Sport

Die Kunst des Scheiterns

Sportlerinnen und Sportler wollen nur eins: Gewinnen. Doch nicht nur Siege, auch Niederlagen bestimmen ihren Alltag. Doch wie gehen sie damit um und was motiviert sie, dennoch weiter zu machen? Das haben uns drei Sportler verraten.
Roman Knoblauch im Studio bei Radio Leipzig.
Sportler und Moderator Roman Knoblauch in seinem Studio bei Radio Leipzig.

Wolfgang Wolf ist schon lange im Fußballgeschäft. Nachdem er rund 20 Jahre selbst als Profi-Spieler tätig war, wechselte er auf die Trainerbank. Er arbeitete unter anderem beim VfL Wolfsburg, bei Hansa Rostock und beim 1. FC Nürnberg. Seit Anfang Juli begleitet der gebürtige Rheinland-Pfälzer das Amt des Sportdirektors bei Lok Leipzig.

Sportdirektor bei Lok Leipzig, Wolfgang Wolf.

Laut Wolf sei es ganz klar Traineraufgabe, die Spieler nach einer Niederlage wiederaufzubauen. Bei unterschiedlichen Charakteren in der Mannschaft könne das zu Komplikationen führen.

"Es gibt natürlich Spieler, die Du nicht erreichen konntest, die blockiert, zugemacht und auch nicht verstanden haben, was Du als Trainer wolltest oder haben es nicht umgesetzt. Dann musst Du Dir viel, viel Mühe geben mit den Spielern.", so Wolf.

Psychologen im Fußball?

Das sei in Einzelgesprächen und in teambildenden Maßnahmen möglich. Zusätzliche Unterstützung “von außen” zu beanspruchen findet Wolf jedoch problematisch. Der Trainer selbst müsse an die Spieler herankommen, andernfalls habe er ein großes Problem.

Doch was passiert, wenn die Mannschaft mehrere Spiele in Folge verliert - Kann das auf die Stimmung der Fans schlagen?

Ich habe auch schon knapp 1000, 2000 Fans vor dem Bus gesehen, die den nicht weiterfahren haben lassen. Da musst Du als Mannschaft aussteigen und mit den Fans diskutieren ein, zwei Stunden. Da musst Du auch Flagge zeigen.

Wolfgang Wolf, Sportdirektor Lok Leipzig

Entscheidend sei, dass das Mannschaftgefüge passe und dass der Trainer schützend hinter seinem Team stehe.

Olympischer Traum

Der SC DHfK-Handballer Niclas Pieczkowski kämpft momentan mit einer anderen Art von Niederlage. Er kuriert eine Operation an der Wurfschulter aus und wird die erste Saisonhälfte verpassen. Der Weg zurück ins Team und auf seinen Stammplatz wird für den Rückraumspieler kein leichtes Unterfangen.

Niclas Pieczkowski gibt sich nach seiner Schulter-OP optimistisch.

Ein großer Traum treibt ihn an und motiviert ihn: "Mein großes Ziel ist es noch einmal Olympia mitzuerleben. Das ist jetzt nächstes Jahr, 2020. Da weiß ich, dass ich gerade total weit davon entfernt bin, durch die Verletzung." Pieczkowski schnupperte bereits Länderspielluft. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2016 Europameister und strebt nun nach Höherem. "Das ist mein Anreiz, das will ich auf jeden Fall schaffen und ich denke, dass ist auf jeden Fall auch realistisch.", sagte der für die Nationalmannschaft nominierte Spieler.

Stolpern, hinfallen und Krönchen richten

Hohe sportliche Ziele verfolgte auch der Leipziger Radiomoderator Roman Knoblauch. Nach seiner Karriere als Ski-Langläufer, war es sein großer Wunsch Trainer zu werden. Dieser platzte mit der Wiedervereinigung. Zum einem sei das ganze Bild von Sport, das Knoblauch gelernt hatte, plötzlich nicht mehr da gewesen. Zum anderen gab es einen Überfluss an Trainern.

Und das war eigentlich so die größte sportliche Niederlage, weil die ganze Lebensgrundlage plötzlich weg war. Ich wollte Trainer werden. Kein Mensch brauchte Trainer aus Leipzig und mich schon gar nicht.

Roman Knoblauch, Radiomoderator

Diese gefühlte Niederlage verkraftete er anfangs nur schwer und er fiel in ein tiefes Loch. Für viele Jahre lehnte Knoblauch ab Sport zu treiben, fing an zu rauchen und nahm innerhalb von sechs Monaten 30 - 40 kg zu. Ein Weckruf des Notarztes brachte ihn zurück ins Sportlerleben.

Und dann habe ich angefangen mit Sporttreiben, wie ein Verrückter.

Roman Knoblauch, Radiomoderator

Siege sind für Sportlerinnen und Sportler wichtig, aber prägender erscheinen Niederlagen. Aus diesen lernen Sportlerinnen und Sportler viel über sich selbst. Sie schöpfen neue Kraft und Motivation, um Niederlagen in Erfolge umzuwandeln.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Alina Haynert und Stephanie Riedel.
2708_Akademie_Niederlagen_im_Sport
 

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Stephanie Riedel, Alina Haynert
27.08.2019 - 15:26
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