Glücksspiel

Sachsens Spielhallen vor dem Aus?

Eine Gesetzesänderung führt möglicherweise zur baldigen Schließung von Spielhallen. Das Gesetz soll Spielsucht verhindern und umfassenderen Jugend- und Spielerschutz gewährleisten. Spielstättenbesitzer bezweifeln dessen Wirksamkeit.
Der Reiz des Unvorraussagbaren: Etwa 400.000 Deutsche sind spielsüchtig.

Das bereits vor fünf Jahren verabschiedete Sächsische Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag (SächsGlüStVAG) findet in Sachsen nun Anwendung. Seit Juli müssen Sachsens Spielhallen somit eine Spielerlaubnis vorlegen können. Abstandgebote, wie die 250-Meter-Regelung gehören auch dazu. In Berlin müssen Spielstätten sogar eine Luftlinie von mindestens 500 Meter Abstand einhalten. Diese Anforderungen können dazu führen, dass Glücksspielautomaten vermehrt in gastronomischen Einrichtungen aufgestellt werden: In Leipzig in der Eisenbahnstraße gibt es etwa spielhallenartige Einrichtungen, welche aber im halbillegalen oder sogar illegalen Bereich liegen. Dazu gehören z.B. einige Café-Casinos, Wettbüros und Shisha-Bars mit Alkoholausschank. Außerdem dürfen nicht mehrere Spielhallen in einem Gebäude untergebracht werden, was in Leipzig oft der Fall ist. Dies zeigt sich daran, dass es 44 Spielhallenstandorte gibt, aber 58 Spielhallenkonzessionen.

Zweifel an Hilfe für Spielsüchtige

Laut Thomas Breitkopf, dem Präsidenten des Bundesverbands der Automatenunternehmer e.V., stehen in Sachsen nun 427 Spielhallenkonzessionen ab Oktober potenziell vor dem Aus. Die Schließung von legalen Spielstätten, was durch das Gesetz die Reduzierung geschätzt die Hälfte vom Markt bedeutet, könnte eine Abwanderung der Glücksspieler ins illegale Spiel bewirken. Bei einer gelungenen Regulierung des Markts „spielt die Zertifizierung eine zentrale Rolle, die sowohl staatsentlastend ist, als auch den Spieler-und Jugendschutz gewährleistet“. Die Vertreter der Automatenunternehmer erkennen eine Fehlentwicklung und stellen nun Forderungen an die Politik. Automatenkaufleute sind der Meinung, dass durch das Gesetz aber vor allem der Schutz von Jugendlichen und Spielern nicht garantiert wird.

Moderne Technik als Prävention

Durch Biometrische Einlasssysteme soll Spielsüchtigen die Möglichkeit geboten werden, sich in jeder Spielhalle sperren zu lassen. Das System „Face-Check“ schätzt das Alter des Freizeitspielers und schickt Jugendliche unter 25 Jahren sicherheitshalber direkt zur Rezeption, welche dann zusätzlich kontrolliert werden. Zukünftig stellt man sich vor, eine datenschonende Sperrdatei auf Landes-oder Bundesebene zu führen. Mit diesem System könne man auf die Sperrdatei zugreifen, in welcher alle gesperrten Gäste erfasst wären. So könnten überall wo das System installiert ist, gesperrte Spieler erkannt und nicht in die Spielstätte gelassen werden. Kritik gibt es außerdem an dem heutigen Umgang mit süchtigen Spielern: in jeder Spielstätte müssten diese sich einzeln sperren lassen, was vor allem für Abhängige schwer umsetzbar ist.

In zwei Monaten soll das Gesetz nun in Kraft treten. Die Automatenkaufleute stehen daher in der Kritik, da das Gesetz ihnen bereits seit fünf Jahren bekannt ist und so eigentlich genügend Zeit gehabt hätten, sich auf die damit verbundenen Veränderungen einzustellen. 

Mehr Informationen erfahren Sie im Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Justus Jost:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Justus Jost.
 

 

 

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Joanna Sulikowska
10.08.2017 - 19:53