Musikalische Komödie

Slapstick und Liebeswirren in Ägypten

In der Musikalischen Komödie feierte am Samstagabend Nico Dostals Ausstattungsoperette „Prinzessin Nofretete“ unter der musikalischen Leitung von Stephan Klingele ihre szenische Wiederauferstehung.
Prinzessin Nofretete und ihre Hofdamen
Prinzessin Nofretete (Lilli Wünscher) hat sichtlich Spaß im Kreise ihrer Hofdamen

Als Highlight der diesjährigen Spielzeit präsentiert die Musikalische Komödie eine im wahrsten Sinne des Wortes musikalische Ausgrabung: Mit Nico Dostals verschollen geglaubter Operette Prinzessin Nofretete entführt die MuKo die Zuschauer ins sagenhafte Reich der Pharaonen und führt den Reigen der diesjährigen Erstaufführungen und Wiederentdeckungen weiter. Das Besondere daran: Das Stück erlebt seine szenische Erstaufführung seit über achtzig Jahren.

Nofretetes Schicksal

Der nicht nur als Operettenkomponist, sondern auch als Arrangeur und Filmkomponist erfolgreiche Nico Dostal nimmt mit dieser „Ausgrabungsoperette“ den aufkommenden Pauschaltourismus und die hochwohlgeborenen Pharaonen auf die Schippe.

Herrlich komisches Paar
Herrlich komisch: Nora Lentner (Teje) und Andreas Rainer (Thototpe)

Ins exotische Gewand des alten Ägyptens gekleidet, erzählt er die Geschichte der Prinzessin Nofretete, die gegen den Willen ihres Vaters statt eines Prinzen einen einfachen Offizier heiratete. Doch diese Zeitreise innerhalb des Stücks ist nur ein Zwischenspiel, eine Art Spiegel der eigentlichen Handlung: Begleitet von einer Horde nervtötender Touristen entdeckt der Archäologe Lord Callagan die Grabkammer der sagenhaften Pharaonentochter. Um das Familienvermögen zu erweitern, will er außerdem (ebenso wie sein Abbild Pharao Rhampsinit Tausende von Jahren vorher) unbedingt seine Tochter Claudia mit dem steinreichen Totty Tottenham verheiraten, der jedoch (wie sein historisches Pendant Prinz Thototpe) nur Augen für die flotte Fremdenführerin Pollie hat. Auch sein Töchterchen ist dieser Verbindung abgeneigt und schwärmt vielmehr für den mittellosen Wissenschaftler Dr. Hjalmar Eklind. Doch wie es eben in der Operette so ist, findet nach einigen Verwicklungen natürlich jedes Paar zueinander. Ende gut – alles gut.

Amüsant und überdreht

Schon die Ouvertüre stimmt auf die Reise in den Orient ein: Exotische Klänge, verwoben in einen schillernden Klangteppich aus einfallsreichen Harmonien, vermischt mit jazzigen Elementen und ein bisschen Walzerseligkeit machen den ganz speziellen musikalischen Charme dieser „Ausgrabungsoperette“ deutlich.

Das prunkvolle Bühnenbild von Frank Schmutzler ist in bester Monumentalfilm-Manier gehalten und besticht mit riesigen altägyptischen Statuen von Pharaonen und Göttern, Sarkophagen und aufwendigen Wandmalereien. Auch die Kostüme von Sven Bindseil sind ein echter Hingucker. Vor allem im historischen Zwischenspiel glitzert und funkelt es hier ordentlich im schönsten Stil à la Cleopatra. Mit extra-kurzen Miniröckchen für die Leibgarde und XXL- Perücken für die Hofdamen wird dem ägyptischen Kleidungsstil ironisch Tribut gezollt, gleiches gilt auch für die extrem stilisierte Gestik. Regisseurin Franziska Severin spielt leichtfüßig mit Ägypten-Klischees und würzt das Ganze mit einer ordentlichen Portion Klamauk und Slapstick. Etwa wenn während des Liebesduetts Nofretete und Amar andauernd über Nofretetes Fußkette stolpern oder sich mit übertrieben großen Gesten melodramatisch in die Arme fallen. Das Libretto von Rudolf Köller und Nico Dostal bietet die perfekte Steilvorlage dafür: gespickt mit allerhand Absurditäten und Wortspielen sorgt es für jede Menge Lacher während der Aufführung.

„Am schönen blauen Nil, erwärmt sich das Gefühl…“

Chefdirigent Stephan Klingele entreißt mit viel Esprit und Schwung die flotten Melodien Dostals´ der Vergangenheit und entfacht ein mitreißendes musikalisches Feuerwerk, das sofort ins Ohr geht. Denn egal, ob schwelgerische Arie, pompöse Fanfare oder beswingtes Duett, alles ist bestens ausbalanciert und sitzt.
In der Titelpartie glänzt Lilli Wünscher als selbstbewusste Prinzessin mit weichem, jugendlich-dramatisch anmutendem Sopran. Stimmlich nicht ganz so klangschön mit teilweise enger Höhe ist Radoslaw Rydlewski in der Doppelrolle als Hjalmar/Amar, der als Held des Ganzen sowohl die Lady als auch die Prinzessin erobert.

Theaterredakteurin Eva Hauk zur Premiere von "Prinzessin Nofretete"
Studiogespräch zur Premiere von Nico Dostals Operette "Prinzessin Nofretete"

Natürlich darf in der Operette das obligatorische Buffo-Paar nicht fehlen. Nora Lentner agiert mit gewohnter überschäumender Spielfreude und keckem Sopran als toughe Pollie/Teje, Andreas Rainer als trottelig-charmanter Totty Tottenham/Prinz Thototpe ist da die perfekte Ergänzung dazu. Den Lord Callagan singt und spielt Patrick Rohbeck mit viel Komik als den typisch weltfremden Wissenschaftler mit Brille und Backenbart, als Pharao befehligt er dementsprechend mit hochherrschaftlichen, großen Gesten sein Volk und ermuntert den etwas begriffsstutzigen Prinzen mit „immer ran, junger Mann“ und zweideutigen Gesten, endlich mal bei Nofretete zu Potte zu kommen. Angela Mehling ist eine energische und etwas liebestolle „Generalin“ Quendolin Tottenham, die es gewohnt ist, ihren Willen durchzusetzen. Zur orientalisch-mystischen Atmosphäre trägt Michael Raschle als ominöser Wahrsager Abu Assam/Assamabu bei, der unter Zuhilfenahme von allerlei Budenzauber Nofretetes/Claudias Schicksal voraussagt. Das Ballett (Choreografie: Mirko Mahr) kann vor allem im Zwischenspiel mit einer tollen Einlage hervorstechen.

Prinzessin Nofretete, Premiere
Ensemble von "Prinzessin Nofretete"

Am Schluss gab es ordentlich Beifall und Fußgetrappel, wenngleich man sich gewünscht hätte, dass gerade nach so einem besonderen Abend das Publikum etwas enthusiastischer gewesen wäre und mehr Begeisterung gezeigt hätte. Verdient hätten es die Mitwirkenden allemal!

Fazit

Warum diese herrlich launige Ausstattungsoperette so lange in der Versenkung verschwunden war, bleibt nach dieser überaus gelungenen Premiere weiterhin ein Rätsel. Denn sie hat alle Zutaten eines echten Hits: Schmissige Ohrwürmer, ein witziges Textbuch und jede Menge Exotik. Perfekt also nicht nur für das Ensemble der Musikalischen Komödie. Umso schöner wäre es also, wenn diese Entdeckung auch auf weiteren Bühnen gespielt würde. Denn eins ist klar: diese Ausgrabung ist alles andere als eine Eintagsfliege. In diesem Sinne: Auf nach Ägypten mit MuKo-Tours!

 

 

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Die nächsten Aufführungen von „Prinzessin Nofretete“:

01. April 2017 / 02. April 2017 / 04. April 2017 / 15. April 2017 / 16. April 2017 / 29. April 2017 / 30. April 2017 / 06. Juni 2017 / 16. Juni 2017 / 30. Juni  2017 / 01. Juli 2017

Trailer zu „Prinzessin Nofretete“
https://www.youtube.com/watch?v=JUEMtemNT3Q