Drogenkonsum

Safer feiern mit den Drugscouts

Um im Club unnötige Notfälle wegen Drogen zu verhindern haben sich 1996 in Leipzig die Drugscouts gegründet. Sie wollen Drogenkonsum dabei aber nicht verteufeln, sondern geben Tipps wie man möglichst sicher konsumieren kann - aber wie machen sie das?
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In Clubs machen die Drugscouts mit ihren Ständen auf Safer Use aufmerksam.

Von Feiernden an Feiernde

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Um nächtelang durchzufeiern oder einfach um bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen, greift der ein oder andere auf Festivals oder Partys zu kleinen Hilfsmitteln. Dass Drogenkonsum die Gesundheit schädigt ist klar. Deswegen wollen die Drugscouts diesen aber nicht völlig verteufeln, sondern über Risiken aufklären und zeigen, wie sicherer Konsum, sogenannter Safer Use, funktioniert. Das Besondere am Ansatz ist, dass die Mitglieder der Drugscouts zum Großteil selber aus der Partyszene kommen und die Konsumenten vor Ort, in Clubs und auf Festivals, antreffen. Sie wollen die Feiernden nicht belehren oder ihnen etwas vorschreiben, sondern die Möglichkeit bieten mit kleinstmöglichen gesundheitlichen Risiken zu konsumieren. Denn vor allem besonders junge Menschen nehmen oft Substanzen zu sich, von denen sie gar nicht wissen, was es ist und was drin ist.

Weil Pillen oft auch viel zu hoch dosiert sind, kippen Jugendliche um und dann muss der Krankenwagen kommen.

Drugscouts-Praktikantin Alina

Genau solche Notfälle wollen die Drugscouts mittels Aufklärung verhindern, damit eine schöne und sichere Party gewährleistet ist. Dabei machen die Drugscouts verschiedene Erfahrungen. Selbstverständlich gibt es auch Aggressionen, bei einigen Konsument*innen, die dann teilweise austicken. Dennoch machen die Drugscouts auch sehr viele positive Erfahrungen - sowohl auf Partys als auch auf Festivals.

Auch mit Leuten die völlig druff sind und mit denen man sich dann unterhält - das sind eigentlich auch ganz tolle Gespräche, die dann letztendlich dabei raus kommen.

Katrin Schröder, Drugscouts-Mitarbeiterin

Mehr Bewusstsein für Safer Use in Clubs

Das Projekt zeigt Wirkung. In Clubs oder bei Veranstaltungen, wo die Drugscouts öfter sind, wird darauf geachtet, dass die Mitarbeiter im Umgang mit Konflikten oder Notfällen geschult sind.

Sie sorgen dafür, dass man auf den Partys einfach sensibler mit der ganzen Thematik umgeht und auch eine eigene Verantwortung verstärkt wahrnimmt.

Sylke Lein, Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig

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In Chillout-Areas unterstützen die Drugscouts im Falle eines Bad Trips.

Dennoch gibt es Kritik, das Projekt fördere Drogenkonsum, anstatt davor abzuschrecken. Oft wird zum Beispiel kritisiert, dass sie beispielsweise Ziehröhrchen verschenken. Damit soll verhindert werden das beispielsweise Koks- oder Speedkonsumenten ihre Substanzen durch Geldscheine ziehen. Denn diese sind mit einer Menge Keimen behaftet und schädigen die Nasenschleimhäute enorm. Aber wirkt so ein Ziehröhrchen allein nicht erstmal verlockend?

Die Leute, die sagen 'Naja regt das nicht an?!', die frag ich meistens oft ganz direkt zurück und sage: 'Naja fängst du jetzt an Koks zu konsumieren, weil das Ziehröhrchen da liegt?' Dann sagen die: 'Neee Neee' Und dann sag ich: 'Naja siehste.'

Katrin Schröder, Mitarbeiterin der Drugscouts

Diese Entscheidung für oder gegen eine Substanz, das sei laut Katrin einfach ein längerer Prozess.

Der Beitrag zum Nachhören:

Charlotte Siemoneit über Safe Clubbing in Leipzig
Drugscouts
 

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Hier gehts zu den Infos zum Safer Use:

https://drugscouts.de/