn momentan gäbe es vor allem Leistungssport im eSport, sagt Uta Allenstein. Sie ist Gründungsmitglied und ehemalige Vorstandsvorsitzende des Leipziger Vereins. Im April war sie in Berlin bei einer Diskussion zu eSports in Deutschland zu Gast, die von der Bundestagsfraktion der SPD ausgerichtet wurde.

Als Karriere und Leistungssport

Wann ist jemand eSportler? Diese Frage beantwortet Kevin Woost, gewählter Jugendschutzbeauftrager und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Leipzig eSports e.V., so:

Es geht eigentlich viel mehr darum, ob die Spieler danach streben, besser zu werden und auch mit diesem Ziel spielen. Einfach nur vor sich hin spielen ist nicht zwangsläufig Sport, sondern vielleicht eher Unterhaltung oder Zerstreuung. Wenn man allerdings wirklich mit dem Willen spielt, sich selbst zu verbessern und besser als die anderen zu werden, dann kann man das ganz klar als Sport sehen.

Kevin Woost, Leipzig eSports

Dabei sei es nicht so wichtig, ob man allein oder in der Gruppe spiele. In diesem Zusammenhang verweist Woost auf Vergleiche wie ein Tennis-Einzel oder eine Fußballmannschaft - es komme auf die Disziplin an.

Hauptberuflich im eSport tätig zu sein könne funktionieren, finden sowohl Allenstein als auch Woost. Und das nicht nur als Spieler, sondern auch als Organisator von Veranstaltungen wie der Dreamhack.

Trotz verschiedener Turnierstrukturen gäbe es allerdings noch wenig lokalen Aufbau wie Stadt- oder Kreisligen, erzählen unsere Gäste - Uni-Ligen einmal ausgenommen. Wichtig zu wissen sei dabei auch, dass Profi-Teams oft nicht nach Ländern geordnet oder strukturiert sind, wie Uta Allenstein anmerkt.

Es gab bei dem letzten großen [...] Turnier in DotA glaube ich drei deutsche Spieler. Die waren aber nicht im selben Team, sondern alle in drei verschiedenen Teams. Also es sind Deutsche vertreten in den höheren Klassen, aber nicht notwendigerweise im selben Team, weil ja auch eine der schönen Sachen am eSport ist, dass man sie länderübergreifend und Grenzen übergreifend betreiben kann.

Uta Allenstein, Leipzig eSports

Was unsere Gäste über Jugendschutz beim Spielen und die Akzeptanz von eSports in der Politik sagen, wie sich unser Moderator im Spiel gegen Uta Allenstein und Kevin Woost geschlagen hat und mehr hören Sie hier im Interview in voller Länge:

Dr. Uta Allenstein und Kevin Woost vom Leipzig eSports e.V. im Gespräch mit mephisto 97.6-Moderator Merten Waage

Redaktion:
Pia Ebeling, Angela Fischer, Peggy Fischer, Kaja Weber

 

Erklärstück gesprochen von:
Angela Fischer, Peggy Fischer, Maximilian Enderling

Dr. Uta Allenstein und Kevin Woost vom Leipzig eSports e.V. im Gespräch mit mephisto 97.6-Moderator Merten Waage
 

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Kaja Weber
21.06.2017 - 16:42
  Sport

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Einen Veranstaltungskalender aktueller eSport-Veranstaltungen finden Sie hier.

Die Diskussion "eSport in Deutschland: Potenziale und Perspektiven" der SPD-Bundestagsfraktion mit Uta Allenstein können Sie hier anschauen.