Frisch Gepresst: Shakey Graves

Schäfchen zählen in Texas

Einst ein typischer Americana-Folk Cowboy, jetzt träumt sich Shakey Graves in die Pop-Musik. Auf seinem neuen Album gibt sich der Texaner vielschichtiger als bisher und trifft den Geist der Zeit.
Shakey Graves
Shakey Graves - ein Gentleman aus Texas

„Next Album. New Sound. Sel l Your Suspenders“ („Neues Album, Neuer Sound, Verkauft eure Hosenträger“). So kündigte Alejandro Rose-Garcia alias Shakey Graves im vergangenen Jahr sein neues Album an. Doch nicht nur seine Hosenträger lässt er auf „Can’t Wake Up“ im Schrank, auch seinen Cowboy Hut hört man auf seiner neusten Veröffentlichung kaum mehr. Rose-Garcia, der auch Schauspieler ist (bekannt aus „Sin City 2“ oder „Material Girls“), fing 2009 an Musik zu machen. Wie es sich für einen Jungen aus Texas gehört, erspielte er sich mit cleveren Folk und Americana Songs eine lokale Fangemeinde. Als „One-Man-Band“ und einem zur Kick Drum umgebauten Reisekoffer wird er schnell allseits beliebt und gewinnt 2015 als "Best Emerging Artist" den Americana Music Award, einem Genre, dem er schon damals eher kritisch gegenüber steht.

Schläfst du noch oder träumst du schon?

Wer viele Jahre alleine als Straßenmusiker durch die Welt zieht, den zieht es irgendwann wieder nach Hause. Für die vergangene zwei Jahr zog Rose-Garcia sich zu seiner Familie zurück, schauspielert, malt, bastelt und erfindet sich einen neuen Sound. „Can’t Wake Up“ ist größtenteils ein Dream Pop Album, mit elektronischer Gitarre, poppigem Sound und süßen Harmonien. „Kids These Days“ beginnt mit einer eingängigen Gitarrenmelodie, die vor einem energisch hämmernden Schlagzeug begleitet wird.

Alle Instrumente auf dem Album sind von Shakey Graves selbst eingespielt worden. Mit seiner charakteristischen reibeisernen Stimme ist „Can’t Wake Up“ doch gar nicht so weit weg von der einstigen „One-Man-Band“. Neben diesen poppigen Gitarrensongs mischen sich auch langsamere, träumerische Stücke („Counting Sheep“, „Big Bad Wolf“) und wenn Rose-Garcia in „Climb on a Cross“ mit hauchender Stimme und gedämpftem Schlagzeug von früher erzählt, ist er endgültig im Dream Pop angekommen.

Es war einmal…

Apropos Dream Pop – „Can’t Wake Up“ klingt nicht nur traumhaft, das Schlafen oder Träumen ist auch Hauptthema. Shakey Graves träumt von allem: der Kindheit („Kids These Days“), der großen Liebe („Foot Of Your Bed“) oder von dem was sein könnte, wenn man sich endlich trauen würde („Dining Alone“). Aber es wäre keine moderne Platte, wenn es nicht auch ein wenig Gesellschaftskritik geben würde. „My Neighbor“ erzählt davon, dass unsere neuen Nachbarn, wenn man ihnen die Chance lässt, vielleicht doch ganz nette Menschen sind. Der Song „Climb on a Cross“ hinterfragt ganz dezent die Rolle von Religion in unserem Leben.

I never listened to my teacher, trusted every word my preacher would say.

"Climb on a Cross"

Und wenn Rose-Garcia gerade nicht träumt oder seine Umwelt ganz genau und scharfzünnig beobachtet, erzählt er Märchen („Tin Man“, „Big Bad Wolf“) oder beschäftigt sich mit „Aibophobia“, der Angst vor Palindromen und damit, dass es Quatsch ist, vor jeder Kleinigkeit Angst zu haben.

Fazit

Shakey Graves Folk-Vergangenheit ist in den 13 vielschichtigen Gitarrensongs ganz klar zu hören. Trotzdem ist „Can’t Wake Up“ durch die poppigen Melodien verspielter und abwechslungsreicher als alles, was man von dem Texaner bis her gewöhnt war. Seine Fans wird das verwirren, aber schließlich hat der 30-Jährige gerade erst angefangen zu träumen und das machen wir ja bekanntlich alle auf unsere eigene Art und Weise.

 

 

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Shakey Graves: Can't Wake Up

Tracklist:

1. Counting Sheep*
2. Kids These Days*
3. Climb on the Cross
4. Dining Alone*
5. My Neighbor
6. Excuses
7. Cops & Robbers
8. Mansion Door*
9. Aibohphobia
10. Big Bad Wolf
11. Back Seat Driver
12. Foot of Your Bed
13. Tin Man

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 04.05.2018
Dualtone