CD der Woche

Schluss mit dem Trübsal!

Die kanadische Indie-Band The New Pornographers veröffentlicht ihr bereits siebtes Album: „Whiteout Conditions". Das ist der perfekte Soundtrack für den Frühjahrsbeginn.
The New Pornographers
The New Pornographers

Jede Besprechung eines Albums der New Pornographers stößt recht schnell an die Grenzen der Sprache. Die Musik des kanadischen Kollektivs will nicht besprochen, sie will gehört werden. Wie kaum eine andere moderne Indie-Band verstehen es die New Pornographers dem Hörer fast augenblicklich ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Der Stil der Band wird häufig als „Power Pop“ beschrieben – ein recht schwammiger Genre-Begriff mit dem seit den 70ern Rock-Bands wie Cheap Trick oder The Cars beschrieben werden, die aufbauende Melodien und mitreißende Refrains gegenüber authentischem Blues-Sound und ausufernden Solis bevorzugen.  Zu den New Pornographers passt der Ausdruck jedoch ziemlich gut. Die Band macht handgemachte Popmusik, mit einer fast durchweg positiven Stimmung die kaum einen Hörer kalt lässt. Dahinter steckt großes musikalisches Talent – intellektualisieren lässt sich das Ganze jedoch schwer. Der Ansatz der Band folgt letztlich keinem dogmatischen Konzept, wie es bei anderen gehypten Bands häufig der Fall ist. Die New Pornographers handeln streng utilitaristisch. Heißt: Was auch immer zu einem guten Song führt, ist erlaubt.

Alles ist erlaubt

Je nachdem was ein Stück gerade braucht, wechseln sich die fünf SängerInnen ab, singen im Chor oder A-capella. Genauso herrscht bei den Instrumenten ein stetiger Wechsel zwischen und Zusammenspiel aus akustischer und elektrischer Gitarre. Mal übernehmen auch Keyboards und Synthesizer die Hauptrolle. Auf einzelnen Stücken dürfen sich auch Bläser, Piano oder Cello dazugesellen. Fertig ist die bunte Mischung! Die einzelnen Zutaten sind für moderne Indie-Bands nichts Ungewöhnliches. Den Unterschied macht einzig das perfekte Zusammenspiel, das sich die achtköpfige Band über fast 20 Jahre und bisher sechs gemeinsame Alben erarbeitet hat.

In Interviews betonte Band-Kopf A.C. Newman, mit dem neuen Album „Whiteout Conditions“ wollte man sich im Klang etwas umstellen und sich mehr an Krautrock orientieren. Diese Mission muss letztendlich jedoch als gescheitert betrachtet werden.  „Whiteout Conditions“ klingt nicht wirklich experimentell oder gar psychedelisch und unterscheidet sich stilistisch vom Vorgänger „Brill Bruisers“ von 2014 kaum. Das muss es jedoch auch gar nicht, denn das Band-Rezept ist an sich eigentlich schon perfekt, so wie es ist. Die Band bietet auch auf dem neuen Album elf Songs, die sofort ins Ohr gehen und trotzdem lange Halbwertszeit haben. Die Musik verbreitet eine sonnige Atmosphäre, die einen perfekten Soundtrack zum Frühlingsanfang liefert und nur so vor Tatendrang strotzt. Passend dazu thematisiert die Single „High Ticket Attractions“ Aufbruchsstimmung:

You feel the suction, the call to action
That will surround high ticket attractions
You want to travel, want to unravel
Take the experience to the next level

High Ticket Attractions

Fazit

Mit „Whiteout Conditions“ beweisen die New Pornographers nun bereits zum siebten Mal ihre Klasse und liefern ein Album, das sich nahtlos in ihren bisherigen Katalog einfügt. Ihre Fans werden das zu würdigen wissen, aber auch für Neulinge bietet „Whiteout Conditions“ einen guten Einstieg in die Musik der Kanadier. Die ist wie geschaffen dafür, den Muff des Winters hinter sich zu lassen und mit Enthusiasmus in den Frühling überzugehen. Wer nach einem Heilmittel gegen Trübsal und Langeweile sucht ist hier genau an der richtigen Stelle.

 

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The New Pornographers: Whiteout Conditions

Tracklist:

01.  Play Money*

02.  Whiteout Conditions*

03.  High Ticket Attractions*

04.  This Is The World Of The Theatre

05.  Darling Shade*

06.  Second Sleep

07.  Colosseums

08.  We've Been Here Before

09.  Juke

10.  Clock Wise

11.  Avalanche Alley*

Erscheinungsdatum: 07.04.2017
Concord/Caroline/Universal