DOK 2019

ROBOLOVE: Alles ganz natürlich

Menschen im engen Kontakt zu humanoiden Robotern. Der Dokumentarfilm "Robolove" von Maria Arlamovsky präsentiert beeindruckende Technologie und untersucht die Frage: Wer programmiert diese Roboter eigentlich?
Robolove
Robolove von Maria Arlamovsky dokumentiert Alltagsszenen zwischen Mensch und Roboter

Die Zeiten sind vorbei, in denen Roboter wie rollende Kühlschränke aussahen. Der Dokumentarfilm Robolove, der in dieser Woche beim 62. DOK Leipzig gezeigt wird, präsentiert Roboter, die Menschen in beeindruckender Weise ähneln. Neben rollenden Pupillen, zwinkernden Augen und einem kleinen Lächeln, verfügen diese auch über die Fähigkeit zu kommunizieren. Alles natürlich gemäß der vorgesehenen Programmierung. Robolove geht einen Schritt weiter. Der Film verkommt nicht zum bloßen Technikvortrag, sondern diskutiert die Fragen und deren Konsequenzen: Nach welchen Vorstellungen werden diese Roboter programmiert?

Die Fantasien der patriarchalischen Gesellschaft

Robolove begleitet die Produktionen der Humanoiden in Japan, Korea und den USA. Ishiguro Hiroshi ist einer der Vorreiter auf diesem Gebiet. Voller Stolz präsentiert er Nachbildungen seiner Familie, samt seinem eignen Abbild. Andere Protagonisten, es sind fast ausschließlich Männer, designen und programmieren weibliche Roboter, die sich alle überraschender Weise im schlanken Körperbau ähneln. Schnell wird klar, Robolove präsentiert Beziehungen zwischen Mensch und Roboter, in denen patriarchalische Strukturen unserer Gesellschaft schlicht fortgeführt werden.  

Robolove

Doch der Film zeigt, durch den ständigen Wechsel der Protagonistinnen und Protagonisten, verschiedene Intensionen für die Herstellung der Roboter auf. Neben Einsamkeit und der Hilfe für Menschen, die pflegebedürftig sind, nennt eine Protagonistin, dass sie auf der Suche nach einer neuen Assistentin sei. Eine Assistentin, die ihr nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern auf Kommando auch alle Aufgaben nach ihren Vorstellungen umsetzt. Was die Personen in Robolove eint, ist die andauernde Betonung, wie natürlich die Beziehung zum Humanoiden doch sei.

Der Film von Maria Arlamovsky nimmt sich Zeit, um die teils absurden Interaktionen zwischen Mensch und Roboter zu beobachten. In der Diskussion der anfänglichen Frage über soziale Beziehungen, die durch den Mann geprägt sind und auch zwischen Mensch und Roboter fortgesetzt werden, liegen die Stärken des Films. Leider schlittert Robolove an einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema leicht vorbei und versucht stattdessen am Ende möglichst viele ethische Fragen abzuhandeln. In den 76 Minuten Laufzeit, die zur Verfügung stehen, zu oberflächlich. Der Fokus hätte stärker auf der Auseinandersetzung liegen können, wer diese Roboter nach welchen Normen und Werten herstellt.

Robolove besticht durch beeindruckende Bilder, die Interaktionen zwischen Personen und menschenähnlichen Robotern dokumentieren und schneidet zentrale ethische und soziale Fragen an. Regisseurin Maria Arlamovsky verzichtet auf Kommentare, um den Zuschauenden die Entscheidung selbst zu überlassen: Ist das die schöne neue Welt, wie wir sie uns wünschen?

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderatorin Sophia Spyropoulos im Gespräch mit Redakteur Max Hemmann
Moderatorin Sophia Spyropoulos im Gespräch mit Redakteur Max Hemmann
 

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Maximilian Hemmann
30.10.2019 - 18:01
  Kultur

ROBOLOVE

Laufzeit: 76 Minuten

Regie: Maria Arlamovsky

Website: https://www.geyrhalterfilm.com/robolove

Der Film läuft im Internationalen Wettbewerb des 62. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm.

mephisto 97.6 berichtet während des gesamten Festivals täglich im Live-Programm und online über das Programm von DOK Leipzig.