Datenbrillen in der Logistik

"Sicherer, schneller, besser"

In großen Lagerhallen können Datenbrillen für mehr Überblick über endlose Regalreihen sorgen. Aber die Technologie bringt dort noch einen weiteren Vorteil mit sich: Wer die Waren mithilfe der Brille scannt, hat beide Hände zum Arbeiten frei.
Datenbrillen und Ringscanner im Einsatz
Datenbrillen im Klosterfrau-Werk Berlin

In der Logistikabteilung von Klosterfrau Berlin brauchen die Angestellten ihre beiden Hände beispielsweise zum Gabelstaplerfahren. Seit 2016 wird im Wareneingang mit Datenbrillen gearbeitet. Das sind zierliche Drahtgestelle mit einem kleinen Prisma oben rechts am Rand und einer nach vorn gerichteten Kamera am Bügel. Die Brillen sind mit dem WLAN-Netzwerk verbunden und liefern alle wichtigen Informationen. Ist die Kamera aktiv, funktioniert sie wie ein drittes Auge. Sie erfasst alles, was auch das Auge sieht, und bildet es auf das Prisma ab. Der Träger sieht dann ein Fadenkreuz, mit dem er Strichcodes anvisieren und scannen kann. Durch Tippen und Wischen auf einem Touchfeld am Bügel kann man Aufträge bestätigen und auf dem Bildschirm durch das Menü blättern.

Datenbrille mit Akku
Die Datenbrillen bestehen nur aus dem Drahtgestell und einem kleinen Prisma

Die Brille kommt gut an

Früher hätten die Mitarbeiter der Klosterfrau Berlin dafür vom Gabelstapler steigen und zum Handscanner greifen müssen. Jetzt können sie die Aufträge vom Fahrersitz aus bearbeiten. Ihre anfängliche Skepsis gegenüber der Neuerung haben die Mitarbeiter deshalb schnell überwunden.

Herr Paul hat uns mit seinen Ideen sehr nach vorne gebracht – von den grauen Mäusen, die wir in der Logistik mal waren, zu einer Abteilung gemacht, die auch geschätzt wird, und auf die nicht mehr alles abgewälzt wird, einfach nur weil wir das Lager sind.

Marcel Bublat, Projektleiter Logistik

Datenbrille mit Sehstärke und Prisma am Rahmen
Brillenträger-Modell mit Gläsern

Seit Logistikleiter Andreas Paul und Projektleiter Marcel Bublat die Brillen ins Klosterfrau-Werk gebracht haben, geht die Fehlerquote gegen Null. Denn wurde ein Paket an den falschen Stellplatz gebracht, zeigt die Brille sofort eine Fehlermeldung an. Das sei der nächste große Vorteil, erklärt Herr Paul: dass man die Informationen immer vor Augen hat. Außerdem misst er seit der Einführung der Brillen eine Zeitersparnis von 30 Prozent.

 

 

Auf dem Weg in die Fabrik der Zukunft

Die Brillen wissen alles. Trotzdem sei der Datenschutz durch die Brillen nicht gefährdet, sagt Andreas Paul. Dass man nachvollziehen kann, wer welchen Auftrag im Lager bearbeitet hat, sei ein Standard in der Logistik - gerade in der Pharmazie. Das macht die Mitarbeiter auch austauschbar: Theoretisch kann jeder, der tippen und wischen kann, die Aufträge ausführen. Trotzdem müsse sich bei Klosterfrau niemand um seinen Arbeitsplatz Sorgen machen.

Wir nutzen die Technik, um den Prozess sicherer, schneller, besser zu machen, zu digitalisieren. Aber der Mensch ist immer noch der Faktor, der die Vorleistung bringt – ein Mensch ist ja nun mal nicht zu ersetzen – der also in der Vorkommissionierung die Waren bereitstellt. Das ist eine Verlagerung der Tätigkeit.

Andreas Paul, Logistikleiter

Portionieren statt transportieren

Diese Verlagerung könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen: Bisher fordern die Mitarbeiter in der Produktion ihre Materialien in großen Mengen an. Die Logistiker liefern also immer ganze Paletten mit Flaschen, Schraubverschlüssen oder Faltschachteln in die Produktionshalle. Was nicht gebraucht wird, muss am Ende zurückgebracht und wieder verstaut werden. In der vernetzten Fabrik der Zukunft könnte eines Tages auftragsgenau kommissioniert werden. Das bedeutet weniger Wegstrecke und leichtere Transportmengen. Und damit auch gesünderes Arbeiten.

Dort will Andreas Paul hin. Die Umstellung auf die Datenbrillen hat er innerhalb von sieben Wochen umgesetzt. Bis jetzt kommen sie nur im Wareneingang zum Einsatz. Aber das war nur der erste Schritt. Von hier an soll alles digitalisiert werden, wie der selbst ernannte „Prozessfanatiker“ erklärt – „von A wie Anfang bis A wie Ausgang“.

 

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

"Datenbrillen in der Industrie" - eine Reportage von Sophia Spyropoulos
Datenbrillen in der Industrie
 

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Sophia Spyropoulos
24.05.2018 - 17:21
  Wissen