Frisch Gepresst: Queens of the Stone Age

Robot Rock

Aus der Steinzeit in die Neuzeit. Queens of the Stone Age melden sich mit einem neuen Album zurück. Und das beweist: Auch Königinnen müssen manchmal mit der Zeit gehen, um populär zu bleiben.
Queens of the Stone Age
Queens of the Stone Age

Gestartet sind die Queens of the Stone Age als Projekt von Frontsänger und Mastermind Josh Homme. Dessen erste Band Kyuss löste sich 1995 aufgrund von diversen internen Streitigkeiten auf. Daraufhin spielte Homme als Aushilfsmusiker bei verschiedenen Bands wie Screaming Trees oder Soundgarden. Allerdings stellte er schnell fest, dass er wieder lieber in einer festen Band spielen würde. Deshalb gründete er ein Jahr später Gamma Ray. Allerdings existierte in Deutschland bereits eine Band dieses Namens, die drohte Homme zu verklagen. Daher benannte er die Band in Queens of the Stone Age um. Der Name stammt ursprünglich von Chris Gross, einem Produzenten und Freund der Band. Er meinte „you sound like the queens of the stone age“. Das gefiel den Bandmitgliedern und sie erwählten es als ihren Namen. Allerdings sah Homme noch ein Problem: Die Musik klang ihm noch zu sehr nach seiner ersten Band Kyuss. Das wollte er ändern. Das Schlagzeugspiel wurde vereinfacht und auf ein minimalistisches Level gebracht. Dafür wurden komplizierte Gitarrenriffs eingefügt, die sich repetitiv durch die Songs ziehen und zeitweise auch als Intermezzi Solo für sich stehen. Ein eigener, einzigartiger Sound war geschaffen. Homme bezeichnete diesen als Robot Rock.

Steinzeit meets Neuzeit

Vergangene Woche haben Queens of the Stone Age ihr mittlerweile siebentes Album "Villains" veröffentlicht. Zuvor hatten sie eine zweijährige Pause eingelegt, nachdem sie sich nach zwei Jahren auf Tour erschöpft gefühlt haben. Die freie Zeit hat die Gruppe genutzt, um sich mal wieder etwas Besonderes einfallen zu lassen. Vor dem Hören fallen an der Platte direkt drei Dinge auf: Die Bandbesetzung ist seit dem letzten Album gleich geblieben, es gibt keine Kollaborationen mit anderen Künstlern auf dem Album zu hören und produziert wurde das Ganze von Mark Ronson. Vor allem der letzte Fakt lässt aufhorchen. Eigentlich gilt Mark Ronson eher als "Popproduzent". Er arbeitet für gewöhnlich mit Künstlern, wie Bruno Mars oder Lady Gaga. Doch diese Wahl kommt nicht von ungefähr. Hommes Ziel war es, den Sound der Band weiterzuentwickeln, ohne die musikalischen Wurzeln zu vernachlässigen. Daher erstrahlt auf dem neuen Album der charakteristische Klang der Queens of the Stone Age in neuartigem Popgewand.

Die Hitsingle vom neuen Album, "The Way You Used To Do" ist von ungewohnt schnellem, energetischem Beat geprägt. Dazu kommen groovige Bass und Gitarrenriffs. Es klingt, als würde poppige Soulmusik auf klassischen Stonerrock treffen. Daraus entsteht ein Song, der zwar nicht fröhlich zu nennen ist, jedoch trotzdem gute Laune bereitet und zum Mitwippen einlädt. Auch der Song "Head Like A Haunted House" entspricht diesem Schema. Allerdings wird das Tempo des Beats und der Gitarrenriffs noch einmal angezogen. Die Stimmung des Songs wirkt dadurch gehetzt, getrieben. Es fühlt sich an, als wäre man der Bösewicht in einer rasanten Verfolgungsjagd.

"Come Close…" – diese Worte erschallen geisterhaft und unheimlich zu Beginn des Songs "The Evil Has Landed". Nach kurzer Ramp steigt der Song wieder mit flottem, lebhaftem Beat und grooviger Gitarre ein. Dieser instrumentale Grundaufbau wird jedoch mit gespenstischem Gesang kontrastiert. Es entsteht eine verspielte, aber melancholisch düstere Stimmung. In diesem 6:30 Minuten langen Epos wird den Instrumenten in längeren Intermezzi mehr Raum gelassen, als in den schnelleren, poppigen Nummern. Die letzte Minute des Songs überrascht durch einen Beat und Stimmungswechsel. Es wird wieder lebhafter und dynamischer. Der letzte Song des Albums "Villains of Circumstance" baut sich extrem langsam auf. Erst nach zweiminütigem ruhigem Gesang, der nur leise von Gitarre und verzerrten Klangspielen untermalt wird, setzen Schlagzeugspiel und E-Bass ein. Der Song erscheint dadurch mysteriös und melancholisch. Erst gegen Ende des Liedes bahnt sich ein instrumentaler Höhepunkt, als Abschluss des Albums an.

Bösartig gut

Mit "Villains of Circumstance" ist es Queens of the Stone Age gelungen sich musikalisch weiterzuentwickeln, ohne ihren charakteristischen Sound über Bord zu werfen. Auffällig ist jedoch die Länge der Songs. Die meisten dauern fünf oder gar sechs Minuten. Dieser ausgedehnte Song-Umfang ermöglicht viele Stimmungswechsel zwischen ruhigen, mysteriösen Abschnitten und schnelleren, Upbeat- Passagen. Immer wieder werden die Tracks durch längere, verspielte Instrumentalpassagen unterbrochen. Allgemein ist das Tempo auf dem neuen Album schneller, als auf dessen Vorgänger. Es wirkt grooviger und energetischer als die bisherigen Alben. Hier ist wahrscheinlich Mark Ronsons Einfluss zu spüren, den Josh Homme mit ins Boot geholt hat, um dem Sound von Queens of the Stone Age einen neuen Anstrich zu verpassen.

 

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Queens of the Stone Age: Villains

Tracklist:
  1. Feet Don’t Fail Me*
  2. The Way You Used To Do*
  3. Domesticated Animals
  4. Fortress
  5. Head Like A Haunted House
  6. Un-Reborn Again
  7. Hideaway
  8. The Evil Has Landed*
  9. Villains Of Circumstance

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 25.08.2017
Matador Records Limited

Queens of the Stone Age auf Tour in Deutschland:

 

Do. 09.11.17    Oberhausen     König-Pilsener-Arena

Fr.  10.11.17    München          Zenith

Sa. 11.11.17    Berlin                Velodrom

Mi.  15.11.17   Hamburg          Sporthalle

 

Tickets gibt's hier.