Sächsische Wirtschaft

Russlandsanktionen in Taucha

Am 31. Juni 2014 beschließt die Europäische Union umfangreiche Sanktionen gegen Russland als Antwort auf die milltiäriche Annexion der Halbinsel Krim. Welche Auswirkungen die auf einen Kranbauer bei Taucha haben, können Sie hier nachhören.
Taucha Krane, Geschäftsführer
Olaf Brauer vor einem 30 Meter langen Stahlträger. Der wird später zu einem Kran, den seine Firma vertreibt.

Am 31. Juni 2014 verabschiedete die Europäische Union wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die militärische Annexion der Halbinsel Krim. Auch die CDU steht hinter den Russlandsanktionen. Bis auf wenige Ausnahmen, wie der sächsiche Ministerpräsident. Der ritisiert die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, da sie der sächsischen Wirtschaft schade. Ich habe einen Kranbauer im sächsichen Jäsenitz bei Taucha besucht, für den die Russlandsanktionen einen herben wirtschaftlichen Einschnitt bedeutet haben.

Die persönliche Geschichte zum Nachhören:

"Russlandsanktionen in Taucha" - Eine Reportage von Max Brose
Russlandsanktionen in Taucha

Millimetergenau justiert ein Mann zwei Gurte an einem Stahlkran, so lang wie ein Eisenbahnwagon. Der wird gerade für den Verkauf vorbereitet, erklärt mir der Chef von Taucha Krane Olaf Brauer

Der Kollege ermittelt gerade den Schwerpunkt des Kranes.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

So könne ihn der Autokran später auf der Baustelle den Kran anheben, ohne dass der aus dem Gleichgewicht kommt. Solche Krane mit Traglasten bis zu 150 Tonnen fertigt Taucha Krane seit der Wende. Insgesamt fünf Werkhallen hat die Kranfirma dafür gebaut, zwei davon zwischen 2013 und 2015 für den neu erschlossenen Russlandmarkt.

Weil unser Russlandgeschäft weiter wachsen sollte, was aber 2015 abrupt gestoppt wurde wegen der Sanktionen.

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Mittlerweile nutze Taucha Krane die beiden Hallen für Aufträge aus anderen Ländern. In der zweiten Halle, die ursprünglich für das Russlandgeschäft geplant war, empfängt uns der Geruch von geschweißtem Metall. Der kommt von einem Stahlträger den zwei Mitarbeiter gerade reinigen.

Was sie hier gerade sehen, die Kollegen bereiten den Kastenträger vor zur Drehung, um dann fertig geschweißt zu werden.

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane
Die können wir aber nicht mehr beobachten, denn die beiden Stahlbauer gehen jetzt in die Mittagspause – so wie alle 60 Mitarbeitenden des Betriebs. Und Olaf Brauer und ich habe Zeit, in seinem Büro über das Russlandgeschäft der Firma Taucha Krane zu sprechen.

Über den Handball auf den russischen Markt

Das habe ich mit einem russischsprechenden Handballspieler von Concortia Delitzsch begonnen.

Den haben wir im Prinzip gesponsert indem er hier gearbeitet und dort professionell Handball gespielt hat.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

So habe die Firma die ersten Kontakte nach Russland geknüpft, die sie dann auf der Metallorobotka – der Leitmesse der russischen Maschinenbauindustrie - vertieft. Das verlief unproblematisch, da Taucha Krane eine der ersten Kranbauer waren, die auf den russischen Markt zugegangen sind, sagt Brauer.

Die Russen wollten ja auch selber Geschäfte machen, waren viel im Ausland unterwegs und bis zu den Sanktionen hat das ja auch wunderbar funktioniert.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

So wunderbar, dass die Firma ein Drittel ihrer Waren nach Russland exportiere. Damit sind sie allerdings in Sachsen eine Seltenheit.

Schon 2015 – zu Beginn der Russlandsanktionen gingen nur etwas mehr als 2 Prozent der sächsischen Exporte nach Russland. Im vergangenen Jahr waren es nur noch etwas mehr als ein Prozent. Ein möglicher Grund: Die Sanktionen verbieten nicht alle Produkte, sondern nur solche, die auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden. Das veranlasste die EU, um die militärische Annexion der Halbinsel Krim nicht zu unterstützen. Ob auch die Krane der Firma Taucha Krane militärisch genutzt werden, verneint Olaf Brauer. Zwar wisse er es nicht hundertprozentig, da die Händler die Waren direkt abholen.

Ich denke aber nicht, dass unsere Krane im militärischen Einsatz sind oder waren.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Allerdings hätten die Sanktionen einen indirekten Einfluss auf Taucha Krane gehabt.

Putin, Kretschmer und kleinere Brötchen

So hätten sie den Wert des Rubels in den Keller getrieben und sich auf das Bankengeschäft derart ausgewirkt, dass russische Firmen nur noch Kredite zu horrenden Zinsen aufnehmen konnten.

... Putin hat gesagt:  Die russische Wirtschaft muss sich selber an den Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Darum habe Russland in den vergangenen Jahren vor allem im eigenen Land Maschinen gebaut. Deutsche Unternehmen seien weniger gefragt. Das habe Taucha Krane ein halbes Jahr nach Beginn der Sanktionen gemerkt, da neue Aufträge ausblieben.

Mit allem drum und dran war das für uns ein sehr einschneidender Prozess.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Der habe dazu geführt, dass Taucha Krane in den letzten Jahren zehn der ursprünglich 70 Angestellten entlassen musste. Auch die eigens gebauten Hallen wären in den ersten anderthalb Jahren nach den Sanktionen nicht ausgelastet gewesen. Darum begrüßt Olaf Brauer die Forderung Kretschmers, die Russlandsanktionen abzubauen.

Ich finde auch den Vorstoß gut, wir müssen auf der Welt alle miteinander auskommen.

 

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Für Olaf Brauer strebt Ministerpräsident Kretschmer lediglich eine Zusammenarbeit an, von der Taucha Krane als Unternehmen und Sachsen als Wirtschaftsstandort profitiert. Darum hofft er auf eine Entspannungspolitik zwischen Deutschland und Russland. Mittlerweile habe man sich aber Geschäftspartner in anderen Ländern gesucht, um den Verlust durch die Russlandsanktionen zu kompensieren.

Inzwischen haben wir uns von diesen drei Millionen eine Millionen wieder zurückgeholt von diesen drei Millionen.

Olaf Brauer, Geschäftsführer Taucha Krane

Das sei aber nicht das Niveau, auf dem die Firma vor fünf Jahren war. Sie backen jetzt eben kleinere Brötchen, meint Olaf Brauer.  

 

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Max Brose
01.08.2019 - 17:04