Theaterrezension

"Spieglein, Spieglein an der Wand..."

Schönheitswahn, Gemeinheiten, Eitelkeit – was auch Themen aus "Germanys next Topmodel" sein könnten, ist doch schon viel älter und kann sehr drastische Formen annehmen. Das zeigt die Oper Leipzig eindrücklich in der neuen Kinderoper "Schneewittchen".
Szene aus der Oper "Schneewittchen"
Schneewittchen und die sieben Zwerge

Wie würde das Märchen Schneewittchen aussehen, wenn der Spiegel der bösen Königin die Geschichte erzählt? Vielleicht so, wie es die Oper Leipzig auf die Bühne bringt. Denn in der Kinderoper von Marius Felix Lange wird eben diese neue Erzählerperspektive geschaffen.

Die Oper beginnt damit, dass die böse Königin Clothilde eine alte und hässliche Frau geworden ist. Sie zieht von Dorf zu Dorf, um mit dem kaputten Zauberspiegel ein bisschen Geld zu verdienen. Sie behauptet immer noch, die Schönste von allen zu sein und wird dafür ausgelacht. Der Zauberspiegel, der ein bisschen aussieht wie Tolkiens Gandalf, wendet sich dann an das Publikum und fragt, ob es wissen will, wieso er und die Königin nun so durch die Gegend ziehen müssen. Dann erzählt er die Geschichte von Schneewittchen.

Bunt, Groß und Üppig

Besonders die Kostüme der Oper sind sehr farbenprächtig. Ähnlich aufwendig und beeindruckend, mit viel Liebe zum Detail, ist das ganze Bühnenbild gestaltet. So erinnert zum Beispiel der Thron der bösen Königin an Insektenaugen. Wenn der Spiegel befragt wird, leuchten am Mantel des Spiegels und am großen Spiegel, der schräg über der Bühne hängt, Lampen auf. Auch das Gesicht des Spiegels wird dort gezeigt, wenn die Königin ihn befragt.

Im Spiegel über der Bühne wird auch ein auf dem Boden liegender Teppich reflektiert. Der liegt auf einer Drehbühne und zeigt die verschiedenen Handlungsorte. Insgesamt arbeitet die Inszenierung mit vielen Lichtern und es wird teilweise fast im Publikum gespielt. Ein Laufsteg ist vor dem Orchestergraben aufgebaut und die sieben Zwerge kommen oft durch die Saaltüren.

Mit Augenzwinkern

Neben Bühnenbild und Kostümen sind auch die Charaktere schön gesungen und gespielt. So hat jeder und jede von ihnen große oder kleine Macken. Besonders die Zwerge mit ihren verschiedenen Aufgaben und Eigenheiten rufen oft ein Lächeln hervor.

Außerdem gibt es einige Scherzmomente, die die Oper nicht nur für Kinder witzig macht. Auch die Erwachsenen im Publikum lachen, wenn die eitle Königin glaubt, Schneewittchens Herz gegessen zu haben, den Spiegel befragt und dieser ihr dann genüsslich erzählt, was sie da eigentlich gegessen hat. Ein zwei Kilogramm schweres Lebkuchenherz.

Fazit

Für Kinder ist die Oper "Schneewittchen gut inszeniert, auch dadurch, dass sie mit den Fragen oder Bitten der Sängerinnen und Sänger direkt in die Oper eingebunden werden. Die Liebe zum Detail macht auch das Bühnenbild und die Kostüme zu sehenswerten Teilen der Oper.

Durch verschiede Schmunzelmomente und den erzählenden Spiegel, der die Königin auch nicht mag und alles daran setzt ihre Taten zu verhindern, ist diese Inszenierung definitiv nicht nur etwas für Kinder.

 

Die Theaterkritik zum Nachhören:

Moderatorin Finný Anton im Gespräch mit Redakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Finný Anton

Rezension von "Schneewittchen"
 

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Schneewittchen

Premiere: 09. März 2019

Spielort: Oper Leipzig

Inszenierung: Patrick Rohbeck

Musikalische Leitung: Giedrė Slekytė

Bühne, Kostüme: Alexander J. Mudlagk

Licht: Gabor Zsitva

Dramaturgie: Nele Winter

Darstellende: Magdalena Hinterdobler, Sandra Janke, Sandra Maxheimer, Bianca Tognocchi, Gloria Rehm, Stephan Klemm, Sven Hjörleifsson, Franz Xaver Schlecht, Martin Petzold, Martin Hässler, Alvaro Zambrano, Luke Stoker

Nächste Aufführungstermine:

  • 15. März 2019 (11:00 Uhr und 19:00 Uhr)
  • 22. Februar 2019
  • 08. Mai 2019
  • 09. Mai 2019
  • 02. Juni 2019

(alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)