Virtual Reality

Schau mir durch die Augen

Die Welt durch die Augen eines Roboters sehen. Klingt erst einmal nach Science-Fiction. Ein Leipziger Informatikstudent macht es nun mithilfe einer Virtual-Reality-Brille möglich. Seine Erfindung ist diese Woche auf der CeBIT in Hannover zu sehen.
So sieht ein Roboter von Marcel Göbe aus

Fußball á la moderne

Roboterfußball wird an der HWTK Leipzig großgeschrieben. Im vergangenen Jahr holte ein Team von Studenten und Entwicklern bei den Weltmeisterschaften den dritten Platz. Roboterfußball ist eine moderne und hoch technisierte Sportart. Für beide Teams stehen fünf voneinander unabhängige Roboter auf einem Spielfeld mit der Größe eines halben Tennisfeldes. Entwickler möchten bis zum Jahr 2050 in der Lage sein, mit den Robotern den Fußballweltmeister der Menschen zu schlagen. An der HTWK in Leipzig forscht auch der Informatikstudent Marcel Göbe an einem Teilaspekt der Robotertechnik. Seine Idee war, den Zuschauern des Roboterfußballs zu zeigen, wie die Roboterspieler auf dem Feld das Spiel wahrnehmen und warum sie bestimmte Entscheidungen treffen. Er möchte den Menschen ein Verständnis für diesen hochmodernen Sport vermitteln und nutzt dafür eine Virtual-Reality-Brille – kurz VR.

Dem Zuschauer wird durch die Anwendung, die ich entwickelt habe ermöglicht, in den Kopf des Roboters zu schlüpfen. Durch die VR-Technik entsteht ein Präsenzgefühl.

Informatikabsolvent Marcel Göbe von der HTWK Leipzig

Innovative Software

Um den Menschen tatsächlich zu zeigen, was ein Roboter sieht, hat Marcel Göbe eine spezielle Software-Anwendung entwickelt. Mit den Kameraaugen filmt der Roboter seine Umgebung. Das wird dann auf das Smartphone übertragen, welches wiederum in die Vorderseite der Brille geschoben wird. Die VR-Brille funktioniert dabei wie eine Lesebrille und wirkt als Bindeglied zwischen menschlichem Auge und Smartphone-Bildschirm. Indem der Nutzer die Brille aufzieht und seinen Kopf bewegt, kann er gleichzeitig auch den Kopf des Roboters steuern. Bis dahin ist die Technik noch nicht neu.

Es ist normal, dass einem ein wenig schlecht wird, wenn man die VR-Brille trägt. Die Hersteller raten auch dazu, sie am Anfang nicht länger als fünfzehn Minuten aufzuhaben.

Marcel Göbe

Oft tritt beim Tragen der Brille die sogenannte VR-Krankheit auf. Schwindel und Übelkeit sind häufig auftretende Symptome. Genau dort setzt Göbes Anwendung an. Mit einigen technischen Kniffen hat er es geschafft, die Verzögerungszeit bei der Übertragung des Bildmaterials von Roboter zu Brille auszutricksen. Eine Verzögerung tritt automatisch auf und kann auch nie ganz überbrückt werden, sagt Göbe. Dreht man beispielsweise die VR-Brille nach links, dreht sich auch der Roboterkopf nach links – allerdings ungefähr eine halbe Sekunde später. Mit der Software hat der Informatiker einen virtuellen Raum geschaffen, in dem die Kopfbewegung des Nutzers gespeichert wird. Das Videomaterial des Roboters wird dann an der passenden Stelle aktualisiert und der Position des menschlichen Kopfes angepasst. Somit bewirkt die Software, dass dem Nutzer Echtzeit simuliert wird. Göbe nennt das ein Telepräsenzsystem.

Oft können die Leute nicht nachvollziehen, dass es wirklich um ein Gefühl geht. Man fühlt sich, als wäre man dort. Diese Systeme können Gefühle übertragen.

Marcel Göbe

Technik mit Potential

Eine solche Software könnte in Zukunft in vielen Bereichen eingesetzt werden, ist sich Marcel Göbe sicher. In der Psychotherapie könnten zum Beispiel Therapeuten in die Rolle eines Roboters schlüpfen. Da sich besonders Kinder oft vor dem Gespräch mit fremden Therapeuten scheuen, könnte der Roboterkörper als Vermittler fungieren. Mithilfe der Echtzeitwirkung der VR-Technik und Lautsprechern könnten die Therapeuten besser mit den Kindern kommunizieren.

Virtual-Reality: Entwicklungspotential ohne Ende

Die Entwicklungen im Virtual-Reality-Bereich sind auch auf der diesjährigen CeBIT in Hannover ein großes Thema. Entwickler und Software-Giganten versuchen, die virtuelle Realität immer echter erscheinen zu lassen. Um Symptomen der VR-Krankheit entgegenwirken zu können, scheuen Forscher dabei oft keine Mittel. Um den Körper auszutricksen, gibt es beispielsweise Anlagen, die die Fliehkräfte auf den Körper simulieren oder Nutzern Wind ins Gesicht blasen, um einen Ritt auf dem Besen möglichst real wirken zu lassen.

Mit dieser Installation werden Fliehkräfte simuliert

Den gesamten Beitrag zum Nachhören von mephisto 97.6 Redakteur David Straub finden Sie hier:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur David Straub
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David Straub
22.03.2017 - 14:36
  Games

Der Stand von Marcel Göbe und dem Team der HTWK Leipzig ist diese Woche auf der CeBIT-Messe in Hannover zu finden. Dort kann man seine Entwicklung testen und zum Auge eines Fußballroboters werden.