Häusliche Gewalt

Schutzräume für alle

Seit Februar 2017 hat in Leipzig das erste Männerhaus geöffnet. Es soll einen Schutzraum für männliche Opfer von häuslicher Gewalt bieten. Dadurch wird auch ein Tabuthema angesprochen.
Pressekonferenz Männerschutzhaus
Enrico Damme (Pressesprecher), Samuel Peters (Verein Lehmann), Petra Köpping (SPD), Sascha Möckel (Männer Netzwerk Dresden)

Seit Anfang Februar gibt es in Dresden und Leipzig die ersten beiden Männerhäuser Sachsens. Nun wurden sie zum ersten Mal der Presse vorgestellt. Es handelt sich dabei um anonyme Schutzwohnungen für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt sind. In beiden Einrichtungen stehen Betroffenen jeweils drei Wohnplätze, bei Bedarf auch für ihre Kinder, zur Verfügung. In Leipzig ist der Verein LEMANN Träger des Pilotprojektes, das vorerst bis Ende 2018 laufen wird. Finanziert wird das Projekt mit jährlich rund 65.000 Euro über die Förderrichtlinie Chancengleichheit aus Landesmitteln.

Moderne Gleichstellungspolitik richtet sich an beide Geschlechter.

Gleichstellungsministerin Petra Köpping

Gleichstellungsministerin Petra Köpping betont, dass auch Männer Opfer von psychischer und physischer Gewalt werden können. Ihr sei deswegen wichtig, Betroffenen eine anonyme Zuflucht und Unterstützung in einer schweren Zeit bieten zu können. Dadurch wird nun ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, dass lange Zeit tabuisiert war. Ziel des Projekts ist es deswegen auch, nicht nur konkrete Hilfe zu gewährleisten, sondern für das Thema Gewalt an Männern insgesamt zu sensibilisieren. Samuel Peters, Vorstand des LEMANN e.V., freut sich nach langer Vorarbeit „von Gewalt betroffenen Männern und deren Kindern ein zeitlich begrenztes, sicheres und anonymes Umfeld“ anbieten zu können.

Ein Zimmer im ersten Männerschutzhaus Leipzigs
Ein Zimmer im ersten Männerschutzhaus Leipzigs

Bedarf ist da

Zwar sind immer noch deutlich mehr Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, die Statistik belegt jedoch, dass auch auf Seiten von Männern Bedarf nach Schutzräumen vorhanden ist. Von den bundesweit gut 127.000 Opfern von häuslicher Gewalt im Jahr 2015 waren immerhin mehr als 23.000 männlich, heißt es in einer Statistik des Bundeskriminalamtes. Dazu stehen die Zahlen von anonymen Schutzräumen in keinem Verhältnis. Den mehr als 350 Frauenhäusern in Deutschland stehen ungefähr fünf solcher Einrichtungen für Männer gegenüber. Immer noch zu festgefahren seien Geschlechterrollen, die es Männern noch zu sehr erschweren, Schwäche zu zeigen und Probleme zu thematisieren. Die gesellschaftliche Norm des Mannes entspreche nach wie vor alten Idealen: „hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund“, wie es zynisch auf der Hompepage des Männerhauses Berlin heißt.

Den Beitrag zum Nachhören von mephisto 97.6-Redakteurin Raphaela Fietta finden Sie hier:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Raphaela Fietta
0203_BmE_Männerschutzhaus

 

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