euro-scene 2018

Scandale oder Macht?

Wenn Menschen andere Menschen kontrollieren, klingt das zuerst eher nach einer gewaltsamen Diktatur. Dass man aber auch mit Musik andere Leute kontrollieren kann, will die Performance "Sandale" zeigen.
Szene aus der Tanzperformance Scandale
Szene aus der Tanzperformance Scandale

 „Scandale“ oder zu Deutsch „Stolperfallen“ bildete den Abschluss der diesjährigen 28. euro-scene. Es war im Schauspiel zu sehen und feierte dort auch seine Deutschlandpremiere. Musikalisches Thema das Stückes war der HipHop. Das spiegelte sich besonders in den Bewegungen der Tanzenden wider. Es wurde zum Beispiel viel im Kopfstand getanzt und mit verschiedenen Drehungen und Figuren, die an Breakdance erinnern, gearbeitet. Es waren auch noch weitere Tanzformen vertreten, zum Beispiel Clubbing. Auch die Kleidung war sehr leger. Die Tanzenden trugen Leggins oder Jeans und Shirts. Die Bühne war eher schlicht gehalten. Es waren weiße Bahnen, die auf dem Boden lagen und am Ende hochstanden.

Hypnose und Kontrolle

Durch das Stück zieht sich das Thema der Macht. Das verleiht "Scandale" auch eine Art Handlung. Es war so etwas wie ein Schamane auf der Bühne, der sechs Tanzende hypnotisiert und kontrolliert hat. Er ließ sie seine Instrumente auf die Bühne tragen und dann auch zu seiner Musik beitragen. Die Musik entstand also zu großen Teilen während des Stücks. Besonders Geräusche wie Lachen wurden dirket in ein Mikro gegeben. Daraus hat der Schamane dann Musik gemacht, auch dadurch sollte er eine Art Personifizierung der Musik darstellen. Er hat die Tanzenden mithilfe ihrer eigenen Stimmen in seinen Bann gezogen. Zwar wirkte es zwischenzeitlich, als wäre der Schamane der Macht seiner eigene Musik erlegen, als ihm von einem der Tänzer die Drumsticks abgenommen wurden, die holte er sich jedoch wieder zurück.

Macht, aber welche Form?

Welche Art von Macht in "Scandale" allerdings gemeint war, lag in der Interpretation des Zuschauers. Machtmissbrauch, im Stück durch den Schamanen ausgeübt, war eine dieser Arten. Aber es schien auch um die Macht der Musik und um die Macht des Tanzes, dass man sich in Extase tanzen kann, zu gehen. Und schließlich stellte sich noch die Frage, was Menschen machen, die sich nicht mehr selbst kontrollieren können. Durch die vielen aufgeworfenen Fragen des Stückes blieb die Aussage letztlich recht unkonkret. Auch die Musik, beziehungsweise der Geräuschteppich, waren zwischenzeitlich recht anstrengend.

Dennoch war besonders das Trommeln mit beigemischten Bässen mitreißend. Und die tänzerischen Leistungen waren beeindruckend, die Körperspannung, die Bewegungen, die Rhythmik. Also alles in allem war es ein interessanter Abschluss der euro-scene, der Fragen aufwirft, sodass man sich auch weiterhin mit Tanz, Musik und besonders dem Thema „Macht“ beschäftigen kann.

 

Die Rezension zum Nachhören findet ihr hier:

Moderatorin Peggy Fischer im Gespräch mit Svenja Tschirner

Peggy Fischer als Moderatorin

Rezension zu "Scandale"
 

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Svenja Tschirner
14.11.2018 - 14:46
  Kultur

Konzeption und Choreografie: Pierre Rigal

Musik: Gwenaël Drapeau, Julien Lepreux

Kostüme: Mélanie Chartreux

Lichtdesign: Frédéric Stoll

Tanzende: Camille Regneault, Emilie Schram, Steve Kamseu, Fabien Maitrel, Antonio Mvuani, Julien Saint-Maximin

Musiker: Gwenaël Drapeau (Schlagzeug, Keyboard)

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