Festivalbericht

Samstage in Meerhout

Am Samstag den 29.04. haben wir einen kurzen Abstecher nach Belgien gemacht. Da fand das Groezrock Festival statt. Ein Hardcore Festival mit circa 40.000 Besuchern und Headlinern wie Detones, Anti Flag und Thrice.
Welcome To Groezrock
Festivalgelände

Das Groezrock findet im beschaulichen Örtchen Merhout in Belgien statt. Die Ortschaft ist wunderbar auf das Festival eingestellt, überall stehen grell-orangefarbene Schilder, die einem den Weg weisen und anscheinend wurden sämtliche Anwohner für die zwei Festival Tage evakuiert. Das tatsächliche Show Gelände ist ziemlich groß. Es gibt einen Eingang, der sich in Samstags-Besucher, Sonntags-Besucher und Besitzer eines Kombi-Tickets teilt. Dann gibt es noch einen Presse Eingang - den zu finden erfordert schon fast investigativjournalistische Fähigkeiten. Hat man aber seinen Eingang gefunden und ist dann tatsächlich irgendwann auf dem Gelände, wird man von Merch- und Essensständen begrüßt, die jedes Fan-Herz begeistern. Außerdem befindet man sich unweigerlich vor einer der drei Bühnen, die ja auch das Wichtigste an einem Festival sein sollten.

Die Bühnen

Direkt neben dem Eingangsbereich ist die Back To Basics Stage, überdacht durch ein blau- und rosafarbenes Zelt. Sie ist die zweitgrößte Bühne. Läuft man circa drei Minuten über das Feld, kommt man zur Watch Out Stage - die ist leider nicht überdacht und eher klein, bietet aber immer wieder die Möglichkeit neue Bands zu entdecken. Zu guter Letzt gibt es noch die Main Stage. Der Name spricht für sich. Man erkennt sie an ihrer lilafarbenen Überdachung und hier treten im Laufe des Tages viele der bekanntesten Bands des Line-Ups auf. Was ich allerdings nicht verstehe: Warum gibt es eigentlich keinen Becher Pfand? Im Laufe des Tages sieht die Wiese aus, als hätte jemand seinen übergroßen Plastikmüll über ihr ausgeleert. Außerdem ist die Rutschgefahr durch die Plastikflaschen im Mosh Pit deutlich höher.

Das lila Zelt der Main Stage
 

Die Musik

Das Groezrock ist vor allem ein Hardcore Festival. Mit dabei sind aber auch immer wieder Polit und Skate Punk Bands wie Anti Flag, The Menzingers und AJJ. Los geht das Festival mit einigen weniger bekannten Bands. Eine davon, Trade Wind, bieten dennoch eine ziemlich ungewöhnliche Überraschung. Nicht nur, dass sie großartig sind, was man nicht über jede erste Band auf Festivals sagen kann, ihr Sänger ist Jesse von Stick To Your Guns. Die spielen am Samstag ja auch noch, sprich, Jesse spielt tatsächlich an einem Tag zwei Shows. Das verdient im Hardcore definitiv Respekt, da Shouting sehr anstrengend sein kann. Nach Trade Wind sind mewithoutyou ein nächstes Highlight. Die Band hat einige Songs, die vielleicht eher auf ein Folk Festival gehören könnten, hier spielen sie allerdings ein Set, das sich seinen Platz auf der Mainstage des Groezrock definitiv verdient hat.

Weiter geht's

Nach mewithoutyou bahnt sich langsam der Teil dieses Tages an, der einige Festivalbesucher wohl in den Wahnsinn getrieben haben muss, denn nun überschneiden sich durchgängig wirklich sehenswerte und spannende Bands. Angefangen mit The Menzingers und Oathbreaker. Man könnte fast sagen, es muss die Entscheidung zwischen guter Laune und Schwermütigkeit getroffen werden. Viele Festivalbesucher entscheiden augenscheinlich dafür, jeweils nur halbe Sets und dafür viele Bands zu sehen. Dadurch steigt die gelaufene Kilometer Zahl für viele an diesem Tag in den zweistelligen Bereich. Ich persönlich setze Prioritäten bei einigen Bands, die ich definitiv komplett sehen will. Dazu zählen Underoath, die leider aus Zeitgründen nicht ihr Rebirth Set der derzeitigen Tour spielen können. Dennoch spielen sie eine gute Mischung aus Songs der beliebtesten Alben, und auch wenn sie inzwischen nicht mehr so bekannt zu sein scheinen, wir vor sechs Jahren noch, füllt die Mainstage sich mit Zuschauern, die brav ihren Mund zu den gesungenen und geshouteten Songs bewegen. Allgemein hätte etwas mehr Bewegung dennoch sein können. Langsam wird es nämlich auch kalt. Zwischen Underoath und Thrice ist dann ein kleiner Sprint zur Back To Basics Bühne lohnenswert, denn dort spielen Stick To Your Guns. Das Zelt ist unfassbar voll und auch hinter dem Zelt formen sich noch circa zehn Reihen. Viele versuchen irgendwie näher an sie ran zu kommen, doch das ist quasi unmöglich.  

Stick To Your springen auf der Bühne
 

Nach einigen Songs geht es für mich zurück zur Main Stage. Hier spielen Thrice. Seit der Auflösung und Wiederformierung der Band spielten sie sehr selten in Europa, weswegen dieses Konzert nicht nur durch die herausragende Präzision der Band überzeugt, sondern auch dieses Gefühl übermittelt "etwas ganz Besonderes" zu sein, dass man so eben nicht alle Tage haben kann. Nach dem letzten Song ist wieder laufen angesagt - wird schon beim Lesen anstrengend oder? Aber auch hier lohnt es sich wieder, denn Anti Flag beginnen gerade ihr Set auf der Back To Basics Bühne. Das wirklich besondere an dieser Show, und mein absolutes Highlight, ereignet sich kurz vor MItternacht. Die Band spielt ihren Song "911 For Peace". Das tun sie äußerst selten live - zumindest soweit wie ich das bisher mitbekommen habe und einschätzen kann. Die Stimmung im Publikum bestätigt eindeutig: eine sehr gute Wahl der Band. Während parallel noch In Heart's Wake auf der Watch Out Stage zu sehen sind, vor der es inzwischen allerdings unglücklicherweise wirklich sehr kalt geworden ist, beginnt auch schon das letzte Konzert dieses Festival Tags: Deftones. Die beweisen sich als die beeindruckende Live Band, die man ihnen nachsagt zu sein.

Das Publikum

Man sagt ja, wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man besser nichts sagen. Ein paar Worte möchte ich aber trotzdem loswerden: Leider hat das Publikum für mich einige Auftritte wirklich ruiniert. Sind Schlägereien wirklich notwendig, wenn man seine Aggressionen auch einfach im Mosh Pit abbauen könnte?

Das Festivalgelände von oben
 

Kulinarisches Highlight

Anti Flag setzen sich schon seit vielen Jahren für, in ihren Augen, wichtige politische Themen ein. Dazu gehört auch die Frage der vegetarischen und veganen Ernährung. Da die Band überzeugt ist, dass Essen eben schmecken muss, haben sie einen veganen Imbiss unterstützt, der beim Groezrock für einen Teil des Caterings zuständig war. Neben sehr leckerem Essen konnte man hier T-Shirts kaufen, die Anti Flag zusammen mit "Just Like Your Mom"-Catering designed haben.

 

Fazit

Auch wenn das Publikum mir hin und wieder schlechte Laune beschert hat, ist das Groezrock einfach ein gutes Festival. Das liegt an der vielen Mühe, die in den Aufbau und die Stände gesteckt werden. Mehr noch liegt es aber an den überragenden Bands, die Jahr für Jahr das Line-Up bilden. Mehr als einmal hat mir der Tag in Belgien erlaubt, mich wieder 10 Jahre jünger zu fühlen. Auch sehr schön zu sehen, ist jedes Mal aufs Neue, wie der Zusammenhalt und die Freundschaft unter den auftretenden Bands bestehen bleiben. Einige von ihnen spielten schon vor 15 Jahren gemeinsame Shows, und bejubeln sich auch heute noch gegenseitig. Bei so viel Liebe auf der Bühne kann man schon mal über den Mittelfinger hinwegsehen, der unberechtigt diversen Festivalbesuchern ins Gesicht gehalten wird. 

 

Close Up Thrice live
 
 

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Gesa Koy
04.05.2017 - 10:10
  Kultur

Die offizielle Homepage des Festivals finden Sie hier.