Verkehrsnetz Mitteldeutschland

Schneller mit der Bahn nach Chemnitz?

Das Bundesverkehrsministerium will die Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz ausbauen. Damit soll die Anbindung nach Berlin besser erreicht werden. Der Fahrgastverband ProBahn sieht das allerdings kritisch: es komme dadurch sogar eher zu Verspätungen.
Blick vom HbF aus
Die Bahnstrecke von Leipzig nach Chemnitz soll ausgebaut werden.

Von Leipzig nach Chemnitz und danach Berlin: und das mit möglichst wenig Zeitaufwand. Bis jetzt ist das Wunschdenken. Reisende müssen sich nämlich auf mindestens eine Stunde Umsteigezeit einstellen: entspannt Reisen geht also anders. Auch die umliegenden Orte sind nur bedingt in den Verkehrsplan eingespannt: vor allem für berufstätige Pendelnde aus den ländlichen Regionen wird es also doppelt kompliziert.

Längere Fahrtzeiten trotz Ausbau

Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Leipzig und Chemnitz scheint also perfekt. Zu früh freuen sollte man sich trotzdem nicht. Denn nur, weil die Strecke nun in den Verkehrsplan aufgenommen wurde, heißt es nicht, dass sie automatisch umgesetzt wird. Und wird sie es doch, ist von weniger Zeitaufwand nichts zu sehen: schneller als die gerade fahrende Regionalbahn werde das Ganze nämlich eher nicht. Das kritisiert zumindest der Fahrgastverband ProBahn. Eher das Gegenteil sei der Fall: Die beschlossene Strecke brauche laut Vorstandssprecher Carsten Schulze-Griesbach bis zu 20 Minuten länger als zurzeit!

Das ist so wie mit einem Fahrrad auf der Autobahn. Das wird nicht lange gutgehen!

Carsten Schulze-Griesbach, Vorstandssprecher ProBahn e.V. Halle/Leipzig

Grund ist der geplante Streckenverlauf. Die Bahnlinie soll nämlich über Frohburg und Borna nach Chemnitz verlaufen. Auch der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig findet das eher ungünstig: Zwischen Geithain und Borna ist der Abschnitt nur einspurig ausgebaut und mit zahlreichen Tempolimits versehen. Eine Sanierung sei aktuell nicht vorgesehen.

Überlastung im City-Tunnel?

Ein weiterer Haken ist: der Zug führe dann durch den Leipziger City-Tunnel. Der ist durch die S-Bahn Verbindungen durch den mitteldeutschen Raum allerdings jetzt schon ausgelastet. Müssen die Verbindungen dann in der Zukunft gekürzt werden? Carsten Schulze-Griesbach von ProBahn schlägt etwas anderes vor:

Ganz normal die über Bad Lausick auszubauen. Das würde auch dort dem Nahverkehr, der heute schon als Diesel-Nebenbahn fährt, helfen, nicht so abhängig von dem schnelleren Dieselzug zu sein. Dann wären die Eingleisigkeiten beseitigt, dann lässt sich das im Leipziger Raum optimaler gestalten, sodass alle davon profitieren.

Carsten Schulze-Griesbach, Vorstandssprecher ProBahn e.V. Halle/Leipzig

Noch viel Planung nötig

Der Ausbau über Bad Lausick klingt zunächst sinnvoll.  Auch, weil nach Borna sowieso eine S-Bahn fährt. Das Verkehrsministerium hält an der jetzigen Bahnführung über Borna allerdings erstmal fest. Und auch die Deutsche Bahn äußert sich zu den Streckenplänen zunächst positiv. In einem schriftlichen Statement weist die Pressestelle aber auch darauf hin, dass bis zur Umsetzung noch viel Planung nötig sei:

Auf der Grundlage dieser Bewertung wird es in den nächsten Monaten zu jedem einzelnen Projekt Gespräche mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie weiteren Beteiligten geben. Das gilt auch für das Projekt „ABS Leipzig – Chemnitz“. In diesen Gesprächen werden die Inhalte der verkehrlichen und betrieblichen Aufgabenstellung abgestimmt und auch die Finanzierung der einzelnen Planungs- und Realisierungsstufen festgelegt.

Pressestelle der Deutschen Bahn

Bis man also wirklich im Fernverkehr nach Chemnitz fahren kann, dauert es also noch eine ganze Weile: angesetzt ist das Jahr 2030. Bei der Bahn sollte man vorsichtshalber aber auch hier mit einer Verspätung rechnen.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Redakteurin Johanna Honsberg
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Johanna Honsberg
12.11.2018 - 19:25