Integration

Schulpflicht bis 25?

Oberbürgermeister Burkhard Jung fordert für eine bessere Integration eine Schulpflicht bis 25. Dies soll sich aber nicht nur auf Geflüchtete beziehen. Auch für Deutsche solle diese Regelung gelten.
Berufsschule

Oberbürgermeister Burkhard Jung will durch eine Erweiterung der Schulpflicht Geflüchteten die Möglichkeit bieten, sich in Berufsschulen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.Damit will er die Ausbildungschancen von Geflüchteten verbessern. Aber nicht nur für diese. Deutsche können sich dadurch auch noch nach Ende der regulären Schulpflicht qualifizieren. Im April hatte sich Integrationsministerin Petra Köpping dazu schon geäußert. Sie wollte die Schulpflicht für erwachsene Geflüchtete ausweiten. Das Kultusministerium lehnte den Antrag allerdings ab, da mit der Unterscheidung der Herkunft der Gleichberechtigungsgrundsatz infrage gestellt würde.

Erweiterung der Schulpflicht

Deswegen schlägt Jung vor, für sowohl Deutsche als auch Geflüchtete die Schulpflicht auf 25 Jahre zu erweitern. Es soll damit lediglich eine bürokratische Hürde überwunden werden. Die Sprecherin für Schul- und Bildungspolitik der Linken, Stadträtin Margitta Hollick, begrüßt den Vorschlag von Jung:

Deutsche Jugendliche können die Berufsschule bis 27 besuchen, Geflüchtete nicht. Die dürfen nur bis sie 18 sind, in der Berufsschule sein.

 

 Margitta Hollick, Die Linke

Christopher Zenker, Fraktionsvorsitzender der SPD, meint, dass dadurch ungeschulten Jugendlichen aus dem Ausland die Möglichkeit gegeben werde, sich auf die Berufswelt in Deutschland vorzubereiten. Deutschen Jugendlichen, die die Schule vorzeitig verlassen, wird ebenfalls eine Chance gegeben, einen Abschluss zu erhalten. Denn ohne Schulabschluss sei es in Deutschland nun einmal sehr schwer eine Ausbildung oder einen Job zu finden. Der Fokus liege laut Zenker aber nicht nur auf dem Deutschunterricht.

Es ist halt häufig nicht nur damit getan, dass Deutsch gelehrt wird, sondern auch grundlegende Mathekenntnisse oder andere naturwissenschaftliche Fächer. (…) Das ist auch der Hintergrund des Vorstoßes: Dass man den Jugendlichen eine bessere Perspektive gibt.

Christopher Zenker, SPD

Ein weiterer Weg wäre das Angebot für Menschen mit beispielsweise Konzentrationsstörungen mit Produktionsschulen zu erweitern. Das meint vor allem das frontale Lehren zu vermeiden und mehr praktisch zu arbeiten. Mit dem Verbinden dieser beiden Wege – den neuen Berufsschulklassen und den Produktionsschulen – kann das Vermitteln von den Grundlagen gewährleistet werden. So kann auch individuell auf die Fähigkeiten der Jugendlichen eingegangen werden und diese dann zum Beispiel in die Richtung der Handwerker weitervermittelt werden, so Zenker.

In Leipzig gibt es laut Zenker zurzeit etwa 2.600 Geflüchtete im Alter zwischen 18 und 25. Natürlich hätten einige von ihnen bereits einen Schulabschluss oder seien bereits in einer Ausbildung. Dennoch: Würde die Schulpflicht für Menschen ohne Schulabschluss erweitert werden, hätte dies mehr Klassen an den Berufsschulen zufolge.

Kritik am Vorschlag

CDU-Bildungsexperte Lothar Bienst warnte deshalb vor Jungs Vorschlag. Eine Ausweitung der Schulpflicht würde den Lehrermangel eskalieren lassen. Stadträtin Hollick ist dagegen optimistischer. Berufsschullehrer würden gegenwärtig auch an Grund- und Oberschulen unterrichten, könnten aber wieder in die Berufsschule zurückkehren und dort die zusätzlichen Klassen übernehmen. AfD-Stadtrat Christian Kriegel sieht Burkhard Jungs Vorstoß ebenfalls kritisch.

Dies bedeutet, dass die Probleme aufgrund steigender Schülerzahlen sich noch weiter verschärfen. Vor dem Hintergrund des mangelnden Schulausbaus und einem ohnehin schon eklatanten Lehrermangel, ist die Forderung deshalb nicht realisierbar.

 

Christian Kriegel, AfD-Stadtrat

Der Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Lisa Albrecht zum nachhören:

Ein Beitrag von Lisa Albrecht.
 

 

 

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Ella Kreße
12.09.2017 - 20:33