Oscars 2018

The same procedure...

Pünktlich zur Oscarverleihung kommt in Deutschland Steven Spielbergs neuer Film „Die Verlegerin“ in die Kinos. Mit Tom Hanks und Meryl Streep in den Hauptrollen, konnte man sich 2 Oscarnominierungen sichern, darunter eine für den besten Film.
Chefredakteur Ben Brendel (Tom Hanks) und die Verlagschefin Kay Graham (Meryl Streep)

Jedes Jahr gibt es diese Filme, große Schauspielnamen, eine bekannte Person auf dem Regiestuhl, eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit, verortet irgendwo in der jüngeren Zeitgeschichte. In der Vergangenheit hat sich herausgestellt, dass bei solchen Filmen die Kritisierenden schnell begeistert sind und auch die Oscar-Academy vergibt hier gern mal einen Oscar. Im letzten Jahr gab es das Biopic „Jackie“ oder auch „Hidden Figures“, in diesem Jahr ist neben „Die dunkelste Stunde“ der wohl offensichtlichste Versuch eine der goldenen Figuren zu ergattern „Die Verlegerin“ von Steven Spielberg. Und selten war ein Versuch so uninspiriert und berechnend.

Gewissenskonflikt um die Pentagon Papers

Die titelgebende Verlegerin ist Katharine Grayham (Meryl Streep), von allen immer nur Kay genannt. Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie Anfang der 60er Jahre das Familienunternehmen, die Zeitung „Washington Post“. In der männerdominierten Welt der Zeitungsverlage muss sie um ihren Platz kämpfen. Die Unsicherheit ist Grayham anzumerken, bei ihren ersten Sitzungen mit dem Vorstand. Kaum einer lässt sie zu Wort kommen, geschweige denn Ausreden. Ihre erste große Bewährungsprobe als Verlagschefin lässt aber nicht lange auf sich warten. Der Chefredakteur der Zeitung Ben Bradlee (Tom Hanks) ist nämlich zusammen mit einigen seiner Redaktionsmitglieder an geheime Regierungsdokumente gelangt. Die sogenannten Pentagon Papers halten dabei brisante Informationen über die Rolle der USA im Vietnamkrieg bereit. Nachdem die „New York Times“ über Teile der Penatagon Papers berichtete, wurde sie in einen Gerichtsstreit mit der Regierung verwickelt, den Grayham aufgrund der finanziellen Situation ihrer Zeitung unbedingt aus dem Weg gehen möchte. So schwankt sie zwischen ihrem journalistischen Gewissen und der Verpflichtung gegenüber dem Familienunternehmen. Als Bradlee dann auf eigene Faust anfängt an der Geschichte zu arbeiten, muss Grayham eine Entscheidung treffen. Drucken und einen Rechtsstreit riskieren oder nicht zu drucken und weiterhin eine nur mäßig relevante Marke auf dem hart umkämpften Zeitungsmarkt bleiben. 

Und für welche Seite sie sich am Ende entscheidet, dürfte dann eher keine Überraschung sein. 

Bloß keine Überaschungen

Und nicht nur das Ende kommt ohne Überraschungen daher, sondern sogar gleich der ganze Film. Selbst geschichtsunaffines Kinopublikum kann der Erzählung mit Leichtigkeit folgen, nicht weil alles so gut erklärt wird, nein vielmehr, weil es nicht viel zu erklären gibt.  Die Handlung bleibt überschaubar und ist mit ihren knapp zwei Stunden auch sehr optimistisch bemessen. „Die Verlegerin“ ist der mit Abstand langweiligste Beitrag in der diesjährigen „Bester Film“ Kategorie bei den Oscars. Dabei soll aber nicht der Eindruck entstehen „Die Verlegerin“ sei ein schlechter Film. Denn umgesetzt ist die Geschichte durchaus solide. Meryl Streep und Tom Hanks spielen ihre Rollen routiniert herunter, das Zeitgefühl der 70er und die Arbeit in den Zeitungsredaktionen wird schön eingefangen. Und auch die Botschaften des Films sind hochaktuell: Einschränkungen der Pressefreiheit durch die Regierung und eine noch immer männlich dominierte Nachrichtenwelt. Doch das ist dann alles viel zu sehr auf Gefälligkeit und Preise zugeschnitten - einfach nur glatt produziert. Und das wäre ja noch zu verkraften, wenn „Die Verlegerin“ wenigstens emotional mitreißend wäre, wenn der Film es schaffen würde eine Grundstimmung zu erzeugen. Aber die highlightarme Inszenierung und die, mit Ausnahme von Katharine Grayham, eindimensional und austauschbar bleibenden Figuren sorgen dafür, dass der Anreiz fehlt, sich den Film anzusehen. Die Botschaften tragen zu aktuellen Debatten auch nicht wirklich neues bei außer der nichtssagenden Aussage, dass die Probleme in den 70ern auch schon mal da waren.

Bewegtbild ohne Mehrwert

Spielberg verlässt sich voll und ganz auf seine Darsteller und seine Rezeption als Regisseur. Das ist gefährlich, denn so wird hier ein emotional kühles Produkt nach Lehrbuchformeln abgeliefert, das dem Medium Film nichts neues abgewinnen kann. Schlimmer noch, denn es stellt sich die Frage, ob die Geschichte in der Form wirklich verfilmenswert ist. Die Szenen, in denen Präsident Richard Nixon als Schatten hinter den Fenstern des Weißen Hauses mit tiefer Stimme am Telefon die Veröffentlichung der Dokumente in den Zeitungen zu verhindern versucht, sind ein filmisch peinlicher Versuch die repressive Haltung der diabolischen Regierung abzubilden und wirken unfreiwillig komisch. Die letzte Szene des Films, in der dann auch noch ein Bogen zur Watergate Affäre gespannt wird, ist aufgesetzt, platt und eines Steven Spielbergs nicht würdig. 

 

 

Fazit

„Die Verlegerin“ schielt so offensichtlich auf die Oscar Verleihung, dass darüber vergessen wurde, auch das Publikum im Blick zu behalten. So verschwindet der Film schnell wieder aus dem Gedächtnis und bietet nicht mehr Unterhaltungswert als der Wikipedia Artikel zu den Pentagon Papers. Ein Film um des Filmes willen, ohne Grundlage für eine Umsetzung, die dem Medium entsprechend wäre.

 

Kommentieren

"Die Verlegerin" läuft seit dem 22. Februar in den deutschen Kinos. Der Film ist insgesamt für zwei Oscars nominiert, sowohl für die "Beste Hauptdarstellerin" Meryl Streep, als auch für den Preis "Bester Film".

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Liz Hannah, Josh Singer

Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Bob Odenkirk, Alison Brie, Jesse Plemons, Michael Stuhlbarg