Konzertbericht: BHZ im Felsenkeller

San Pellegrino, Bier und Weißwein

Der Felsenkeller in Leipzig ist gut gefüllt an diesem Abend. Menschen stehen in einer langen Schlange an, trinken Bier und Wein und singen bereits die ersten Lieder der Rapper, für die an diesem Abend alle hergekommen sind – BHZ.

Wer an diesem Donnerstag noch spontan entschließt vorbeizuschauen, wird enttäuscht. Die Karten für die Berliner Hip-Hop Gruppe aus Berlin sind heiß begehrt und restlos ausverkauft. Die sieben Jungs schaffen das vor allem durch eine Kreuzung aus all dem, was grade in und modern ist. Das ist mal ganz klassischer Trap, mal melancholischer Rap und nicht zuletzt volles Ohrwurmpotential.

Dead Dawg, Monk, Ion Miles, Big Pat, Longus Mongus, MotB und Samy – hier bringt jeder seine eigenen musikalischen Vorlieben mit. Doch erst zusammen werden sie zu Songs, die sowohl auf Festival-Bühnen als auch in kleinen Clubs funktionieren.

Von Moshpit zu Moshpit

Und das beweisen sie auch an diesem Abend. Die Menge ist ab der ersten Sekunde dabei und grölt jede Textzeile kraftvoll mit. Moshpits entstehen pro Song mindestens einmal. Bei Hits wie „Bier“ und „San Pellegrino“ sieht man dann fast kein filmendes Handy mehr – oder sie verschwinden einfach zwischen den zusammenspringenden Menschen. Die Stimmung ist ausgelassen.

Man sieht den Jungs an, wie viel Spaß sie daran haben, auf der Bühne zu stehen. In einer kurzen Pause erzählen sie davon, wie sie vor einem Jahr noch an einem anderen Punkt in ihrer Karriere waren. Und wie dankbar sie sind, dass sie nun hier in einer ausverkauften Location vor einem Publikum stehen können, das ihre eigenen Texte auswendig mitgrölen kann. Dieser Moment wird dann aber schnell vom nächsten Song überrannt. Die Fans springen von links nach rechts und öffnen schon den nächsten Kreis, in dem sie ungeduldig auf den Refrain warten.

Ruhe kehrt ein, als sich Dead Dawg zum melancholischen Solo ansetzt. „Der kleine Prinz“ ist ein Song, der berührt – und auch wenn er zwischen all den „Abriss-Songs“ vielleicht verloren wirken könnte, verschlingt das Publikum an diesem Abend alles, was auf der Bühne passiert. Feuerzeuge und Handylichter füllen den Raum, Menschen wiegen im Takt mit. Ein schöner Ruhemoment zwischen all den schnellen, aufgeregten Songs zuvor.

Höhepunkt

Den Höhepunkt erreicht das Konzert nicht an dem Punkt, als ein einzelner Bierkasten in einem romantischen Lichtkegel auf der Bühne erscheint oder Big Pat mitten in die Masse springt und spontan mittanzt –  der schönste Moment des Abends ist, als mehr als zwölf Leute auf der Bühne stehen und sich die sieben Musiker bei all denen bedanken, die sie auf ihrem Weg bisher begleitet haben. Dabei lassen sie niemanden aus. Wertschätzung, die man so nicht immer mitbekommt. Hier steht eine Musikgruppe auf der Bühne, die noch viel erreichen wird. Und dann, als die Bühne mehr nach privater Hausparty aussieht, verabschieden sich die sieben Jungs – natürlich nicht ohne Zugabe. 

 

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Celine Schmock
28.10.2019 - 16:50
  Kultur

Felsenkeller, Leipzig

03.10.2019