Inklusion in Schulen

"Keine Grenze ziehen"

2008 hat der Deutsche Bundestag der UN-Behindertenrechtskonvention zum Thema Inklusion zugestimmt. Diese enthält auch Vorschriften für die Bildung und Erziehung von Kindern mit Behinderung. Doch was genau bedeutet das für die Schüler und Lehrer?
Frau vor Wand
Saskia Schuppener ist Professorin für Pädagogik an der Universität Leipzig.

Inklusion – ein weit diskutierter Begriff. Definieren könnte man ihn mit "Miteinbezogen sein" oder "gleichberechtigt Teilhaben an etwas". Aber was genau steckt eigentlich dahinter?

2006 wurde von den Vereinten Nationen ein Übereinkommen über die Rechte von Behinderten getroffen: Das Recht auf Inklusion, also darauf, gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. Seit fünf Jahren ist die UN-Konvention auch in Deutschland rechtlich verbindlich. Ein Artikel davon enthält Vorschriften für die Bildung und Erziehung von Kindern mit Behinderung. Alle Mitgliedsstaaten verpflichtet das Übereinkommen zu einem inklusiven Bildungssystem. Ziel ist es, allen Schülern ein Gefühl der Dazugehörigkeit zu vermitteln und behinderte Schüler bestmöglich zu fördern.

Integration und Barrierefreiheit

Das große Stichwort ist hierbei: Integration. In inklusiven Schulen sollen behinderte mit nicht behinderten Kindern zusammenarbeiten. Das stärke der UN zufolge zum einen das soziale Miteinander und zum anderen die Personalität.

Gerade für körperlich behinderte Jungen und Mädchen kann schon der Schulweg eine große Herausforderung darstellen und aufgrund mangelnder Barrierefreiheit können sie nicht auf alle Schulen gehen. Um behinderten Kindern das Lernen an normalen Schulen zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern, müssen inklusive Schule bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Erforderliche Lehrkräfte und – wenn nötig – qualifizierte Pflegekräfte sowie eine behindertengerechte sachliche Ausstattung müssen vorhanden sein. Außerdem muss das Schulgebäude barrierefrei sein, also beispielsweise über Fahrstühle und Blindenleitsysteme verfügen. Ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf müsste dann also nicht unbedingt eine Förderschule besuchen.

Situation in Leipzig

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention steht in Leipzig noch in den Kinderschuhen, erklärt Saskia Schuppener, Professorin für Pädagogik mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung an der Universität Leipzig. Man sei eher auf dem Stand der Einzelintegration, auch weil die Schulen noch nicht dementsprechend ausgerichtet sind. Inklusion sei aber auch nicht nur auf Behinderung bezogen, so Schuppener:

"Da geht es auch um andere Merkmale als das Merkmal Behinderung. Der Inklusionsbegriff wird immer ein bisschen fälschlich diskutiert in dieser Zweiteilung behindert / nicht behindert oder Förderbedarf / nicht Förderbedarf. Es geht um alle Kinder, auch die aus sozial schwierigen Lebenslagen, es geht um geschlechtliche Vielfalt, es geht um Kinder, die kulturell Unterschiede mitbringen, religiöse Unterschiede und so weiter."

Für die Lehrer bedeutet die Inklusion wider Erwarten jedoch kaum Veränderungen, denn schon länger sind sie mit der Veränderung der Schülerschaft konfrontiert. Und es ginge laut Schuppener bei Inklusion generell nicht darum, mehr Kinder mit Behinderung in normale Schulen zu stecken, sondern die Schulen mehr zu unterstützen und das System zu ändern. Scheitern täte es bisher also daran, dass es Sonderschulen gibt und viele Kinder dann auch in solche geschickt werden.

Wegen des finanziellen Aufwandes wird immer wieder Kritik laut. Doch gehe es bei dem Übereinkommen nicht um Finanzfragen, sondern viel mehr um das Recht von Menschen mit Behinderung. Das Wohl der Kinder stehe im Vordergrund.

Moderatorin Karoline Dörner im Gespräch mit Saskia Schuppener, Professorin für Pädagogik an der Uni Leipzig.
Inklusion SG
 

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