Jung & Alt

Sind die Kinderkliniken in Gefahr?

Seit April läuft eine groß angelegte Kampagne der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Die finanzielle Situation der Kinderkliniken und -Abteilungen werde zunehmend schlechter. Ist die medizinische Versorgung von Kindern gefährdet?
An vielen Orten verschwinden diese Schilder, an Anderen sind gleich mehrere.

Viele Kliniken schließen sich derzeit zusammen. Eltern müssen einen weiten Weg zur nächsten Klinik auf sich nehmen. Und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt: Es sei unsicher, ob Ärzte die jungen Patienten auch in Zukunft gut versorgen könnten. Auf ihrer Website nennt die Gesellschaft konkrete Zahlen. In den letzten 25 Jahren sei die Anzahl von 440 Kinderabteilungen und -kliniken auf 364 gesunken.

"Auf dem Land reicht eine Grundversorgung"

Dieser Prozess sei durchaus sinnvoll, behauptet dagegen Dr. Wieland Kiess, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig. Seine Meinung: „Ein Kind mit Lungenentzündung oder Bronchitis muss in einem ländlichen Raum versorgt werden können. Aber dazu braucht man natürlich nicht alle 10km oder alle 5 km eine Kinderklinik, sondern alle 60km.“ Der Klinikleiter schlägt eine Trennung in Grund- und Fachversorgung vor. Auf dem Land soll der Allgemeinmediziner gewährleisten, dass ein Kind zum Beispiel geimpft wird. Auch eine akute Krankheit soll der Allgemeinmediziner erkennen. Für speziellere Fälle sollen die Eltern aber mit dem jungen Patienten in eine Kinderklinik fahren, die dann auch mal etwas entfernt sein kann. Der Vorteil sei, dass in einem Klinikum viele spezialisierte Ärzte unter einem Dach arbeiten würden. Einmal vor Ort angekommen, sei der Patient dann wesentlich besser versorgt.

Aktuell sei die Lage in Deutschland unterschiedlich: An manchen Orten sei diese Situation bereits gegeben. In anderen Regionen gebe es jedoch fast keine kinderärztliche Versorgung mehr, gerade in Ballungszentren jedoch sei die Überversorgung an ärztlicher Expertise schon fast unanständig.

Kinder haben mehr Krankheiten

Einig sind sich Dr. Kiess und die deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin jedoch, wenn es um die Finanzierung der medizinischen Ausstattung geht. Denn die ist gerade in der Kindermedizin problematisch. Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin erklärt das mitunter damit, dass die Bandbreite der Krankheiten bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen viel größer sein. Diese Einschätzung bestätigt Dr. Kiess. Im vergangenen Jahr hätte es in seiner Klinik über 2000 unterschiedliche Diagnosen gegeben. Dazu würden auch seltene genetische Stoffwechselerkrankungen zählen. Die Kinderkliniken müssen sich auf alle Eventualitäten einstellen, sie müssen immer vorbereitet sein. Ein hoher Kostenaufwand, der die Kliniken finanziell belastet.

Noch ein weiteres Problem besteht bei der Finanzierung: In einem Fallkatalog wird festgelegt, wie viel eine Klinik für die Behandlung einer Krankheit pauschal erstattet bekommt. Das nennt sich „Fallpauschale“. Seltene Krankheiten tauchen in diesem Katalog jedoch gar nicht erst auf. Tritt so ein Fall auf, ist nicht sicher, wie viel Geld die Klinik überhaupt von den Krankenkassen zurückbekommt.

Momentan streiten sich die Ärzte darüber, wie die medizinische Versorgung von Kindern aussehen soll. In Leipzig müssen wir uns aber vorerst keine Gedanken machen. In unserer Stadt bestehen sogar gleich zwei Kinderkliniken, unterversorgt sind wir nicht.

Ein Beitrag von Laura-Nadin Naue über Kinderkliniken.
Kinderkliniken
 

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Laura-Nadin Naue
02.07.2014 - 12:03