Sonne

Sonnenstudio mal anders

Die Sonnenstrahlen locken die Menschen an den See. Einige gehen lieber ins Sonnenstudio: Braun werden ohne lästige Streifen. Doch steckt in einem Sonnenstudiobesuch vielleicht mehr als nur der Wunsch nach perfekter Bräune?
Blick in das Leipziger Sonnenstudio "SunSip"

In Leipzig gibt es über 10 Sonnenstudios. Das Angebot ist groß.

Im Sonnenstudio „SunSip“ im Zentrum der Stadt herrscht eine angenehme Atmosphäre: Leuchtende Wände und glitzernde Totenköpfe erinnern an einen Clubbesuch. Passend dazu läuft Musik mit einem immer wiederkehrenden Beat. Es gibt sechs Kabinen, in welchen sich jeweils eine Sonnenbank versteckt.

Klischee hat ausgedient

Der Mitarbeiter Hemmerling erzählt, dass schon lange nicht mehr nur Klischee-Sonnenstudiogänger hierher kommen:

Heute hat sich das wirklich querbeet verschoben. Also wir haben von jung bis ganz alt, unsere älteste Kundin ist 82 Jahre. Alle Sozialschichten, alle Hauttypen.

Herr Hemmerling, Mitarbeiter im Sonnenstudio "SunSip"

Nur noch rund die Hälfte der Kunden käme ausschließlich, um braun zu werden. Es gehe auch ums Wohlfühlen und Abschalten.

Für die Gesundheit

Eine Leipziger Passantin berichtet, dass sie aufgrund von Hautproblemen das Sonnenstudio aufsucht. Tatsächlich berichtet Stiftung Warentest, dass Sonnenbänke in Maßen bei Krankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte helfen können. Auch sollen die UVB-Strahlen gut für die Vitamin D-Produktion sein. Vitamin D unterstützt die Stärkung der Knochen. Hemmerling erzählt, dass auch Kunden mit Osteoporose ins Sonnenstudio kommen. Der Bundesfachverband Besonnung hingegen berichtet, dass nur wenige Kunden aus gesundheitlichen Gründen ins Studio gehen. Dies seien weniger als 10 Prozent. Auch der Leipziger Apotheker Henry Dilßner rät zu Vorsicht.

Es ist schon eigentlich sinnvoll, dass man da ins Sonnenstudio geht, vor allem zu den Wintermonaten, wo wenig Sonneneinstrahlung bei uns ist. Dass man da einfach auch übers Sonnenstudio den Vitamin D-Gehalt in seinem Blut erhöht. Während der Sommermonate sollte man es vielleicht nicht unbedingt machen, weil man da schon genügend Sonneneinstrahlung hat.

Henry Dilßner, Apotheker

UV-Strahlen

Genau wie vor Sonnenlicht, sollte man sich auch vor dem künstlichen Licht schützen. Es gibt zwei Arten von UV-Strahlen: Die UVA- und die UVB-Strahlen. Letztere sind energiereicher und gefährlicher als die UVA-Strahlen und bergen daher eine höhere Hautkrebsgefahr. Deshalb werden im Sonnenstudio vor allem die für die Haut verträglicheren UVA-Strahlen eingesetzt. In zu hoher Dosis können jedoch auch sie die Haut verbrennen.

Die UV-Schutzverordnung

Hemmerling erklärt das neue Gesetz von 2012 in seinen eigenen Worten:

Man hat ja vor einigen Jahren das entsprechend auch geändert in den Sonnenstudios. Das heißt, die Röhren heute sind nur noch halb so stark wie vor einigen Jahren. Was auch, wie gesagt, für viele Kunden wichtig ist, da die Verbrennungsgefahr nicht mehr so gegeben ist.

Herr Hemmerling, Mitarbeiter des Sonnenstudios "SunSip"

Das Gesetz legt fest, dass eine maximale Bestrahlungsstärke von 0,3 Watt pro Quadratmeter Haut nicht mehr überschritten werden darf. Das Gesetz soll die Gefahr von Verbrennungen und Hautkrebs senken. Der Wert von 0,3 Watt entspricht jedoch der höchsten messbaren UV-Dosis auf der Erde. Diese wird bei voller Sonne bei wolkenlosem Himmel am Äquator erreicht.

Angst vor Hautkrebs

Die Angst vor Hautkrebs ist daher immer noch präsent. Eine Leipziger Passantin sieht Sonnenstudios skeptisch und war noch nie dort:

Weil ich mich tatsächlich mal mit dem Thema schwarzer Hautkrebs beschäftigt habe und die UV-Strahlung mir einfach zu schädlich ist.

Leipzigerin

Der Mitarbeiter Hemmerling hingegen macht sich keine Sorgen über Hautkrebs:

Hautkrebs kann man heute immer bekommen. Selbst Kunden, die eben nicht draußen sind, die nicht desensibilisiert sind, können Pigmentstörungen bekommen. Regelmäßig untersuchen sollte man sich. Man sollte die Haut generell pflegen. Also ich geh einmal im Jahr mindestens zum Hautarzt, manchmal auch zweimal, und lass das überprüfen. Bis jetzt ist noch nichts passiert. Ich bin jetzt seit 15 Jahren eigentlich regelmäßig unter der Bank.

Herr Hemmerling, Mitarbeiter des Sonnenstudios "SunSip"

Gute Beratung

Bevor ein Kunde die Sonnenbank nutzen darf, klärt Hemmerling ihn auf. In einem Beratungsgespräch wird man über Hauttyp, Besonnungsdauer, Vorteile und Risiken informiert. Wichtig während des Sonnens im Solarium ist das Tragen einer Schutzbrille. Danach, so rät der Apotheker, soll man die Haut ausreichend eincremen, um sie vor dem Austrocknen zu schützen.

Kunden legen immer mehr Wert auf gute Beratung und ärztliche Betreuung. Die Branche befindet sich im Wandel, jedoch kann nicht jedes Studio den höheren Ansprüchen gerecht werden: In den letzten zehn Jahren sind über die Hälfte der Sonnenstudios verschwunden.

Hören Sie auch den Beitrag zum Thema von den mephisto 97.6 Redakteurinnen Sarah Bauer und Ronja Binus: 

Ein Beitrag von Sarah Bauer und Ronja Binus
 

 

 

Kommentare

Ein sehr interessanter Beitrag, der Interview-Character gefällt mir sehr und ich habe Spaß beim Lesen gehabt. Die Meinungen von den Leuten habe ich mir gerne gelesen! Ich habe viele Freunde, die sehr gerne in die Sonnenstudio gehen und Solarium ihnen ein wichtiger Teil des Lebens ist. Natürlich hat jeder seine eigene Meinung, und nicht alle müssen die gleichen Sachen machen. Eine gute Beratung, wie bei fast jedem anderen Dienst auch, ist auch bei Solarium von großer Wichtigkeit.
Mit freundlichen Grüßen
Laura
https://www.solarium-fachbetrieb.de/solarien/

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Sarah Bauer, Ronja Binus
31.08.2017 - 12:56
  Kultur