Literaturrezension

Romeo oder Julia

Kurt Prinzhorn reist durch Europa. Als Schriftsteller fährt er auf Kongresse, Lesungen und Vorträge nach Innsbruck, Moskau und Madrid. Jedoch nicht allein. Seine dandyhaften Reisen werden von einer Stalkerin aus seiner Vergangenheit überschattet.
Literatur, Rezension, Falkner
"Romeo oder Julia", von Gerhard Falkner

Romeo oder Julia

Auf dem ersten Stopp seiner Reise ereignet sich in Kurt Prinzhorns Zimmer ein „ungewöhnlich seltsamer Vorfall“. In seiner Abwesenheit ist jemand in sein Zimmer eingebrochen. Gestohlen wurde nichts von Wert, aber in der Badewanne hat der Eindringling absichtlich schwarze lange Haare hinterlassen. Wie sich herausstellen wird, stammen sie von einer Liebhaberin aus Prinzhorns Vergangenheit. Die folgt ihm auch auf den nächsten Stationen seiner Lesereise. In seinem Roman „Romeo oder Julia“ beschreibt Gerhard Falkner die Geschichte dieses merkwürdigen Stalkings.

Kritik

Der Autor versucht jedoch sehr krampfhaft, durch die Stalkinggeschichte zu dramatisieren. Als es zum Showdown kommt, muss er schon sehr weit ausholen, um die Geschichte irgendwie noch zusammenzubekommen. Was das Buch eigentlich nicht nötig hätte. Es besticht vor allem durch den starken Charakter des Protagonisten. Kurt Prinzhorn ist ein belesener, gebildeter, intellektueller Mensch. So ziehen sich Referenzen zu Werken und Figuren aus Kunst und Kultur durch den gesamten Roman.

Tschechow […] soll einmal gesagt haben, eine Pistole, die im ersten Akt auftaucht, muss spätestens im dritten Akt abgefeuert werden.

Gerhard Falkner, „Romeo oder Julia“

Als Leser kann man sich sehr gut mit dem Icherzähler Prinzhorn identifizieren und begleitet ihn auf seiner Reise. Durch eine wunderbar gewählte Sprache und die Perspektive des interessanten Protagonisten samt Spott, Arroganz und Herablassung ist das Buch wirklich unterhaltsam. So beschreibt er beispielsweise eine weniger kulturaffine Gruppe in seinem Hotel:

Nicht von Adam schienen diese Zweiten abzustammen, sondern von Adenauer. In der einen Gruppe gab es also mehr Quatsch, in der anderen mehr Geld.

Gerhard Falkner, „Romeo oder Julia“

Es ist durchaus lesenswert, was Gerhard Falkner in „Romeo oder Julia“ schreibt. Besonders auf seine Kosten kommen wird, wer auf einen klassischen Konflikt verzichten kann. Denn der ist dermaßen konstruiert, dass die schöne Handlung aus reinem Reden, Denken und Beschreiben Prinzhorns ein wenig darunter leidet. Schade.

mephisto97.6-Redakteur Felix Krause hat das Buch gelesen.

Rezension Gehrard Falkner, "Romeo oder Julia"

verwendete Musik:

Parvus Decree - Fin de Siècle, Creative Commons Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Rezension Gehrard Falkner, "Romeo oder Julia"

 

 

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Felix Krause
09.11.2017 - 16:10
  Kultur

„Romeo oder Julia“ von Gerhard Falkner ist im Berlin Verlag erschienen und kostet 22,00 Euro. Der Roman war für den deutschen Buchpreis 2017 nominiert.