Filmkritik

Robert Redfords Schwanengesang

Sexsymbol, Frauenflüsterer, Leinwandidol der 70er - Kinolegende Robert Redford ist mittlerweile 82 Jahre jung und kann auf eine erfolgreiche Schauspielkarriere zurückblicken. Mit „Ein Gauner und Gentleman“ stellt er nun seinen letzten Film vor.
Die "Alt-Herren-Gang" beim Pläne schmieden.
Die "Alt-Herren-Gang" beim Pläne schmieden (rechts: Robert Redford).

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der Beitrag zu "Ein Gauner und Gentleman" von Maxi Kretschmar und Christin Mäder
ein BME von Maxi Kretschmar und Christin Mäder

Blondes Haar, blaue Augen, feiner Anzug und sympathische Falten: Robert Redford ist trotz seines hohen Alters nach wie vor in bester schauspielerischer Verfassung. Das beweist er in der Kriminalkomödie „Ein Gauner und Gentleman“. Sein Abschied ist ihm als Bankräuber Forrest Tucker mehr als würdig gelungen.

Den Bankräuber Forrest Tucker gab es wirklich

Der echte Tucker lebte die meiste Zeit seines Lebens hinter Gittern. 1935 wurde erst zum ersten Mal festgenommen, mit 15 Jahren erstmalig wegen Diebstahls inhaftiert. In einer Zeitspanne von knapp 60 Jahren wurde er 17 Mal gefangen genommen. Unter anderem verbüßte der Bankräuber seine Strafe auf der Gefängnisinsel Alcatraz. Das Erstaunliche dabei: 16 Mal gelang ihm die Flucht.

"Ein Gauner und Gentleman" gibt einen Einblick in den Alltag des Bankräuber-Trios um Tucker: Wir befinden uns im Amerika der 80er Jahre. Tucker und seine Komplizen Theodore "Teddy" Green und John Waller halten die Polizei auf Trapp. Auch mit über 70 haben sie noch Spaß am Verbotenen. Die charismatischen alten Herren verbringen ihre Zeit am liebsten damit, Banken auszurauben. Der Unterschied zu anderen Verbrecherfilmen: Die "Alt-Herren-Gang" sind keine Bösewichte im klassischen Sinne. Gemütlich spazieren sie in verschiedene Banken. Die ausgeraubten Bankmanager und Bankmanagerinnen beschreiben Tucker der Polizei als "sehr höflich", "nett" und "Irgendwie war er auch ein Gentleman". Die Pistole, die Tucker bei sich trägt, kommt kein einziges Mal zum Einsatz.

Forrest Tucker (rechts) überfällt eine Bank.
Forrest Tucker (rechts) überfällt eine Bank.

Während der Polizist John Hunt verzweifelt versucht, den drei Rentnern das Handwerk zu legen, lernt Tucker Jewel kennen. Jewel ist eine alleinstehende Dame, mit der er sich von nun an trifft. Sie merken bald, dass sie einander gut leiden können. Anfangs hält Tucker sich bedeckt mit dem, was er tut. Aber auch als Jewel von seinem Hobby erfährt, wendet sie sich nicht von ihm ab.

Fantastische Starbesetzung

Weite, ruhige Kameraaufnahmen, entspannte 80er Jahre Popmusik und vor allem Leichtigkeit tragen den Film. Das einzige Manko sind wohl die etwas gewöhnungsbedürftigen Synchronstimmen. Allerdings gewöhnt man sich im Laufe des Films daran. Auch wenn es sich um eine Kriminalkomödie handelt, gibt es nicht übertrieben viele genretypische Elemente. Regisseur David Lowery legt den Fokus nicht auf Verfolgungsjagden oder Gefängnisszenen, sondern auf den Charakter Forrest Tucker.

Und dieser wird brilliant von Robert Redford verkörpert. Nach wie vor kann man sich dessen Charme nicht entziehen. Er spielt den Bankräuber Tucker mit einer Unbeschwertheit, die ihn wahnsinnig liebenswert macht. Man entwickelt regelrecht eine Sympathie für den Verbrecher. Ebenso glänzen die starbesetzten Nebenrollen. Der Polizist Hunt wird von Casey Affleck gespielt, mit dem Lowery schon in „A Ghost Story“ zusammenarbeitete. Mit Sissy Spacek als Jewel findet Redford eine Partnerin auf derselben Wellenlänge. Dass die Harmonie zwischen den beiden stimmt, merkt man sofort. Wenn sie gemeinsam auf der Veranda sitzen und über das Leben philosophieren, da will man den beiden ewig zuhören. Auch die beiden Komplizen von Tucker sind keine Unbekannten. Tom Waits und Danny Glover vervollständigen das Bankräuber-Trio, gehen aber leider neben dem brillianten Redford etwas unter.

Fazit

Entgegen der anfänglichen Erwartung einer unrealistischen Story, überzeugt „Ein Gauner und Gentleman“ auf seine ganz eigene behutsame Weise. Er nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine authentische Reise ins Amerika der 80er Jahre. Der Film ist locker, leicht und hinterlässt irgendwie ein wohlig-warmes Gefühl.

 

 

 

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Christin Mäder, Maxi Kretzschmar
04.04.2019 - 15:35
  Kultur

"Ein Gauner und Gentleman"

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery & David Grann

Kinostart: 28. März 2019

Laufzeit: 93 Minuten

Cast: Robert Redford, Casey Affleck, Sissy Spacek, Tom Waits, Danny Glover