Amerikas verlassene Kleinstädte

Shawnee - eine moderne Geisterstadt

Die Kohle hat die USA Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich groß gemacht. Doch seit der Boom vorbei ist, versinken viele Kleinstädte im mittleren Westen in Perspektivlosigkeit. Die Kleinstadt Shawnee im Südosten Ohios soll wieder aufgebaut werden.
Die Hauptstraße war früher florierende Einkaufsmeile.
Die Holzfassaden erinnern an vergangene Zeiten.

Umgeben vom Wayne National Forest schmiegt sich die ehemalige Kleinstadt Shawnee im Südosten Ohios an einen Hügel. Der Fels darunter ist von verlassenen Kohleminen durchzogen und von den ehemals 4.300 Einwohnern sind noch knapp 650 übrig geblieben.

Shawnee ist ein typisches Beispiel für eine Stadt, die während des Kohlebooms vor rund 100 Jahren in Rekordzeit gewachsen ist und nach dem Ende der Kohle-Ära ebenso schnell wieder geschrumpft ist.

Glanz vergangener Zeiten

Noch heute zeigen die historischen Holzfassaden und mächtigen Backsteinbauten der Hauptstraße den Glanz vergangener Tage.

Shawnee war mal das Zentrum der Unterhaltung für das gesamt Hocking Valley – von Moonville bis nach Athens sind die Leute hier hingekommen.

George Biggs, Anwohner

Das Geld kam damals durch die Kohlefirmen. Ein heute kaum vorstellbares Konzept war in vielen Kleinstädten damals gang und gäbe: Die Besitzer der Firmen kamen von außerhalb und haben für ihre Arbeiter ganze Städte hochgezogen. Oftmals haben sie diese aber nicht mit Dollars, sondern einer eigenen Währung bezahlt. Somit konnten die Arbeiter nur im fabrikeigenen Supermarkt einkaufen und in den Häusern der Firma wohnen. Reich wurde außer den Besitzern niemand.

Als das Kohlegeschäft dann allmählich nach Südamerika und Asien gezogen ist, blieben neben Ruinen und Umweltproblemen wenig zurück.

Als die Kohleadern aufgebraucht waren, sind die Besitzer der Kohleminen einfach gegangen. Das gehörte ja niemandem vor Ort. Die waren dann weg und haben das Geld mitgenommen und uns mit den Umweltproblemen und der Arbeitslosigkeit zurückgelassen.

George Biggs, Anwohner

Eine Gruppe von Anwohnern arbeitet seit einigen Jahren daran, Shawnee wiederaufzubauen. Ansätze gibt es viele, allerdings mangelt es oftmals an Geld. Im vergangenen Jahr hat sich auf der Hauptstraße ein kleiner Laden für Dekoration angesiedelt. Deb Hutmire und Bev Trovato haben das Shawnee Mercantile neben ihren Hauptberufen aufgebaut.

Wir mussten hier viel renovieren. Das ganze Holz musste ersetzt werden, aber wir haben das als Projekt gesehen. Und jetzt ist es ein Ort, an dem viele aus dem Dorf gerne vorbeikommen. Wir bringen ein bisschen mehr Leben auf die Hauptstraße.

 

Deb Hutmire, Eigentümerin Shawnee Mercantile

Neben einigen Geschäften soll vor allem die umliegende Natur vermarktet werden. Nachdem die Organisation Rural Action über Jahre die übersäuerten Flüsse gereinigt hat, soll jetzt der Tourismus angekurbelt werden.

 

Urlaub in Shawnee

Das benachbarte Hocking Valley zieht jedes Jahr bis zu fünf Millionen Touristen an, die den hügeligen Wald für Wanderausflüge und Wochenendtrips nutzen. Diese Touristen sollen ihren Weg zukünftig auch nach Shawnee finden. 

Man kann hier jagen, fischen und campen. Wir haben Lake Tecumsey und nach und nach kommen hoffentlich mehr Geschäfte auf die Hauptstraße.

Renee Brunton, Bürgermeisterin

Den Anwohnern ist bewusst, dass der Erfolg sich nicht von heute auf morgen einstellen wird. Schließlich war Shawnee fast ein Jahrhundert auf einer Talfahrt. Die ersten Schritte sind allerdings gemacht.

Alle Informationen finden Sie hier noch einmal zum Nachhören:

Der Beitrag von Lauren Ramoser über die amerikanische Kleinstadt Shawnee
 
 

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