Filmrezension

Schleimerei im Klinikkeller

Nachdem „Aston 6“ mit dem Film „Father´s Day“ Trashfans weltweit begeistern konnte, wagt sich das kanadische Filmemacherkollektiv nun in düsterere Gefilde. Mit „The Void“ erscheint ihr neuer Film, der von Horrorfans bereits heiß erwartet wurde.
The Void
Schräge Rituale im Klinikkeller

Ein Farmhaus in den Wäldern. Plötzlich öffnet sich eine Tür, ein Mann rennt panisch aus dem Haus. Blutend schleppt er sich durch den Wald und bricht auf einer Straße zusammen. Dort wird er von Sheriff Carter (Aaron Poole) gefunden. Der hat sich eigentlich auf eine entspannte Nachtschicht eingestellt, doch es kommt alles ganz anders. Carter bringt den verletzten Mann in ein Krankenhaus, das sich ganz in der Nähe befindet. Dort beginnt für die Patienten und Angestellten ein echter Albtraum, denn schon bald sind alle in der Klinik gefangen. Plötzlich tauchen unheimliche, bewaffnete Sektenmitglieder in weißen Gewändern auf und umzingeln das Gebäude. Als sich eine der Krankenschwestern dann auch noch in ein groteskes Monster verwandelt, bricht in dem Krankenhaus die pure Panik aus... 

Hellraiser meets Das Ding aus einer anderen Welt

The Void ist ein Genuss für jeden Fan von großen Horrorklassikern aus den 80er Jahren. Wenn mit jeder Menge Blut und Schleim Tentakel aus Körpern brechen und sich die Haut von den Knochen schält, werden sofort Erinnerungen an John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt wach. Aber auch auf den Körperhorror eines David Cronenberg (Die Fliege) lassen sich in The Void zahlreiche Referenzen finden. In The Void werden zwar permanent altbekannte Horrorklischees und Genrezitate zusammengewürfelt, zu einer bloßen Kopie verkommt er dabei jedoch glücklicherweise nicht. Die Ekelszenen in The Void sind hart und eine Freude für jeden Splatterfan. Das liegt besonders daran, dass die Effekte im Film größtenteils handgemacht sind und nicht aus dem Computer stammen. The Void auf seine Ekeleffekte zu beschränken, wäre jedoch falsch. Stattdessen beweisen die Regisseure Jeremy Gillespie und Steven Kostanski besonders in der ersten Hälfte ein gutes Gespür für Atmosphäre und Spannungsaufbau. Spätestens, wenn die verhüllten Gestalten die Klinik umzingeln, kann der Zuschauer die beklemmende Stimmung am eigenen Leib spüren. Vor allem da er lange im Dunkeln darüber gelassen wird, was in dem Krankenhaus eigentlich vor sich geht.

Groteske Visionen

Inhaltlich ist The Void jedoch etwas ernüchternd ausgefallen. Die Charaktere sind durchweg so belanglos und blass gezeichnet, dass man sich nicht einmal deren Namen merkt und es einem herzlich egal ist, wer von ihnen das Zeitliche segnet. Insbesondere der Mittelteil des 90 Minuten langen Films ist ziemlich langweilig ausgefallen. Die Auflösung des Rätsels ist sehr verwirrend ausgefallen und wirkt lange Zeit zu ziellos, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Wenn sich der Film mit der Überschreitung der Grenzen von Leben und Tod befasst, erhält The Void mit eigenartigen Traumvisionen auch noch einen beinahe esoterischen Touch. Erst am Ende erreicht der Film wieder die anfängliche Intensität, wenn sich die Charaktere auf einen wahrhaft gruseligen Trip in den Keller des Krankenhauses begeben, der den Silent Hill-Spielen oder auch der Hellraiser-Reihe alle Ehre macht.  Wenn im Finale wortwörtlich die Hölle losbricht, entlädt sich The Void in einem grotesk-surrealen Trashinferno. Egal, ob einem das ausufernde Ende zusagt oder nicht: The Void lässt den Zuschauer mit einigen Fragezeichen im Kopf zurück, sodass man auch danach noch die wildesten Theorien spinnen kann.

Fazit

The Void hat erzählerisch einige Durststrecken und gipfelt in einem eher gewöhnungsbedürftigen Finale. Wer etwas trashigerer Unterhaltung nicht komplett abgeneigt ist, wird mit The Void aber einen wunderbar grotesken Fantasyhorrortrip irgendwo zwischen Hellraiser, Silent Hill und John Carpenter erleben.

 

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Janick Nolting
19.05.2017 - 15:56
  Kultur

Laufzeit: 90 Minuten

Genre: Horror

FSK 16

ab 19.5.2017 auf Blu-ray und DVD erhältlich