Frisch gepresst: Anderson .Paak

Sonne im Herz, Blowjob im Auto

Lust auf Kalifornien? Statt in ein Flugticket können wir jetzt in Anderson .Paaks drittes Album „Oxnard“ investieren. Der 32-jährige Rapper nimmt uns mit auf eine Reise in seine gleichnamige Heimatstadt.
Anderson .Paak
Anderson .Paak ist zurück und hat neue Musik im Gepäck.

Oxnard ist ein faszinierender Ort. Die Stadt im Ventura County liegt über einem aktiv genutzten Ölsand-Vorkommen, steuert rund ein Viertel zur jährlichen Erdbeerernte Kaliforniens bei und hat einen eigenen Raketenstartplatz. Da fällt einem die Kinnlade fast auf die Füße, so beeindruckend ist Oxnard - zumindest für Ölsand-, Erdbeer- und Raketenfanatiker. Anderen blitzen die Augen auf, wenn sie einen Blick in die Liste bekannter Oxnarder werfen. Dort zu finden ist Anderson .Paak, seines Zeichens Sänger, Rapper, Produzent und Schlagzeuger. Ihm wiederum ist es zu verdanken, dass der Name Oxnard mittlerweile auch auf Spotify & Co. zum Begriff wird, denn der Kalifornier benannte sein drittes Studioalbum nach seiner Heimatstadt. 

Schon vor dem ersten Hören fällt die eindrucksvolle Liste an Featuregästen auf, die sich Anderson .Paak mit ins Boot geholt hat. Da finden sich große Namen wie Kendrick Lamar, Snoop Dogg oder Madlib (übrigens auch Oxnarder) neben aufstrebenden Newcomern wie Kadhja Bonet oder The Last Artful. Dementsprechend vollgepackt ist die Platte auch: Insgesamt 14 Songs und 56 Minuten Spieldauer bietet „Oxnard“. Ein ganz schöner Brocken an Musik, der dank der soliden Mischung aus R&B, Hip-Hop und Funk aber runtergeht wie Öl. 

Hedonismus ist eine Kunstform

Inhaltlich gibt sich Anderson .Paak an vielen Stellen dem Hedonismus hin. Etwa in Headlow“, einem Song gleich auf Platz Zwei der Tracklist. Nach Gesumme und Wohlfühlbeats endet er schließlich mit der Geräuschkulisse eines Blowjobs und eines Autounfalls. In  „6 Summers“ wird's dann aber kurz halbpolitisch: 

Trump’s got a love child
And I hope that bitch is buckwild [...] 
​I hope she kiss señoritas and black gals.

- Anderson .Paak in „6 Summers“ 
Im Laufe seiner Karriere wurde Anderson .Paak immer wieder mit seinem Kollegen Kendrick Lamar verglichen, jetzt verdeutlichen sie mit Tints“, dass sie tatsächlich zwei verschiedene Musiker sind. Für viele treffen an dieser Stelle zwei Titanen aufeinander, und auch sonst verdient sich Tints“ dank eingängigem Flow seinen Status als Singleauskopplung.

Perfektes Timing?

Dank „Oxnard“ bekommen wir zum Ende des Jahres nochmal ein Album auf die Ohren, das ordentlich Lust auf Sommer macht. Für diese Saison leider etwas spät, aber auch das hat irgendwo sein Gutes: Einerseits können wir uns bis zum nächsten Tag am See jetzt in Ruhe mit den Songs vertraut machen, andererseits bringt uns Anderson .Paak mit guten Vibes über den Winter.

 

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Anderson .Paak: Oxnard

Tracklist:

1) The Chase (feat. Khadja Bonet)
2) Headlow (feat. Norelle)
3) Tints (feat. Kendrick Lamar)*
4) Who R U?*
5) 6 Summers
6) Saviers Road
7) Smile/Pretty
8) Mansa Musa (feat. Dr. Dre & Cocoa Sarai)
9) Brother's Keeper (feat. Pusha T)
10) Anywhere (feat. Snoop Dogg)
11) Trppy (feat. J Cole)
12) Cheers (feat. Q-Tip)*
13) Sweet Chick (feat. BJ The Cicago Kid)
14) Left To Right*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 16.11.2018
Aftermath/12 Tone Music, LLC